Zwei Hirsche, aufgenommen in einem Gebiet, in dem Tiere mit der ansteckenden Hirnkrankheit CWD gefunden wurden.
Bildrechte: picture alliance /newscom/ Fotograf: Dennis Anderson

Nicht alle Hirsche, wie diese beiden im Südosten Minnesotas (USA), sind gesund. Dort wurden Tiere mit CWD, einer Hirnkrankheit, gefunden.

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"Zombie-Krankheit" CWD: Ansteckungsgefahr für Menschen unklar

CWD ist eine ansteckende Hirnkrankheit, ähnlich dem Rinderwahn BSE. Bisher ist die Erkrankung vor allem bei Rentieren und Elchen außerhalb Europas festgestellt worden. Jetzt warnt ein hochrangiger US-Forscher: Auch Menschen könnten sich infizieren.

CWD steht für "Chronic Wasting Disease". Die ansteckende und meist tödlich verlaufende Infektion greift das zentrale Nervensystem an und führt zu ähnlichen Symptomen wie der sogenannte Rinderwahn BSE. Bisher wurden vor allem in den USA mit CWD infizierte Elche und Hirsche entdeckt. Die Äußerung des renommierten US-Wissenschaftlers Michael Osterholm, eine Übertragung der Krankheit auf den Menschen könne nicht ausgeschlossen werden, sorgt für Diskussionen unter Fachleuten.

CWD - Ursache und Symptome der Krankheit

CWD ist eine ansteckende Prionenerkrankung. Sie wird ausgelöst durch krankhaft veränderte Proteine, sogenannte Prione, die Hirngewebe zerstören - ähnlich wie bei der Tierseuche BSE bei Rindern oder bei der Scrapie-Erkrankung bei Schafen. Auch die Symptome einer CWD-Infektion ähneln denen, die eine BSE-Infektion auslöst: Die Tiere zehren aus, werden immer schlapper. Weil sie sich nach Ausbruch der Krankheit nur noch unkontrolliert bewegen können, wird die Erkrankung oft auch "Zombie-Krankheit" genannt.

Ausbreitung von CWD: Bisher keine Übertragung auf Menschen

Prionen können von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Der Erreger von BSE ist aller Wahrscheinlichkeit nach für eine Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit verantwortlich. Doch Fälle, die auf eine Übertragung der "Chronic Wasting Disease" (CWD) auf den Menschen hindeuten, fehlen bislang. Auch eine Infektion von Haustieren mit der "Zombie-Krankheit" ist noch nicht bekannt.

Bisher wurde eine CWD-Infektion nur bei Hirschen, Elchen und Rentieren festgestellt. Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC sind mittlerweile in 24 US-Staaten und in zwei kanadischen Provinzen Hirsche und Elche mit CWD gefunden worden. Im April 2016 wurde mit einem infizierten Rentier in Norwegen erstmals ein Fall von CWD außerhalb Nordamerikas und Südkoreas entdeckt. Und im Januar 2018 gab es schließlich den ersten Fall eines Tieres innerhalb der EU: Die "Zombie-Krankheit" wurde damals bei einem toten Elch in Finnland festgestellt.

US-Forscher: Warnung vor CWD trotz fehlender Indizien

Vieles spricht gegen eine Ansteckungsgefahr für den Menschen mit der "Chronic Wasting Disease". "Bislang hat es keine Fälle einer CWD-Infektion bei Menschen gegeben", heißt es auch seitens der US-Gesundheitsbehörde CDC. Studien deuteten allerdings darauf hin, dass ein Infektionsrisiko für manche nicht-menschlichen Primatenarten bestehe, teilt die US-amerikanische Behörde mit.

Michael Osterholm, Direktor des Zentrums für Infektionskrankheiten an der Universität von Minnesota, hält trotzdem eine Übertragung von CWD auf den Menschen für möglich.

"Es ist wahrscheinlich, dass Fälle von CWD beim Menschen in den kommenden Jahren dokumentiert werden, die mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch in Verbindung stehen." Michael Osterholm im März 2019 im Parlament des US-Staates Minnesota.

Er fügte hinzu: Es gebe zwar keine Beweise für menschliche Fälle, aber das Problem sei "das verzögerte Auftreten" der Erkrankung, "Wir können nicht auf die ersten Fälle warten", betonte Osterholm.

Deutsche Experten sehen keine Gefahr durch CWD für Menschen

Deutsche Experten sind da anderer Ansicht. Für sie ist eine Übertragung der "Zombie-Krankheit" CWD durch kontaminiertes Fleisch eher unwahrscheinlich.

"Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand kann eine Übertragung von CWD auf den Menschen zwar nicht mit allerletzter Sicherheit ausgeschlossen werden, das Risiko dafür kann aber als äußerst gering angenommen werden." Stellungnahme des Friedrich-Loeffler-Instituts.

Ähnlich sieht es auch der Deutsche Jagdverband:

"Es ist unwahrscheinlich, dass das über den natürlichen Weg, über Tiere, eingeschleppt wird. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Skandinavien- oder Nordamerika-Urlauber oder Jäger diese Prionen über verunreinigte Klamotten einschleppen." Torsten Reinwald, Pressesprecher des Deutschen Jagdverbands.

Genaue Beobachtung von wildlebenden Rentieren in Norwegen

In Norwegen, wo das Landwirtschaftsministerium und die Umweltbehörde die Verbreitung der Zombie-Krankheit genau beobachten, ist man hinsichtlich einer Einschätzung des menschlichen Ansteckungsrisikos dagegen unsicher. Vor einem Jahr wurden dort in der Region Nordfjella mehr als 1.400 wildlebende Rentiere erschossen, nachdem bei 17 der Tiere CWD festgestellt worden war. Bis heute wurden mehr als 70.000 Tiere untersucht.

"Ein Expertengremium hat das Risiko für Menschen geprüft. Das Risiko ist sehr gering, kann aber nicht ausgeschlossen werden." Karen Lone von der norwegischen Umweltbehörde über die Ansteckungsgefahr der "Zombie-Krankheit".