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Zitteraal erzeugt Stromstöße bis zu 860 Volt | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Zwei neue Zitteraalarten wurden im Amazonas entdeckt, das sind Fische, die Stromstöße verteilen, um ihre Beute zu erlegen. Eine Aalart zeigt eine Spannung von 860 Volt. Das ist Rekord im Tierreich!

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Zitteraal erzeugt Stromstöße bis zu 860 Volt

Es gibt nicht nur einen, sondern drei verschiedene Zitteraale. Forscher entdeckten, dass einer davon sogar Stromstöße von bis zu 860 Volt erzeugen kann. Damit stellt er einen neuen Rekord im Tierreich auf.

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Der Zitteraal erzeugt Stromstöße, um sich zu verteidigen und seine Beute zu jagen. Zwei Jahrhunderte lang war der "Electrophorus electricus" der einzige Vertreter seiner Gattung. Carlos David de Santana und seine Kollegen vom Smithsonian Institution in Washington analysierten in den letzten sechs Jahren die DNA von 107 Exemplaren elektrischer Zitteraale aus Brasilien, Französisch-Guayana, Guyana und Suriname. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im September 2019 im Fachjournal „Nature Communications“. Ihre Studie beweist, dass Zitteraale trotz ihrer äußerlichen Ähnlichkeit drei verschiedenen Arten angehören.

Zitteraale unterscheiden sich genetisch und in ihren Lebensbedingungen

Ein elektrischer Aal gehört zur Ordnung der Neuwelt-Messerfische, auch wenn er wie ein Aal aussieht. Die beiden neu entdeckten Arten wurden von den Forschern nun als „Electrophorus voltai“ und „Electrophorus varii“ benannt. Sie unterscheiden sich nicht nur genetisch voneinander, sondern bevorzugen auch unterschiedliche Lebensräume. Der bislang bekannte „Electrophorus electricus“ lebt hauptsächlich im nördlichen Teil des Hochlands von Guayana. „Electrophorus voltai“ wiederum ist im brasilianischen Bergland, in klaren Gewässern mit Stromschnellen zu finden. „Electrophorus varii“ hingegen fühlt sich im trüben und langsam fließenden Wasser im Flachland des Amazonasbeckens wohl.

Wie erzeugt der Zitteraal seine Elektroschocks?

Beim Zitteraal liegen direkt unter der Haut viele übereinanderliegende Muskelzellen. Mit diesen sogenannten Elektrozyten wird die elektrische Spannung erzeugt. Kommt vom Gehirn ein Signal, dann werden diese elektrischen Zellen aktiviert. Damit der Strom fließt, gibt es einen Pluspol am Kopf und einen Minuspol am Ende seines Körpers. Mit Hilfe der elektrischen Signale baut sich der Zitteraal so ein elektrisches Feld auf, das andere Fische nicht sehen können.

Zitteraale jagen mit Elektroschocks

Schwimmt ein Beutefisch nichtsahnend durch ein elektrisches Feld, nimmt es nur der Zitteraal wahr und kann direkt zugreifen. Schickt er noch stärkere Stromstöße hinterher, lähmt er seine Beute, die keine Chance mehr hat zu entkommen. In Sekunden kann der Zitteraal eine Spannung von bis zu 600 Volt aufbauen und 100 Watt Leistung erzeugen. 230 Volt Strom kommen in Deutschland aus der Steckdose.

Sind Stromstöße von Zitteraalen gefährlich?

Vor 200 Jahren standen Zitteraale bereits unter Beobachtung. Der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt entdeckte während eines Forschungsaufenthalts am Amazonas, wie ein Zitteraal aus dem Wasser sprang und seinen vermuteten Angreifer attackierte. Selbst Pferde und Maultiere spürten die Stromstöße.

Der amerikanische Wissenschaftler De Santana hat bei seinen Begegnungen mit Zitteraalen bereits mehrmals ihre Stromstöße zu spüren bekommen. Er betont jedoch, dass diese Elektroschocks nicht unbedingt gefährlich für Menschen sind. Die elektrische Spannung ist zwar sehr hoch, aber die Stromstärke ist sehr niedrig. Doch ähnlich wie die Berührung eines Elektrozauns ist ein elektrischer Stoß nicht besonders angenehm. Gefährlich kann er dennoch werden, wenn Muskelverkrampfungen auftreten. Der "Electrophorus voltai" gibt Stromstöße von bis zu 860 Volt ab. Damit bricht er den Rekord im Tierreich und ist das Lebewesen, das die höchste Spannungsentladung erzeugen kann, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Forscher wollen noch mehr Geheimnisse entdecken

Die neuen Entdeckungen zeigen aber auch, dass in den Amazonasgebieten noch weitere Geheimnisse zu finden sind:

"Wenn ein bis zu 2,5 Meter langer Fisch nach 250 Jahren wissenschaftlicher Untersuchungen gefunden wird, können Sie sich dann vorstellen, was in der Region noch alles entdeckt werden könnte?" C. David de Santana, Smithsonian Institution, Washington, USA