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Schlaf ist nicht nur gesund, er hält auch gesund, weil wichtige Immunzellen bei ausreichend Schlaf infizierte Zellen besser bekämpfen können.
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Sylvaine von Liebe
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Schlaf ist nicht nur gesund, er hält auch gesund, weil wichtige Immunzellen bei ausreichend Schlaf infizierte Zellen besser bekämpfen können.

Dass zu wenig Schlaf nicht gesund ist, das konnten schon einige Studien belegen. Neu ist aber die Erkenntnis, dass bereits drei Stunden ohne Schlaf genügen, um uns für Infekte anfälliger zu machen. Zu diesem Ergebnis kamen nun Forscher der Universitäten Tübingen und Lübeck bei Untersuchungen von Testpersonen, die jetzt im "Journal of Experimental Medicine" veröffentlicht wurden.

Die Studie: Probanden mit und ohne Schlaf

Für die Studie hatte das Team um Dr. Luciana Besedovsky vom Tübinger Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie ein 24-stündiges Experiment an Testpersonen durchgeführt. Eine Gruppe der Probanden durfte nachts acht Stunden schlafen, die andere Gruppe musste über den gesamten Zeitraum wach bleiben.

Ursache für ein schwaches Immunsystem bei Schlafmangel

Bei Schlafmangel funktioniert unsere Immunabwehr schlechter. So lässt sich die Erkenntnis der Wissenschaftler kurz zusammenfassen. Das liegt an den sogenannten T-Zellen. Sie sind für unsere Immunabwehr zuständig. Die T-Zellen zirkulieren ständig im Blutkreislauf und suchen nach Erregern. Normalerweise können sich die T-Zellen an die infizierten Zellen anheften und diese beseitigen. Bei Schlafmangel geht den Immunzellen diese Fähigkeit aber verloren.

Schlafmangel, Immunzellen und die Rolle der Hormone

Die Forscher konnten bei ihren Untersuchungen auch belegen, dass das Stresshormon Adrenalin und Prostaglandine sowie der Botenstoff Adenosin die sogenannte Adhäsion der T-Zellen, das Anheften der Immunzellen an andere Zellen, deutlich reduziert. Sie hatten dafür den Testpersonen Blut entnommen und Plasma - also den Teil des Blutes, in dem sich lösliche Substanzen wie Hormone befinden - von schlafenden sowie von wach geblieben Probanden entnommen. Stammte es von den Probanden ohne Schlaf, senkte es die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen, verglichen mit dem Plasma der Probanden, die geschlafen hatten.

Erkenntnisse beim Schlafmangel wichtig für andere Krankheiten

Die Studienergebnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftler auch bei der Behandlung anderer Krankheiten helfen, denn Adrenalin und Prostaglandin sind auch bei chronischem Stress, Malaria oder Krebs stark erhöht. Tanja Lange, Internistin an der Lübecker Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie und Co-Autorin der Studie, erklärt: "Das heißt, dass unsere Befunde auch außerhalb der Schlafforschung klinische Relevanz haben. Sie könnten erklären, warum das Immunsystem bei manchen Erkrankungen unterdrückt ist."