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Zoonosen: Wenn Viren und Co. vom Tier zum Menschen wechseln | BR24

© picture-alliance/"Koen van Weel"

Wie lassen sich Übertragungen von Erregern von Tier auf Mensch verhindern? Darüber diskutieren Expert*Innen gerade virtuell in einem Symposium

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    Zoonosen: Wenn Viren und Co. vom Tier zum Menschen wechseln

    Das SARS-CoV2-Virus, das uns gerade weltweit in Atem hält, wurde vor der Corona-Pandemie eigentlich nur von Tier zu Tier übertragen. Auf einem virtuellen Symposium diskutieren Experten seit gestern, wie man solchen Pandemien vorbeugen kann.

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    Ebola, HIV, Schweinegrippe, MERS, SARS-CoV2 - also das Corona-Virus das unser aller Leben gerade auf den Kopf stellt - diese Krankheiten haben eines gemeinsam: Bei allen handelt es sich um sogenannte Zoonosen. Das sind Krankheiten, die von Erregern ausgelöst werden, die von Tieren auf Menschen und umgekehrt übertragen werden können. Und das bisweilen mit katastrophale Folgen – wie wir zurzeit spüren. In einem virtuellen Symposium – der nationalen Plattform für Zoonosen - diskutieren Expertinnen und Experten seit gestern den Stand der Forschung und auch, wie man Ausbrüche wie die Corona-Pandemie in Zukunft früher erkennen und vielleicht sogar unterbinden könnte.

    Nur vereinzelt droht Gefahr

    60 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten weltweit sind so genannte Zoonosen. Bakterien, Viren aber auch Parasiten schaffen immer wieder den Sprung vom Tier auf den Menschen. Glücklicherweise kommt es aber nicht so oft vor, dass die Erreger dann auch den Sprung von Mensch zu Mensch schaffen, so Stephan Ludwig. Er leitet das Institut für molekulare Virologie an der Universität Münster.

    Corona-Pandemie könnte sich wiederholen

    Was aber passiert, wenn ein Erreger die Übertragung von Mensch zu Mensch schafft, das erleben wir gerade mitten in der Corona-Pandemie. Das Sars-CoV-2 Virus stammt nach jetzigem Kentnisstand sehr wahrscheinlich von Fledermäusen und gelangte über einen zweiten tierischen Zwischenwirt zum Menschen. Sowas kann immer wieder passieren – fürchten Experten.

    Ludwig macht dafür die ständig wachsende menschliche Population verantwortlich. Der Mensch dringe immer weiter in unbewohnte Gebiete vor, wo dann der Kontakt zwischen wilden Tieren und Mensch überhaupt erst möglich wird. Auch die hohe Mobilität des Menschen macht der Virologe als einen wesentlichen Auslöser aus.

    Herausforderung für die Forschung

    Nicht alle diese Entwicklungen lassen sich zurückdrehen. Mit den Auswirkungen müssen wir leben. Für die Wissenschaft ist es eine große Herausforderung, Zoonosen noch früher zu erkennen und zu verhindern, dass sie sich verbreiten. Laut Ludwig braucht es dazu bessere Überwachungssysteme, um frühzeitig eingreifen zu können.

    "Wir wollen genauer verstehen, wie dieser Übertritt über die Speziesbarriere geht." Stefan Ludwig, Chefvirologe, Uni Münster

    Überwachung besser als Verbote

    An einem solchen Überwachungssystem forscht der Genetiker Stefan Prost. Er arbeitet bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Bereich Naturschutzgenetik und Wildtierforensik.

    Vom Verbot, mit bestimmten Tieren zu handeln, hält Prost wenig. Besser sei, genauer hinzusehen: welche Tiere gehandelt werden, unter welchen Bedingungen das passiert, etwa auf Wildtiermärkten, Zuchtbetrieben oder Farmen. Und, ob diese Tiere Pathogene transportieren, die potenziell den Menschen gefährlich werden können.

    Interdisziplinäre Forschung

    Die Fachleute arbeiten interdisziplinär und tauschen sich aus. Das betrifft nicht nur Wissenschaftler untereinander. Auch Behörden und Nationen müssen zusammenarbeiten, um Zoonosen künftig besser in den Griff zu bekommen. Es ist wichtig, zu wissen, woher ein Erreger genau stammt und welchen Weg er genommen hat. Denn, so Prost, je mehr man darüber wisse, wie eine Infektion vonstatten gegangen ist, desto besser könne man reagieren und versuchen, zu verhindern, dass es zu einem nächsten Fall kommt.

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