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Bei Kindern und Jugendlichen ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung. Etwa sechs Prozent von ihnen leiden an dieser Atemwegserkrankung.

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    Zum Welt-Asthma-Tag: Atemnot in Zeiten von Corona

    Etwa sechs Prozent aller Menschen in Deutschland leiden an Asthma. Bei Kindern und Jugendlichen ist Asthma die häufigste chronische Erkrankung. Doch was ist Asthma? Über Ursachen, Therapien und was Asthmatiker in der Pandemie beachten sollten.

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    Von
    • Sylvaine von Liebe

    Heute, am 4. Mai 2021, ist Welt-Asthma-Tag. Ein Tag also für etwa sechs Prozent aller Kinder und Erwachsene in Deutschland. So viele leiden nämlich laut der Deutschen Atemwegsliga e. V. derzeit an Asthma. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie sind viele Asthmatiker und deren Angehörige verunsichert. Doch das muss nicht sein.

    Covid-19: Kein erhöhtes Risiko für schweren Verlauf bei Asthmatikern

    Nach aktueller Studienlage ist Asthma kein eigenständiger Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Individuelle zusätzliche Risikofaktoren wie weitere Erkrankungen müssten aber beachtet werden, rät zum Beispiel der Deutsche Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB). Er empfiehlt Asthma-Patienten, die für die überwiegende Mehrheit notwendigen antientzündlichen Cortison-Medikamente zur Inhalation weiterhin einzunehmen und gerade in der Corona-Pandemie ein gut eingestelltes Asthma anzustreben. Cortison-Medikamente seien im Hinblick auf eine Infektion mit dem Coronavirus unbedenklich. Lediglich bei sehr hoch dosierten inhalativen Cortison-Medikamenten oder der Einnahme von Cortison-Tabletten könne eine Veränderung der Therapie notwendig sein. Bei Zweifeln über die Wirkung einer Medikation im Falle einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus sollten sich Asthmatiker aber sicherheitshalber bei ihrem Arzt oder ihrer Ärztin erkundigen.

    Keine Empfehlung für Asthmasprays bei Covid-19

    Dass das Cortisonspray Budesonid generell einen positiven Effekt bei einem leichten Krankheitsverlauf einer Covid-19-Erkrankung hat, wie in einer viel beachteten Studie aus Großbritannien behauptet, wollen zahlreiche Experten nicht bestätigen. So haben die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) in einer Stellungnahme zur Studie darauf hingewiesen, dass sich aus den Untersuchungen noch keine generelle Empfehlung für eine Therapie für Patienten mit COVID-19 ableiten ließe. Hauptkritikpunkte an der Studie sind die geringe Teilnehmerzahl und der fehlende Einsatz von Placebos.

    Hinweise zur Corona-Impfung für Asthmatiker

    Asthmatiker sollten genauso gegen das Coronavirus geimpft werden, wie Menschen ohne Asthma, sagt Heinrich Worth, Professor für innere Medizin, Pneumologe und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga e. V. Lediglich bei Menschen mit schwerem Asthma, die Biologika einnehmen, ist zu beachten, dass zwischen Behandlung und erster wie zweiter Impfung jeweils mindestens eine Woche liegen muss.

    Allgemeine Informationen zu Asthma

    💡 Was ist Asthma?

    Asthma bronchiale, für den Laien kurz Asthma, ist eine chronische, also dauerhaft bestehende Entzündung der Atemwege, die zu anfallsartiger Atemnot, zu unterschiedlich stark ausgeprägter Einengung der Atemwege und zu einer Überempfindlichkeit der Bronchien führt.

    Asthma und der Unterschied zur chronisch obstruktiven Bronchitis

    Asthma zu diagnostizieren ist nicht immer ganz einfach. Gerade, weil die chronisch obstruktive Bronchitis, kurz COPD, ganz ähnliche Symptome aufweist, wird Asthma häufig verkannt. Im Unterschied zur chronisch obstruktiven Bronchitis tritt Asthma aber häufig bei Kindern und Jugendlichen auf und steht oft in Zusammenhang mit Allergien. Typisch für Asthma ist auch die erschwerte Ausatmung sowie das pfeifende Atemgeräusch. Asthma unterscheidet sich von anderen Atemwegserkrankungen, wie der chronisch obstruktiven Bronchitis, vor allem dadurch, dass die Atemnot-Beschwerden durch bestimmte Asthma-Medikamente wieder aufgehoben werden können. Es gibt bei Asthmatikern auch Phasen, in denen kaum oder nur geringe Beschwerden auftreten, was zu Schwankungen bei den Messwerten der Lungenfunktion führt. Diese sogenannte "Peak-flow-Variabilität" ist ebenfalls ein typisches Merkmal der Asthmaerkrankung.

    Die Ursachen von Asthma: Mehrere Faktoren verantwortlich

    Für Asthma gibt es wohl nicht nur eine Ursache. Mehrere Faktoren, wie Gene, das Immunsystem, Infektionen und die frühkindliche Prägung, spielen für das Erkrankungsrisiko eine Rolle. Dass auch Umweltgifte Asthma auslösen können, hat erst eine im April 2019 im Fachmagazin "Lancet Planetary Health" veröffentlichte Studie wieder bestätigt. Die darin von Wissenschaftlern der George Washington University gemachten Untersuchungen ergaben, dass bis zu zwanzig Prozent aller Asthma-Fälle bei Kindern auf Fahrzeugabgase zurückzuführen sind. Heinrich Worth, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga e. V., sieht schon seit Jahren die zunehmende Innenraumbelastung in unseren Wohnungen als ein Grund für immer mehr Asthma-Kranke.

    Die richtige Therapie bei Asthma

    Die Mehrzahl der Asthmatiker muss medikamentös behandelt werden. Doch neben den richtigen Medikamenten, die meist inhaliert werden müssen, ist insbesondere körperliches Training wichtig. Helfen kann auch eine Atemphysiotherapie und eine Gewichtsreduktion.

    Neue Therapieansätze bei Asthma

    Ein wichtiges Element der nichtmedikamentösen Asthmatherapie ist mittlerweile auch die sogenannte "strukturierte Patientenschulung". Der geschulte Patient lernt hier, Veränderungen, insbesondere Verschlechterungen, selbst zu erkennen und darauf mit einer Intensivierung seiner Medikation zu reagieren. Hierdurch würden Asthmaanfälle, insbesondere auch schwere, vermieden, sagt Heinrich Worth von der Deutschen Atemwegsliga e. V. Bei leichtem Asthma könnten heute auch Kombinationspräparate aus einem inhalativen Corticosteroid (ICS) und dem rasch und lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum Formoterol bedarfsorientiert eingesetzt werden, sodass eine Dauerbehandlung mit Cortisonsprays nicht mehr erforderlich sei, erläutert der Pneumologe.

    Seit 1998 Welt-Asthma-Tag

    Der Welt-Asthma-Tag wurde von der "Global Initiative for Asthma" initiiert und 1998 erstmals begangen. Seit dem Jahr 2000 findet der Welt-Asthma-Tag immer am ersten Dienstag im Mai statt. Er soll auf den Nutzen frühzeitiger Erkennung, entsprechender Behandlung und den angemessenen Umgang mit Asthma hinweisen.

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