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Tag des Schlafes

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Zum Tag des Schlafes: Ein Besuch im Thoraxzentrum

Rund 20 Prozent der Menschen leiden an Problemen Beim Ein- oder Durchschlafen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, die Folgen oft gravierender als bloße Müdigkeit. Im Thoraxzentrum im unterfränkischen Münnerstadt wird ihnen geholfen.

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Marco Gräf war schon einmal Patient im Thoraxzentrum des Bezirks Unterfranken. Damals im Februar waren seine Schlafprobleme so massiv geworden, dass er medizinischen Rat suchte. Als Schichtarbeiter in einem metallverarbeitenden Betrieb hatte der 45-Jährige seine ständige Müdigkeit immer dem unregelmäßigen Tagesablauf zugeschrieben. Aber irgendwann bemerkte seine Ehefrau, dass er nachts immer wieder Atemaussetzer hatte.

Diagnose im Schlaf

Der erste Aufenthalt im Schlaflabor der Münnerstädter Klinik brachte es an den Tag: Marco Gräf leidet an einer mittelschweren Schlafapnoe. Mehr als zehnmal pro Stunde setzt sein Atem in der Nacht aus. Die längste Unterbrechung dauerte 44 Sekunden. "Das ist heftig", meint Gräf. "So lange hältst Du nicht einmal die Luft an, wenn Du es bewusst versuchst".

Plötzlich setzt der Atem aus

Marco Gräf ist beileibe kein Einzelfall. Schlafapnoe trifft vor allem Männer, sagt der Bernd Seese, Chefarzt vom Thoraxzentrum Münnerstadt. Der typische Patient ist übergewichtig und schnarcht, sagt der Mediziner. Er nimmt nicht wahr, wie das sogenannte Rachensegel vor die Luftröhre fällt, aber das Gehirn schlägt Alarm.

Stresshormone werden ausgeschüttet, Blutdruck und Puls steigen kurzzeitig an und reißen den Patienten immer wieder aus der Tiefschlafphase. Man wird weder wach noch erinnert man sich später daran. Nur richtig ausgeschlafen fühlt man sich am nächsten Morgen eben auch nicht.

Dabei ist die Tagesmüdigkeit noch die harmloseste Folge der Schlafapnoe, sagt der Lungenspezialist. Denn im schlimmsten Fall können diese Atemaussetzer sogar tödlich enden, weil sie das Herz-Kreislaufsystem stark belasten.

Mit Schlafapnoe ist nicht zu spaßen

Herzrhythmusstörungen, aber auch Schlaganfall oder Herzinfarkt, sind mögliche Folgen. Deshalb trägt Marco Gräf seit einem Viertel Jahr nachts eine Schlafmaske. Damit sieht man zwar aus wie ein Starfighterpilot, meint er, aber er habe sich schnell daran gewöhnt. Die Maske ist über einen Schlauch mit einem kleinen Kompressor verbunden. Der verleiht dem Einatmen buchstäblich etwas Nachdruck und das hält die die Atemwege offen. Um den Erfolg medizinisch zu messen, kam er zum Kontrolltermin ins Münnerstädter Schlaflabor.

Big Sister is watching you

Die Nacht im Schlaflabor beginnt mit dem Verkabeln: 15 Sensoren werden Marco Gräf auf die Haus geklebt, die meisten am Kopf für das EEG, das die Gehirnströme misst. Aber auch der Herzschlag, die Sauerstoffsättigung im Blut, Bewegung der Beine und eventuelle Schnarchgeräusche stehen unter Beobachtung. Und zwar nicht nur maschinell. Die Arzthelferin überwacht ihre Patienten die ganze Nacht vom Nebenraum aus. Auf mehreren Bildschirmen laufen die Messwerte auf, kann sie den Schlaf der Patienten per Infrarot-Kamera verfolgen. Life und in schwarz-weiß.

Schlafmaske – gewöhnungsbedürftig, aber hilfreich

Nun schläft Marco Gräf wieder durch und fühlt sich deutlich erholter, wenn er morgens aufwacht. Und auch seine Ehefrau kann jetzt wieder beruhigter schlafen, seit die Atemaussetzer und das Schnarchen der Vergangenheit angehören. Lediglich das Rauschen im Luftschlauch ist stattdessen zu hören.

Die Schlafapnoe zählt sicher zu den ernsteren Schlafstörungen, jedoch bei weitem nicht zu den häufigsten. Maximal sechs Prozent der Deutschen leiden darunter, während vier bis fünf mal so viele aus ganz anderen Gründen schlecht schlafen, sagt der Schlafmediziner.

Nachts rattert das Gedanken-Karussell

Häufig lasse sich das apparativ gar nicht erfassen. Vielmehr gehe es dann darum, den Patienten gut zuzuhören, um den Ursachen auf die Spur zu kommen. Und die seien in aller Regel seelischer Natur, meint Seese.

Oft bestehe bei diesen Patienten ein erhöhtes Anspannungsniveau, die Menschen könnten in der Nacht nicht richtig loslassen, fingen an zu grübeln und versuchten, die Probleme des Tages zu lösen, was aber in den seltensten Fällen gelinge. Die Folge seien dann Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen.

Auch wenn diese Schlafstörungen keine organischen Ursachen aufweisen, so können sie gravierende Folgen haben, ja sogar in die Depression führen. Man sollte sich deshalb nicht scheuen, rechtzeitig zum Arzt zu gehen. Immerhin verbringen wir rund ein Drittel unseres Lebens im Schlaf. Wer gut schläft, hat mehr von den anderen zwei Dritteln.

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