Die Riesenstabschrecke Achrioptera maroloko mit gelb-schwarzer Warnfärbung
Bildrechte: Frank Glaw/ Zoologische Staatssammlung München (ZSM)

Ungewöhnlich bunt und riesengroß: Das Männchen der Riesenstabschrecke Achrioptera maroloko. Forscher haben sie jetzt als neue Art identifiziert.

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Zwei neue Arten von Riesenstabschrecken auf Madagaskar entdeckt

Mit mehr als 20 Zentimetern Körperlänge gehören Riesenstabschrecken zu den größten Insekten der Welt. Forscher aus München und Göttingen konnten auf Madagaskar jetzt zwei neue Arten identifizieren. Ihre Farbenpracht bleibt jedoch ein Rätsel.

Seit rund 15 Jahren sind die auf Madagaskar entdeckten Tiere vom Aussehen her bekannt. Bisher wurden die auffälligen Riesenstabschrecken aber einer anderen, äußerlich sehr ähnlichen Art zugeordnet, die schon vor fast 160 Jahren beschrieben worden war. Erst jetzt konnten Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) und der Universität Göttingen anhand genetischer Tests nachweisen, dass es sich dabei um zwei neue Arten handelt. Die Ergebnisse ihrer Tests wurden in der Fachzeitschrift "Frontiers in Ecology and Evolution" Anfang April 2019 veröffentlicht. Eines konnten die Forscher allerdings noch nicht klären: Warum sich die Männchen der neuen Riesenstabschrecken-Arten namens Achrioptera manga und Achrioptera maroloko derart farbenfroh präsentieren. Dafür haben die Wissenschaftler bisher nur Vermutungen.

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Das blaue Wunder aus Madagaskar: Männchen der neu entdeckten Riesenstabschrecken-Art namens Achrioptera manga. Sie wird bis zu 24 cm lang.

Bunte Riesenstabschrecken-Männchen bleiben vorerst ein Rätsel

Mit ihrer schwarz-gelben und blauen Färbung wirken die Männchen der neu entdeckten Riesenstabschrecken wie Fabelwesen. Das ist ungewöhnlich. Denn die wichtigste Überlebensregel für Stabschrecken ist eigentlich, sich für Fressfeinde unsichtbar zu machen. Warum sich die Achrioptera-Männchen einfach über diese Regel hinweggesetzt haben und trotzdem überleben konnten, bleibt vorerst ein spannendes Rätsel für die Evolutionsforschung.

"Möglicherweise nehmen sie mit ihrer Blätternahrung Pflanzengifte auf, die sie in ihrem Körper einlagern und signalisieren mit ihrer Farbenpracht, dass sie nicht genießbar sind." Frank Glaw, Kurator an der Zoologischen Staatssammlung München.

Oliver Hawlitschek, Heuschreckenexperte der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM), hält auch eine andere Theorie für möglich.

"Wenn im Tierreich besonders bunte Männchen auftreten, dann liegt das oft daran, dass die Weibchen solche Männchen für die Paarung bevorzugen, aber ob diese Erklärung bei den hauptsächlich nachtaktiven Tieren zutrifft, wissen wir nicht." Oliver Hawlitschek, Heuschreckenexperte der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM)

Auffällig ist, dass die Männchen der Riesenstabschrecken ihre Farbenpracht erst im Erwachsenenalter entwickeln. Bis zu ihrer letzten Larvenhäutung sehen die Tiere aus wie ein brauner Zweig und sind tagsüber fast unsichtbar. Erst danach erfolgt innerhalb weniger Tage die erstaunliche Umfärbung zum farbenfrohen Insekt. Vermutlich haben mehrere Faktoren in der Evolution zur Farbenpracht der Achrioptera-Männchen geführt, heißt es dazu in der Studie.

Riesenstabschrecken-Weibchen bleiben unscheinbar

Im Gegensatz zu ihren männlichen Artgenossen bleiben die Weibchen der Riesenstabschrecken - wie die meisten Stab- und Gespenstschrecken - ihr Leben lang gut getarnt.

"Mit dieser Strategie hat die Insektenordnung der Phasmiden seit Jahrmillionen überlebt, mehr als 3.000 Arten hervorgebracht und alle wärmeren Regionen der Erde besiedelt." Sven Bradler, Stabschreckenforscher an der Universität Göttingen.

"Unsere Daten lassen vermuten, dass es noch viele weitere neue und äußerlich ähnliche Arten gibt, die sich erst mithilfe der Genetik zuverlässig identifizieren lassen", ergänzt Julia Goldberg von der Abteilung Morphologie, Systematik, Evolutionsbiologie der Universität Göttingen.