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Flächenfraß in Bayern Woher kommt die Betonflut auf dem Land?

Der Traum vom Haus mit großem Garten: In der Regel wird er nur noch auf dem Land Wirklichkeit, und dort im Neubaugebiet. Währenddessen verfallen die alten Ortskerne. Trotz Zuzug kommt es dabei auch zu sinkenden Einwohnerzahlen. Was hat es damit auf sich?

Von: Almut Gronauer

Stand: 12.07.2018

Im ländlichen Raum boomt der Wohnungsbau, aber auch der Flächenfraß: Auf dem Land wird dreimal so viel gebaut wie in der Stadt. Auch in Gegenden, in denen die Einwohnerzahl sinkt, wie im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz. Der Landkreis: in Sachen Flächenverbrauch Rekordhalter in Bayern. Pro Kopf wird hier mehr als zweieinhalb Mal so viel zubetoniert wie im Landesdurchschnitt.

Nach einer Studie des Instituts für Deutsche Wirtschaft baut man im Landkreis Neustadt an der Waldnaab dreimal so viel Wohnraum wie künftig benötigt. Auch in der oberpfälzer Marktgemeinde Waldthurn. Der Bau von Eigenheimen ist für Bürgermeister und Landwirt Josef Beimler ein Mittel im Kampf ums Überleben.

"Für mich ist es einfach wichtig, dass wir nicht nur ein Seniorenheim haben, oder dass wir die alten Wohnungen erhalten und den Ortskern. Für mich ist es auch wichtig, dass wir junge Familien ansiedeln können. Wenn lauter alte Leute in Waldthurn sind, dann sterben wir aus, dann ist es absehbar." Josef Beimler, Bürgermeister von Markt Waldthurn

Gemeinden verlieren zunehmend ihre Einwohner

Bürgermeister Josef Beimler (links) sucht nach Wegen gegen die Landflucht aus seiner Gemeinde Markt Waldthurn

Seit 2002 hat die Gemeinde Waldthurn fast 300 Einwohner verloren - ein Siebtel der Bevölkerung. Bürgermeister Beimler will hier nicht mehr tatenlos zuschauen, doch es stellen sich viele Hürden: An verfallende Häuser herankommen und Investoren finden ist nicht das einzige Problem. Auch die Sanierung denkmalgeschützer Häuser bereitet Schwierigkeiten, wenn die Kosten für den Umbau das fünffache der möglichen Förderung betragen. Oft verfallen Häuser, weil die Erben sie nicht hergeben.

Altbausanierung ist mühsam, vor allem bei Denkmalschutz. Darum kämpft Josef Beimler verstärkt um die Ausweisung von Neubaugebieten, denn diese locken Menschen an.

Es fehlt an greifenden Mitteln gegen den Flächenverbrauch

Vermeiden lässt sich Flächenverbrauch unter den gegebenen Voraussetzungen im Einzelfall: wenn man ein gut erhaltenes Objekt ergattert, für Investitionen und nächtliche Überstunden bereit ist. Doch solange in der nördlichen Oberpfalz Baugrund sehr billig ist und Zuschüsse für historische Häuser zu gering ausfallen, wird weiter zu viel Land zubetoniert.


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