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Zeitumstellung: Uhren laufen wieder auf Winterzeit | BR24

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Schlafender Mann

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Zeitumstellung: Uhren laufen wieder auf Winterzeit

Von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren wieder umgestellt auf die Normalzeit. Um drei Uhr morgens wurden die Zeiger um 60 Minuten zurückgedreht. Fragt sich nur: Wie oft wird es die Zeitumstellung noch geben? Der Streit darüber geht weiter.

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Die gute Nachricht ist, wir dürfen an diesem Wochenende eine Stunde länger schlafen, das heißt aber auch, es wird eine Stunde früher dunkel. Seit Sonntag drei beziehungsweise zwei Uhr gilt wieder die Normalzeit. Die Abschaffung der Zeitumstellung ist zwar durch die EU beschlossen worden, doch noch steht eine Abstimmung der EU-Mitglieder aus, ob sie nach 2019 dauerhaft Sommer- oder Normalzeit wollen.

Zeitumstellung ade: Europa muss einheitlich ticken

Drei Millionen der 4,6 Millionen deutschen Teilnehmer einer EU-Online-Umfrage entschieden sich im August für die Beibehaltung der Sommerzeit. Das sind mehr als 80 Prozent der Befragten in Deutschland. Rechtlich bindend ist das erst einmal nicht. Die EU-Kommission prüft, wie es nun mit der im EU-Recht geregelten Zeitumstellung weitergehen soll, denn die Neuregelung muss europaweit gelten.

Gezanke um die Zeitumstellung geht weiter

In Europa will eine Mehrheit keine Zeitumstellung mehr und in Deutschland ist man sich nicht einig, auf welche Zeit umgestellt werden sollte: Der Bundesgesundheitsminister plädierte für die dauerhafte Umstellung auf die Sommerzeit. Der Deutsche Lehrerverband will die Winterzeit beibehalten. Und dann gibt es noch eine neuste Umfrage des Kantar Emnid Instituts vom Oktober diesen Jahres. Demnach entschieden sich nur 51 Prozent der Deutschen für die Beibehaltung der Sommerzeit. 42 Prozent waren für die Beibehaltung der sogenannten Normalzeit, also der Zeit, die im Winter gilt.

Normalzeit – Sommerzeit: welche ist denn normal?

Vor allem Ältere befürworten der Umfrage von Kantar Emnid zufolge die Normalzeit. Von den über 65-Jährigen sprachen sich 57 Prozent dafür aus. Sie ist die Standardzeit. Eine Sommerzeit wurde bei uns erstmals 1916 eingeführt. Die Politiker versprachen sich davon Energieeinsparungen. Drei Jahre später wurde sie wieder abgeschafft. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie wieder verordnet, und nach einer wiederholten Rücknahme 1980 zeitgleich mit der DDR eingeführt.

"Durch das Vor- und Zurückstellen der Uhren sparen wir keine Energie: Zwar knipsen die Bürgerinnen und Bürger im Sommer abends weniger häufig das Licht an, allerdings heizen sie im Frühjahr und im Herbst in den Morgenstunden auch mehr – das hebt sich gegenseitig auf." Umweltbundesamt, 2007

Schlafprobleme wegen Zeitumstellung

Laut einer DAK-Studie aus dem Jahr 2018 gab ein Viertel der Befragten an, schon einmal Probleme wie Schlafstörungen im Zuge der Zeitumstellung gehabt zu haben. 63 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer erklärten, nach dem Ende der Sommerzeit unter Einschlafproblemen zu leiden. Knapp ein Drittel konnte sich nach eigenen Angaben schlechter konzentrieren, 26 Prozent fühlten sich gar gereizt.

"Der Körper lebt nach seiner eigenen Uhr – und die stellt sich eben nicht von einem Tag auf den anderen um. Wer Beschwerden hat, der darf also nicht gleich verzweifeln, sondern braucht einfach ein wenig Geduld." Dr. Susanne Bleich, DAK-Ärztin

Härtere Urteile, Verkehrsunfälle, Herzinfarkte

Es gibt diverse Studien zur Zeitumstellung. Jürgen Zulley, Psychologe, Schlafforscher und ehemaliger Professor an der Uni Regensburg, plädiert für die dauerhafte Umstellung auf die Normalzeit, denn die Umstellung auf die Sommerzeit bereitet vielen Probleme. Nach Zulley sind die meisten im Frühjahr nach der Umstellung unausgeschlafen. Die meisten Menschen gewöhnen sich, laut Zulley, erst zwei bis drei Tage später an die neue Zeit.

Selbst Kühe produzieren nach der Umstellung erst einmal weniger Milch, wenn sie eine Stunde früher gemolken werden. Nach Zulleys Erkenntnissen ereignen sich am ersten Montagmorgen der Sommerzeit acht Prozent mehr Verkehrsunfälle als an einem gewöhnlichen Montag. Umgekehrt sei es im Herbst, so der Regensburger Schlafforscher, denn dann seien Unfälle um sieben Prozent seltener als sonst.

In der Normalzeit im Winter ist der Körper in seinem Rhythmus. Unter anderem untersuchte die Uni Augsburg den Zusammenhang zwischen Zeitumstellung und Herzinfarkte. Sie kam zum Schluss, dass sich bei Männern das Herzinfarkt-Risiko in den ersten drei Tagen der Sommerzeit vermutlich um rund 15 Prozent erhöht. In Schweden stellten Forscher fest, dass sich in der ersten Woche der Sommerzeit etwa vier Prozent mehr Infarkte ereignen.

"Unsere innere Uhr ist sehr robust und ignoriert erst einmal Änderungen. Sie tut dann so, als ob alles beim alten geblieben wäre. Das hilft uns, wenn wir mal eine Nacht durchmachen, dann beharrt die biologische Uhr auf den alten Rhythmus und bringt uns zurück in den Alltag. Erst wenn wir längere Zeit in einer neuen Zeitzone leben, stellt sie sich um." Jürgen Zulley, Schlafforscher

Hilfe gegen schlechten Schlaf

Schlaf ist wichtig. Wer unter Schlafstörungen leider ist oft dünnhäutig, gereizt und depressiv. Können die Probleme durch den Hausarzt nicht gelöst werden, dann sollten Patienten Hilfe in einem Schlafzentrum suchen. Dort gibt es beispielsweise die Möglichkeit Messungen in einem Schlaflabor durchführen zu lassen. Der Patient übernachtet in der Regel ein Mal darin. Dabei wird er an verschiedene Sensoren und Messgeräte angeschlossen und mit einer Kamera überwacht. So können die verschiedenen Schlafstadien kontrolliert werden. Im Schlaflabor können körperliche Ursachen für die Schlafstörung festgestellt werden. Danach wird der Patient je nach Fall an einen Lungenspezialisten, Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten, Kinderarzt, Psychologen oder Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie weiterüberwiesen.

So schlafen Sie besser: Kein Kaffee, kein Alkohol, gute Belüftung

Wichtig sind wichtige Verhaltensweisen für guten Schlaf. Dazu gehören ein dunkles Zimmer, die richtige Raumtemperatur, gute Belüftung und möglichst wenig Kaffee am Abend, sowie Verzicht auf Alkohol, wenn bereits Schlafstörungen vorhanden sind. Im Volksmund gilt der Schlummertrunk als Schlafmittel. Ein Mythos – Alkohol stört die Schlafarchitektur und führt zu Durchschlafstörungen. Der Alkohol erhöht die Körpertemperatur und führt zu vermehrtem Aufwachen in der Nacht. Zudem hat der Alkohol toxische Teile, die auch die Leber mehr beanspruchen.

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