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Zeitumstellung: Heute Nacht wird auf Winterzeit umgestellt | BR24

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Wie rum jetzt? Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit

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Zeitumstellung: Heute Nacht wird auf Winterzeit umgestellt

Vom 24. auf den 25. Oktober wird wieder von Sommer- auf Winterzeit umgestellt. Immerhin können wir diesmal eine Stunde länger schlafen. Aber spurlos geht die Zeitverschiebung an den meisten Menschen nicht vorüber.

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Am letzten Sonntag im März beginnt die Sommerzeit, am letzten Sonntag im Oktober die Winterzeit. Eine Stunde hin oder her, aber wie rum diesmal? Für diejenigen, die es sich partout nicht merken können: In der Nacht von Samstag, 24. Oktober 2020, auf Sonntag, 25. Oktober 2020, werden in Deutschland die Uhren auf Winterzeit umgestellt - oder genauer gesagt: auf die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Der Zeiger wird also um 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr zurückgestellt.

Mit dem Satz "Im Sommer stellt man die Gartenmöbel 'vor' die Tür, im Winter stellt man sie 'zurück' in den Schuppen", können sich auch notorisch Vergessliche die Richtung der Uhrumstellung merken. Dieses Mal können Sie eine Stunde länger schlafen! Das heißt aber, dass es morgens "früher" hell und abends "früher" dunkel ist.

Die Zeitumstellung hat viele Gegner

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ruft schon seit Langem viele Gegner auf den Plan. Viele Menschen haben von dem Hin und Her genug. Deshalb startete die EU-Kommission 2018 eine EU-weite Online-Befragung zur Zeitumstellung. Die Resonanz war riesig. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, davon allein rund 3 Millionen aus Deutschland. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung.

Österreich, das zum Zeitpunkt der Entscheidung den rotierenden Vorsitz im Rat der Mitgliedstaaten innehatte, setzte das Thema auf seine Prioritätenliste, erreichte aber keine Einigung. Auch die nachfolgenden Ratspräsidentschaften aus Rumänien, Finnland und Kroatien kamen zu keiner Lösung. Jetzt liegt der Ball bei Deutschland.

Was will Deutschland: Sommer- oder Winterzeit?

Das Problem: Die Mitgliedsstaaten der EU sind sich nicht einig. Soll dauerhaft Sommerzeit oder Normalzeit gelten - oder alles so bleiben, wie es ist? Bisher konnte man sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Fehlende Absprachen aber könnten einen Flickenteppich verschiedener Zeitzonen innerhalb der EU ergeben oder das ganze Vorhaben noch zum Scheitern bringen. Seit 2002 ist die Umstellung EU-weit einheitlich geregelt, um Probleme durch unterschiedliche Uhrzeiten im Gütertransport oder bei Flug- oder Bahnverbindungen zu vermeiden.

Die Frage ist außerdem, ob sich Deutschland für eine dauerhafte Winter- oder für die Sommerzeit entscheidet. Die Winterzeit ist die in Deutschland geltende normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Mehr als die Hälfte, die an der Online-Petition teilgenommen hatten, votierten für eine dauerhafte Sommerzeit - und folglich dagegen, die Winterzeit beizubehalten.

Winterzeit ist die normale Mitteleuropäische Zeit

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin spricht sich aber für eine Beibehaltung der Normalzeit aus. Das Tageslicht und insbesondere der Blauanteil des Sonnenlichts sei der "Hauptzeitgeber" für die innere Uhr des Menschen und maßgeblich für den Wach-Schlaf-Rhythmus. All dies wird den Experten zufolge am besten durch die Winterzeit gewährleistet. Durch Umstellung auf Sommerzeit drohe hingegen ein Schlafmangel, der zu Konzentrations- und Leistungseinbußen sowie mehr Unfällen führe.

Auch der Deutsche Lehrerverband fürchtet für den Fall einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit gesundheitliche Gefahren für Schüler. Nach Umstellung auf die permanente Sommerzeit würden besonders Teenager leiden, die - bedingt durch die Pubertät - einen verschobenen Biorhythmus haben und Langschläfer sind, so der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg.

Welche Folgen hat die Zeitumstellung für den Menschen?

Empfindliche Menschen leiden eine ganze Weile unter einer Zeitumstellung, denn sie kann den Organismus belasten und zu Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit führen. Die Folgen können Müdigkeit, Bluthochdruck, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche sein.

Es kann einige Tage sogar bis Wochen dauern, bis sich der Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt hat. Die Umstellung im Frühjahr fällt vielen Menschen schwerer als der Wechsel im Herbst.

© BR

Bald soll ja Schluss damit sein, aber in der Nacht von Samstag auf Sonntag müssen wir die Uhren mal wieder umstellen. Aber was ist mit der inneren Uhr? Ein kleiner Trost für alle Zeitfühligen.

Umfrage zu Folgen der Zeitumstellung

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage von 2019 im Auftrag der KKH, Kaufmännische Krankenkasse, bei der rund tausend Menschen zwischen 18 und 70 Jahren befragt wurden, haben rund zwei Drittel der befragten Frauen Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen oder kommen morgens schlechter in die Gänge. Bei den Männern sind dies 42 Prozent. Jede vierte Frau gibt zudem an, wegen der Zeitumstellung tagsüber gereizt oder müde zu sein. Bei den Männern betrifft das nur jeden sechsten.

Schlechte Stimmung bei Kindern nach Zeitumstellung

Auch vielen Kindern bereitet die Umstellung zeitweise Probleme. Mehr als die Hälfte der Mütter (57 Prozent) gibt an, dass ihr Kind abends schlechter einschläft, und jede Dritte beschreibt ihr Kind als tagsüber müde und gereizt. Bei den Vätern berichten deutlich weniger Befragte über solche Beobachtungen.

Eltern sollten sich darauf einstellen, dass die ersten Tage nach der Zeitumstellung etwas zäh sein könnten und die Stimmung wegen des Schlafmangels wohl nicht so gut sein wird wie sonst. Man sollte etwas mehr Zeitpuffer einplanen und soweit wie möglich das Tagesprogramm entzerren, damit Zeitfenster zum Entspannen bleiben.

DAK hat Folgen der Zeitumstellung erfragt

Auch eine repräsentative Umfrage der DAK-Gesundheit 2019 bestätigt Probleme nach der Zeitumstellung. Fast jeder dritte Deutsche (29 Prozent) leidet unter Beschwerden beim Wechsel zur Winterzeit. Drei Viertel der Betroffenen leiden unter folgenden Symptomen:

  • 77 Prozent fühlen sich schlapp und müde
  • 65 klagen über Einschlafprobleme
  • 41 Prozent können sich schlechter konzentrieren
  • knapp ein Drittel ist gereizt
  • ein Achtel leidet unter depressiven Verstimmungen (Männer sind mit 14 Prozent häufiger betroffen als Frauen mit 10 Prozent)
  • 18 Prozent kamen nach der Zeitumstellung schon einmal zu spät zur Arbeit.

Dass man nach einer Zeitumstellung psychische Probleme haben kann, sei nicht ungewöhnlich, meint Diplom-Psychologin Franziska Kath. Man könne sie mit einem kleinen Jetlag vergleichen: Die innere Uhr gerät ein wenig durcheinander. Diese ist zwar individuell unterschiedlich – so gibt es zum Beispiel Frühaufsteher und Nachteulen – doch sie orientiert sich stets am Tageslicht. So schwanken im Laufe eines Tages etwa die Körpertemperatur, der Blutdruck und Hormonspiegel in einem Rhythmus von ungefähr 24 Stunden.

Tipps, um den "Jetlag" in den Griff zu bekommen

Gegen den Jetlag durch die Zeitverschiebung helfen nur Ruhe und ein paar Tage Geduld. Wer kann, sollte stressige Termine nicht in die Woche nach der Zeitumstellung legen und es ruhiger angehen.

Wer in der Umstellungsphase auf den Mittagsschlaf verzichtet, kann nachts besser ein- und durchschlafen. Auf die Einnahme von Schlafmitteln sollte man nach Möglichkeit verzichten. Pflanzliche Mittel wie Baldrian, Melisse oder Hopfen dagegen sind unproblematisch.

Warum kam es überhaupt zur Umstellung der Zeit?

Als 1980 die Sommerzeit eingeführt wurde, geschah dies mit den besten Absichten: Nach der Ölkrise 1973 wollte man im Sommer Strom sparen und das Tageslicht besser nutzen. Ob die Rechnung aufgegangen ist, da streiten sich die Experten bis heute. Denn auch wenn es abends länger hell ist, wird gerade in den kälteren Monaten dafür morgens mehr geheizt. Die Einsparungen sind, wenn überhaupt, minimal. Das einzige Energielevel, das also sicher sinkt, ist das der Menschen, die sich nach der Umstellung aus dem Bett und durch den Tag quälen.

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