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Zwischen Wolf und Hund: Wie gefährlich sind Wolfshybride? | BR24

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Ein Stück Wildnis für Zuhause: Mischlinge aus Wolf und Hund werden immer populärer. Die meisten Halter sind von ihnen schnell überfordert. Und die Behörden tun sich schwer mit Kontrollen.

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Zwischen Wolf und Hund: Wie gefährlich sind Wolfshybride?

Wild, intelligent, ursprünglich und dennoch verschmust - ein Wolf für das Wohnzimmersofa: Erfüllbar scheint er durch eine Kreuzung aus Wolf und Hund. Doch Wolfshybriden entpuppen sich für die Halter nur allzu oft als nicht handhabbare Problemfälle.

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Sie sind niedlich, verspielt und zugänglich: Den Welpen der Wolfshunde sieht man den Wolf noch nicht an, auch im Verhalten unterscheiden sie sich nicht von Hundewelpen. Das ändert sich jedoch, wenn sie älter werden: Der Einfluss der Wolfsgene macht Wolfshybriden einerseits scheu, andererseits wild und unberechenbar. Je mehr Wolf in dem Tier steckt, desto schwieriger ist der Umgang für den Besitzer. Doch genau der hohe Wolfsanteil ist bei vielen gefragt – und muss teuer bezahlt werden.

Verpaarung von Wolf und Hund nur mit Sondergenehmigung

Erst ab der fünften Generation gelten die Mischlinge als Hund – und sind erst dann ohne Sondergenehmigung zur privaten Haltung erlaubt. Wölfe und die ersten vier Mischgenerationen sind nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt.

Ohne Sondergenehmigung ist die Verpaarung von Wolf und Hund in privater Haltung verboten. Denn Wölfe stehen unter Artenschutz, ihre Nachkommen ebenso. Die ersten vier Generationen dieser Paarung gelten als Wolf. Erst ab der fünften Generation dürfen Hybride wie Hunde gehalten werden. Züchter in Deutschland züchten meist mit Tieren ab der F5-Generation untereinander weiter. Je nachdem, welche Merkmale sich besonders gut durchsetzen, ist der Wolfshund eher wölfisch oder aber in seinem Charakter nahe am Hund.

Online zum Wolfsmischling

Trotzdem: Der Markt boomt seit einigen Jahren enorm. Online werden Wolfshunde-Welpen aus aller Herren Länder angeboten, die künftigen Halter oft dabei genauso wenig überprüft wie die Anbieter oder die Tiere selbst. Viel Wolf im Hund ist kostspielig. Die Faszination für den Mythos Wolf lässt die Fans tief ins Portemonnaie greifen - und einzelne gegen das Gesetz handeln. Nämlich dann, wenn die Tiere mit gefälschten Papieren ins Land gebracht werden.

Für den Zoll – etwa am Flughafen Frankfurt oder die Veterinärämter vor Ort - ist das nur schwer überprüfbar. Dabei ist das böse Erwachen bei den neuen Herrchen und Frauchen oft vorprogrammiert, sagt Tierärztin Mara Voß: "Ich glaube, dass da Papier einfach geduldig ist […] ich brauche einen Anfangsverdacht, um zwingen zu können, Genteste nachzufordern. Ich kann nicht jeden, der einen Hund aus den Staaten einfliegt, mal grundsätzlich unter Generalverdacht stellen. Und diese Tests sind nicht sehr günstig. Was kann man machen, muss man machen, wer zahlt das und warum?"

Sind Wolfshunde alltagstauglich?

Wolfshunde kann man in der Regel nicht einfach im Haus oder einer Wohnung halten. Sie sind Rudeltiere, brauchen also dringend Gefährten. Lässt man sie allein, ist ihre Zerstörungswut legendär: Innerhalb kürzester Zeit können sie Inventar genauso wie Fenster, Türen und Wände verwüsten. Zudem werden viele nicht stubenrein. Mit Wolfshunden muss täglich trainiert werden, damit sie sich an den Umgang mit Menschen gewöhnen. Die Meinungen, ob man Wolfshunde alltagstauglich erziehen kann, gehen unter den Züchtern und Haltern weit auseinander. Eines ist jedoch klar: Sie sind eben nicht wie Hunde über Jahrtausende dafür gezüchtet, dass sie in das Leben des Menschen passen.

Wohin mit den Tieren?

Doch wohin mit dem Tier, wenn der Besitzer überfordert ist? Tierheime können den Wolfsmischlingen meist nicht gerecht werden, die Tiere würden in der Enge furchtbar leiden, sie fangen an sich selbst zu verletzen oder werden aggressiv. Mittlerweile gibt es deshalb sogar schon eine private Auffangstation für Wolfshunde nahe Hamburg. Von hier aus werden die Mischlinge nur an kompetente Menschen weitergegeben. Und damit kein Tier an einen Züchter mit Profitabsichten gerät, lässt die Leiterin der Auffangstation alle Tiere, die in ihrer Obhut sind sterilisieren. Trotzdem steigt die Zahl der Wolfshybriden in Deutschland.

Skrupellose Züchter und unbedarft handelnde Hilfsorganisationen

Um zumindest den illegalen Nachschub aus dem Ausland einzudämmen, müsste der Zoll und die Veterinäre des Frankfurter Flughafens bei eingeführten Mischlingshunden genauer hinsehen. Doch wie kann man erkennen, wie viel Wolf in einem als Hund deklarierten Tier noch steckt? Letztlich nur durch Gentests – und die sind kostspielig und dauern. Und nicht nur durch skrupellose Züchter kommen Wolfshybriden der ersten vier Generationen nach Deutschland.

Auch Hilfsorganisationen retten die Tiere von den Straßen Ost- oder Südeuropas Richtung Deutschland, meist ohne zu wissen, dass es sich um eine Wolfsmischung handelt, sagt Anna Hein von der Auffangstation Wolfshunde: "Dass jetzt aus dem Tierschutz Wolf-Hund-Mischlinge rüberschwappen, das passiert wahrscheinlich öfter als man sich überhaupt ausmalen mag. Wenn irgendwo ein einsamer Wolf in Rumänien auf eine läufige Herdenschutzhündin trifft, dann können da schon ganz schön interessante Dinge entstehen."

Gibt es wildlebende Wolfshunde?

Dass Wolfshunde ihren Besitzern auskommen oder bewusst aus Überforderung ausgesetzt werden und dann wild leben, kann nicht ausgeschlossen werden. Besteht also auch eine Gefahr in Deutschland, dass Wolfshundmischlinge in der Natur unterwegs sind? Darüber wird derzeit sehr hitzig diskutiert – auch zwischen einem Hamburger Labor, das sich auf Abstammungsgenetik und Rechtsmedizin spezialisiert hat und dem Senckenberg-Institut, das für das genetische Wolfmonitoring in Deutschland zuständig ist.

Hier kommt man immer wieder auf unterschiedliche Ergebnisse bei der Untersuchung genetischen Materials – die einen kommen immer wieder einmal zu Mischlingsergebnisse, wo die anderen sagen, dass es in Deutschland bislang nur zwei Fälle von Hybridisierung gegeben habe. Carsten Nowak, Leiter Naturschutzgenetik im Senckenberg-Institut erklärt: "Die Hybriden werden eigentlich überall hinzugedichtet, wo der Wolf neu auftaucht. In allen Ländern, wo sich Wölfe wieder ausbreiten, entsteht das Gerücht, dass es sich bei diesen Tieren gar nicht um Wölfe sondern um Wolf-Hund-Hybriden handelt. Der Grund hierfür ist eigentlich, dass man hofft, dass man dadurch den Artenschutz dieser Art tatsächlich lockern kann."

Die Rückkehr des Wolfes wird als Erfolgsgeschichte des Naturschutzes gefeiert. Wolfshybriden dagegen sind nicht erwünscht. Sie gelten als Bedrohung für den Genpool der Art und dürfen nach der Berner Konvention, einem amtlichen Übereinkommen über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tieren, gejagt werden. Das ist der Grund, weshalb die Mischlingsdebatte so emotional geführt wird.