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Zwei Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus wecken Hoffnungen | BR24

© picture alliance / NurPhoto

Zwei Studien zur Corona-Impfung: Anlass zur Hoffnung?

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    Zwei Impfstoffkandidaten gegen das Coronavirus wecken Hoffnungen

    China und Großbritannien haben Studien zu Corona-Impfstoffen vorgestellt, deren Ergebnisse vorsichtige Hoffnung aufkeimen lassen. Inwieweit die Impfstoffe sich in groß angelegten Studien bewähren und langfristig Wirkung zeigen, ist aber noch offen.

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    International gibt es ein Rennen von Wissenschaftlern und Pharmaunternehmen um einen Corona-Impfstoff. 142 Stoffe sind zurzeit in präklinischer Bewertung, 24 werden bereits am Menschen getestet, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Stand 20.7.2020).

    Impfstoff gegen Corona: berechtigte Hoffnungen?

    Nun wecken gleich zwei Impfstoff-Kandidaten Hoffnungen. Britische und chinesische Experten forschen an ähnlichen Impfstoffen gegen das Coronavirus und haben die ersten vorsichtig optimistisch stimmenden Ergebnisse ihrer klinischen Tests in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "The Lancet" vorgestellt. In beiden Fällen waren die Impfstoffe gut verträglich und es bildeten sich Antikörpern, die zu einer Immunisierung gegen Covid-19 führen könnten.

    Britische Studie aus Oxford

    Das britische Forscherteam des Jenner Instituts der Universität Oxford hat zusammen mit dem Pharmakonzern AstraZeneca einen sogenannten Vektor-Impfstoff entwickelt, der die genetischen Informationen des Coronavirus über ein anderes, harmloses Virus in den Körper schleust. Insgesamt wurden 1.077 gesunde Erwachsenen im Alter von 18 bis 55 Jahren getestet – davon bekam die eine Hälfte den Impfstoff gegen das Coronavirus, die andere Hälfte eine Impfung gegen Meningokokken, also Bakterien. So konnten die Wissenschaftler überprüfen, ob die Corona-Impfung eine erkennbar bessere Reaktion hervorruft.

    Corona-Impfung: keine schweren Nebenwirkungen

    Die Impfung verursachte bei circa 60 Prozent der Probanden leichtere bis mäßige Nebenwirkungen wie Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schmerzen an der Injektionsstelle. Diese waren jedoch meist tolerierbar. Mithilfe des Schmerzmittels Paracetamol könnten mögliche Schmerzen gelindert werden. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf, so die Forscher.

    Der Impfstoff wirkt zweifach

    Der Impfstoff rief bei allen Probanden eine gute Immunreaktion hervor, so Dr. Adrian Hill, Direktor des Jenner-Instituts. Das Besondere: Das Mittel wirkt gleich zweifach: Es fördert sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von Abwehrzellen (T-Zellen) - beide sind für die Immunabwehr wichtig.

    Chinesische Studie aus Wuhan

    Auch das Team um Feng-Cai Zhu vom Jiangsu Provincial Center for Disease Control and Prevention in Wuhan kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Hier nahmen insgesamt 508 gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 83 Jahren an der Studie teil. Ein Teil der Probanden bekam ein Placebo gespritzt, der andere Teil in unterschiedlicher Dosierung den Corona-Impfstoff. Auch hier traten Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schmerzen bei den Teilnehmern auf - auch bei den Placeboempfängern. Das Ergebnis ähnelt dem der britischen Studie: Es kam zu einer Reaktion des Immunsystem und es wurden Antikörper oder T-Zellen im Blut gebildet.

    Beide Studien ähneln sich in den Ergebnissen

    Trotz aller Unterschiede in den beiden Studien - unterschiedliche Standorte, Personenkreise und Versuchsverfahren - ähneln sich die Testergebnisse doch deutlich: Bei allen konnten Antikörper und spezifische T-Zell-Antworten auf SARS-CoV-2 nach der Impfung gemessen werden. Expertinnen und Experten weisen jedoch darauf hin, dass solche Daten noch kein Beweis dafür sind, dass die untersuchten Impfstoffe tatsächlich vor einer SARS-CoV-2-Infektion schützen. Bislang konnte noch für keinen möglichen Impfstoff nachgewiesen werden, dass er die Geimpften tatsächlich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen kann.

    Auch Dr. Julian Schulze zur Wiesch, Leitender Oberarzt Sektion Infektiologie und Leiter des Ambulanzzentrum Virushepatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) schränkt die Vergleichbarkeit von Immunantworten auf Impfstoffe und auf natürliche Infektionen ein:

    "Aktuell ist auch vollkommen unklar, welche Immunantworten für einen sicheren Impfschutz benötigt werden und in wieweit etwaige durch Impfungen induzierte Antikörper-Titer (Konzentration der Antikörper im Blut - Anm. d. Red.) aufrechterhalten werden können. Insbesondere können die durch eine natürliche Infektion hervorgerufenen Immunantworten nur bedingt mit den durch Impfstoffe hervorgerufenen Immunantworten verglichen werden." Dr. Julian Schulze zur Wiesch

    Es liegt noch viel Arbeit vor den Forschern

    Das Mittel aus Oxford zählt zu den aussichtsreichen Kandidaten im Rennen um den Corona-Impfstoff. Er ist in seiner Entwicklung am weitesten fortgeschritten. Aber, schränkt auch Entwicklerin Sarah Gilbert ein: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns, bis wir sicher sein können, dass unser Impfstoff die Covid-19-Pandemie bekämpfen kann, aber diese ersten Ergebnisse sind vielversprechend." Und weiter: "Wir wissen immer noch nicht, wie stark eine Immun-Reaktion ausfallen muss, damit sie sicher gegen eine Corona-Infektion schützt."

    WHO: Es ist noch ein langer Weg

    Die Weltgesundheitsorganisation hat die Studienergebnisse zu dem britischen Impfstoff gegen das Coronavirus als "gute Nachricht" begrüßt. Die Tatsache, dass das Vakzin erfolgreich getestet worden sei und keine ernsthaften Nebenwirkungen in den Probanden hervorgerufen habe, sei "ein positives Ergebnis". "Dennoch ist es noch ein langer Weg", meint WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan. Nun müssten weitere Studien in größerem Umfang folgen. So ist es auch geplant.

    Weitere großangelegte Impf-Studien geplant

    Die Ergebnisse beider Studien können nun in eine Phase-3-Studie übergehen – das heißt, der Impfstoff wird an viel größeren Teilnehmergruppen getestet, um seine Wirksamkeit und Sicherheit zu beurteilen. Geplant sind Untersuchungen an etwa 10.000 Menschen aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien und eine weitere Studie in den USA mit circa 30.000 Probanden.

    Die Suche nach einem Impfstoff

    Erst seit einem halben Jahr kennt die Welt und damit auch das menschliche Immunsystem das Virus SARS-CoV-2 - nicht viel Zeit, um zu verstehen, wie der Körper im Detail auf eine Infektion reagiert. Dennoch können Wissenschaftler auf Erfahrungen mit anderen Coronaviren und gänzlich anderen Erregern zurückgreifen. In den vergangenen Tagen und Wochen lösten sich konträre Meldungen ab, ob die Hoffnung auf wirksame Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 nun eher geschmälert oder gesteigert werden kann. Anlass dazu waren einige neue Studien aus der Wissenschaft zur Reaktion des menschlichen Immunsystems auf das Virus.

    Wissenschaftler aus Singapur veröffentlichten beispielsweise in "Nature" eine Publikation zur T-Zell-Antwort auf Coronaviren. Sie untersuchen einerseits, inwiefern Genesene einer 17 Jahre zurückliegenden SARS-1-Infektion vor SARS-CoV-2 geschützt sind, aber auch, inwiefern T-Zellen von noch nicht mit SARS-1 oder -2 infizierten Menschen ebenfalls das zirkulierende Virus erkennen, also inwiefern eine Kreuzreaktivität besteht. Eine zweite Studie aus "Science" untersucht B- und T-Zell-Antworten auf SARS-CoV-2 sehr detailliert und stellt drei verschiedene "Immuntypen" heraus, bei denen verschiedene Antworten des Immunsystems bei unterschiedlichem Schweregrad von COVID-19 auftraten. In den Wochen zuvor gab es einige Meldungen über Studien, die schnell abnehmende Antikörper-Konzentrationen im Blut von genesenen COVID-19-Patienten zeigten.

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