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Öfter mal knuddeln: Warum uns körperliche Nähe guttut | BR24

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Nicht nur für Kinder ist das Umarmen wichtig. Kurze Berührungen tun nicht nur jedem gut, sie sind sogar gesund.

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    Öfter mal knuddeln: Warum uns körperliche Nähe guttut

    Körperkontakt ist wichtig - er hilft Erwachsenen beim Stressabbau, Babys beim Heranwachsen. Während Kinder von sich aus körperliche Nähe suchen, tun sich Erwachsene mit spontanen Berührungen schwerer. Warum es wichtig ist, sich in den Arm zu nehmen.

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    Eine Umarmung kann Glückshormone freisetzen und das Wohlbefinden steigern. Der kurze Körperkontakt beeinflusst sogar unsere Hirnaktivität, wie Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum in einer Anfang 2019 veröffentlichten Studie herausgefunden haben. Und laut einer von US-amerikanischen Wissenschaftlern durchgeführten Untersuchung können durch eine Umarmung zwischenmenschliche Konflikte abgemildert werden. Doch warum ist Umarmen gesund? Macht es einen Unterschied, ob uns ein Fremder oder ein Freund drückt? Und: Berühren wir uns zu selten? Fragen und Antworten rund ums "Knuddeln".

    Warum ist Umarmen gesund?

    Berührungen lösen auf unserem größten und sensibelsten Sinnesorgan, der Haut, etwas aus. Wenn wir umarmt werden, schüttet der Körper Botenstoffe, sogenannte "Glückshormone", aus. Das Hormon Oxytocin etwa entfaltet eine beruhigende Wirkung, hilft beim Stressabbau und stärkt zwischenmenschliche Bindungen. Der Neurotransmitter Dopamin, der ebenfalls bei einer Umarmung vermehrt ausgeschüttet wird, wirkt stimmungsaufhellend.

    Ohne Berührungen verkümmert der Mensch und kann krank werden, sagt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK). Außerdem hätten verschiedene Studien gezeigt, dass das Herz von Menschen, die sich regelmäßig umarmen, ruhiger schlägt. Menschen mit regelmäßigem Körperkontakt würden zudem niedrigere Stresshormon- und Blutdruckwerte aufweisen.

    Warum werden Kinder oft umarmt, ältere Menschen dagegen weniger?

    Kinder suchen von sich aus körperliche Nähe zur Stressbewältigung, sagt Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig. Vor allem in der frühkindlichen Entwicklung habe dieser Kontakt einen fundamentalen Einfluss, ergänzt Physiotherapeutin Ute Repschläger.

    Ältere Menschen hingegen haben häufig nur körperlichen Kontakt, solange der Partner noch lebt. Die Körperlosigkeit eines alten Menschen könnten sich junge Menschen gar nicht vorstellen, bemängelt Grunwald.

    Fremd oder vertraut - ist das für Umarmungen egal?

    Grundsätzlich seien die beruhigenden Aspekte einer kurzen Umarmung bei einer vertrauten Person zwar schneller und stärker, erklärt Grunwald, aber auch bei Umarmungen durch fremde Personen könne sich ein Glücksgefühl einstellen. Er lobt deshalb Initiativen wie die "Free Hugs"-Bewegung, bei der Fremde auf offener Straße Gratis-Umarmungen anbieten: "Da kommt doch niemand mit verzerrten Gesichtszügen raus. Die Menschen strahlen und sind glücklich", sagt Martin Grunwald.

    Muss es eine Umarmung eines Menschen sein?

    Nein, selbst das Schmusen mit dem Haustier habe laut Repschläger hinsichtlich der "Glückshormone" einen Effekt. Denn auch beim Körperkontakt mit einem Tier werden Botenstoffe wie zum Beispiel Dopamin vermehrt ausgeschüttet, was unter anderem zu einem niedrigeren Blutdruck und einer niedrigeren Herzfrequenz führen kann.

    Tut jede Berührung gut?

    Nein, nicht jede Berührung tut gut. In einer überfüllten Bahn zum Beispiel würden körperliche Berührungen bei vielen Menschen eher Unbehagen auslösen, sagt Repschläger. Auch zu einer Pflegekraft zum Beispiel muss ein Patient erst ein Vertrauensverhältnis aufbauen, damit der Kontakt wirklich guttun kann.

    Umarmen wir uns zu selten?

    Pauschal lässt sich das nicht sagen. Denn wie viel körperliche Nähe jemand braucht, kann stark variieren. Ute Repschläger rät generell dazu, häufiger aufeinander zuzugehen. Körperliche Berührungen seien für jeden Menschen von großer Bedeutung - unabhängig vom Alter.

    "Weltknuddeltag"

    Der "Weltknuddeltag" (Englisch: "National Hugging Day") wurde vom US-Amerikaner Kevin Zaborney, einem Pfarrer, 1986 ins Leben gerufen und erstmals in der Stadt Caro in Michigan begangen. Das Datum - den 21. Januar - hat Zaborney bewusst gewählt: Es liegt zwischen Weihnachten als dem Fest der Liebe, dem Valentinstag als dem Tag der Liebenden und noch inmitten der Winterzeit, in der sich die trübe Witterung häufig sehr stark auf die Gefühlswelt niederschlägt.

    Über die seit 2004 bestehende offizielle Webseite zum Weltknuddeltag wird jedes Jahr die am meisten zu knuddelnde Person des Jahres ("Most Huggable") gewählt und gewürdigt. Prominenteste Vertreter der vergangenen Jahre waren: 2009 der US-Präsident Barack Obama, 2011 die chilenischen Minenarbeiter des Grubenunglücks von San José und 2017 der Fußballtrainer Jürgen Klopp.