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Zwanzig Jahre Internationale Raumstation ISS | BR24

© NASA, Roscosmos

Internationale Raumstation ISS

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    Zwanzig Jahre Internationale Raumstation ISS

    Die Internationale Raumstation ISS machte in den vergangenen Monaten negative Schlagzeilen. Dabei gibt es eigentlich Grund zum Feiern: Die ISS wird zwanzig Jahre alt. Wie lange sie noch um die Erde kreisen wird, steht in den Sternen.

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    Am 20. November 1998 wurde das russische Modul Zarja (Morgenröte) ins All geschossen. Damit begann der Bau der ISS, die seither immer weiter gewachsen ist. Inzwischen ist sie etwa so groß wie ein Fußballfeld. "Die komplexeste, wertvollste & unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat", nennt der deutsche Astronaut und aktuelle ISS-Kommandant Alexander Gerst seinen derzeitigen Wohn- und Arbeitsort via Kurznachrichtendienst Twitter.

    Heim für Astronauten und Kosmonauten

    Seit dem Jahr 2000 forschen Raumfahrer im Weltraumlabor, das in rund 400 Kilometern Höhe die Erde umrundet. Gerst ist bereits zum zweiten Mal dort. Die meisten Module der ISS stammen aus den USA und Russland. Mit dem Forschungslabor Columbus erhielt die Raumstation 2008 auch ein europäisches Modul.

    Weltraumschrott trifft Raumstation

    Über den Zustand der ISS gibt es zurzeit viele Spekulationen, auch weil die US-Raumfahrtagentur NASA und ihr russisches Pendant Roskosmos nur spärliche Informationen liefern. Trotz vieler Nachrüstungen dürfte die ISS über die Jahre ziemlich gelitten haben. Auch außen, denn Einschläge von Weltraumschrott und andere Partikel verursachen immer wieder kleine Krater. Mehrmals musste die ISS deshalb kurzfristig ihren Kurs ändern, um drohende Kollisionen zu vermeiden. Einmal durchschlug ein winziger Splitter ein Sonnensegel. Vorfälle wie dieser brachten die Crew bisher noch nie in ernsthafte Gefahr. Konsequenzen für die Zukunft der ISS könnten aber zwei Notfälle haben, die noch immer nicht im Detail geklärt sind.

    Leck verursacht Druckabfall in der ISS

    Im Sommer löste ein kleines Leck in der russischen Sojus-Kapsel, die an die ISS angedockt ist, einen Druckabfall in der Raumstation aus. Seitdem kursieren Spekulationen über die Ursache: War es Pfusch, Sabotage oder einfach ein Unglück? Wenige Wochen später kam es erneut zu einem ernsthaften Zwischenfall: Der Fehlstart einer Sojusrakete endete für die zwei Raumfahrer an Bord zwar glimpflich, brachte aber den Zeitplan der Mission von Gerst und der übrigen ISS-Besatzung durcheinander. Erneut kamen Zweifel an der Sicherheit des Projekts auf.

    Teuerstes Bauwerk der Welt

    Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Bauwerk der Welt. Die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei weit über 100 Milliarden US-Dollar. Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Allein die USA sollen pro Jahr mehr als drei Milliarden Dollar für den Betrieb zahlen. Die europäische Raumfahrtagentur ESA gibt an, bisher zehn Milliarden Euro in die ISS investiert zu haben, davon vier Milliarden in die Entwicklung und sechs in ISS-Operationen zwischen 2008 und 2018. Die größten finanziellen Beiträge für die Station leisten in Europa laut ESA Deutschland, Italien und Frankreich.

    Raumstation - Privatisierung oder Absturz?

    Bislang ist der Betrieb des Raumlabors bis 2024 gesichert. Die ESA hält es für möglich, dass die Mitgliedsstaaten das Projekt bis 2028 verlängern. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump strebt bei der ISS allerdings einen Schnitt an und will sie privatisieren. Der Chef der ESA, Jan Wörner, glaubt aber nicht an ein solches Engagement von Unternehmen: Der Gesamtbetrieb der Raumstation sei einfach zu teuer. Will niemand mehr den 450-Tonnen-Koloss nutzen, soll die ISS - wie schon der russische Vorgänger Mir - kontrolliert in den Pazifik stürzen. Ob der politische Konflikt zwischen den beiden großen Finanzgebern USA und Russland den gemeinsamen Betrieb möglicherweise schon vor 2024 enden lässt, ist derzeit unklar. Im kommenden Frühjahr wollen die USA und Russland über die Perspektiven verhandeln.