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Zweifach wichtig: Blutspenden in Zeiten der Coronakrise | BR24

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Blutspenden in Zeiten der Coronakrise

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Zweifach wichtig: Blutspenden in Zeiten der Coronakrise

Blutspenden hat in der Coronakrise eine zweifach wichtige Bedeutung: Zum einen gehen Menschen aus Angst vor Corona nicht mehr zum Spenden, obwohl Blut dringend benötigt wird. Zum anderen kann das Blut von ehemals Kranken helfen, Therapien zu finden.

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Blutspenden für die Forschung - für diese ganz besondere Form des Blutspendens geht es bei einem Aufruf der Abteilung für Immunologie an der Universität Tübingen. Sie wollen das Blut von Menschen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 hinter sich haben, untersuchen und herausfinden, ob und wie das Immunsystem das Virus erkennt. Das Ziel ist es, mithilfe der Blutproben neue diagnostische, prophylaktische und therapeutische Maßnahmen bei der COVID-19-Krankheit zu entwickeln.

Wer kommt für eine Blutspende infrage?

Die Uni Tübingen sucht deshalb Menschen, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde - und zwar unabhängig davon, ob sie Beschwerden hatten oder nicht. Diesen wird dann einmalig Blut abgenommen. Voraussetzung ist, dass mögliche Beschwerden durch Covid-19 mindestens vier Wochen zurückliegen. Die Kontaktdaten finden Sie hier.

Rekonvaleszenten-Serum – Therapie mit Antikörpern

Die Wissenschaftler arbeiten an einem sogenannten Rekonvaleszenten-Serum, besser bekannt als passive Immunisierung: Das heißt, man gewinnt Antikörper von einem Menschen, der bereits mit Corona infiziert ist und reichert diese künstlich im Labor an. Ähnliche Verfahren wurden bei Ebola bereits verwendet und haben dort Erfolge gezeigt. Auf diese Weise wird ein natürliches Medikament entwickelt, das eine sehr hohe Wirksamkeit hat. Der Vorteil der Methode: Das Medikament wirkt sehr gut und zeigt häufig wenige bis keine Nebenwirkungen. Der Nachteil: Die Produktion ist recht teuer und kann in den meisten Fällen nur als Reservemedikament bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Gegen SARS-Cov-2 sei die passive Immunisierung zu empfehlen, sagt Hendrik Streeck. Aber die Entwicklung dauert auch in diesem Fall und steht nicht innerhalb weniger Wochen zur Verfügung.

Blutspenden, um Leben zu retten

Blut zu spenden, ist aber auch im ganz klassischen Sinne im Moment wichtiger denn je. Auch wenn im Moment Ausgangsbeschränkungen in Bayern und anderen Bundesländern verhängt wurden: Zum Blutspenden zu gehen, ist ausdrücklich erlaubt. Deshalb appelliert das Deutsche Rote Kreuz (DRK) an mögliche Blutspender, nicht aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf eine Spende zu verzichten. Ein Appell, der nötig ist, denn die Zahl der Spenden ist deutlich zurückgegangenen. Der Bedarf allerdings nicht! Und da gespendetes Blut nicht unbegrenzt haltbar ist, ist es umso wichtiger, dass kontinuierlich Blut gespendet wird. Corona-Patienten sind nicht auf Blutspenden angewiesen, aber neben dem alles beherrschenden Thema gibt es nach wie vor viele Kranke und Verletzte, für die eine Blutspende lebensrettend ist.

"Es ist wichtig, dass gerade jetzt in einer Frühphase der Epidemie verstärkt gespendet wird, wo die Durchseuchung noch auf Einzelfälle beschränkt ist, um einen Vorrat anlegen zu können, damit die Patienten weiterhin sicher mit Blutpräparaten in Therapie und Notfallversorgung behandelt werden können." Torsten Tonn, medizinische Geschäftsführer des DRK

Wer darf Blut spenden?

Spenden könne nur jemand, der gesund sei und in den vier Wochen davor auch keine Erkältung oder andere Krankheit gehabt habe. Auch Rückkehrer aus Covid-19-Risikogebieten müssten vier Wochen bis zur nächsten Blutspende warten. Bei einer weiteren Ausbreitung des Virus könnte das die Zahl der potenziellen Spender verringern. Hier erfahren Sie die Blutspendetermine in Ihrer Nähe.

Besteht Ansteckungsgefahr beim Blutspenden?

Bei einer Blutspende wird grundsätzlich auf strenge Hygienemaßnahmen geachtet. Als Spender kommen nur gesunde Personen infrage. Hinweise auf eine Übertragung des Coronavirus durch Blut gibt es bisher nicht.

Welche besonderen Sicherheitsmaßnahmen werden ergriffen?

  • An den Eingängen zu den Spendelokalen hängen Checklisten, die potentielle Spender durchgehen müssen. Nur wenn alle Aussagen bestätigt werden können, dürfen sie es betreten.
  • Die Temperatur wird bei den Spendern vor der Registrierung gemessen.
  • Spender können vor Ort alle empfohlenen Hygienemaßnahmen durchführen -- vom Händewaschen bis zur Desinfektion.
  • Blutspender werden aufgefordert, ihren eigenen schwarz schreibenden Kugelschreiber mitzubringen.
  • Es wird auf Abstand in den Warteschlangen geachtet.
  • Mitarbeiter wechseln nach jedem Spender die Handschuhe.
  • Es wird auf Abstand zwischen den Spendeliegen geachtet, zudem werden sie regelmäßig desinfiziert.
  • Die Räume werden regelmäßige gelüftet.
  • Es gibt keinen Imbiss, dafür werden Care-Pakete gereicht.
  • Es werden keine Mitarbeiter eingesetzt, die grippale oder Erkältungssymptome zeigen, sowie in einem Risikogebiet waren.
© BR.de

In Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck haben Menschen am Montag bis zu zwei Stunden gewartet, um Blut zu spenden. Auch aus den umliegenden Landkreisen kamen die Spender.