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WWF-Studie: Dramatischer Schwund in der Tierwelt seit 1970 | BR24

© dpa

Die Östlichen Flachlandgorillas im Kongo zählt der Living Planet Report 2020 zu den besonders gefährdeten Arten.

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WWF-Studie: Dramatischer Schwund in der Tierwelt seit 1970

Auf der ganzen Welt sind die Populationen vieler Tierarten stark geschrumpft, im Durchschnitt um mehr als zwei Drittel. Zu diesem Ergebnis kommt der Living Planet Report 2020, den der WWF heute vorgestellt hat.

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Der Schwund bei rund 21.000 beobachteten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien zwischen 1970 und 2016 beträgt im Durchschnitt 68 Prozent. Das geht aus dem Living Planet Report 2020 der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London hervor. Damit hat sich der Wert im Vergleich zur vergangenen Ausgabe von 2018 weiter verschlechtert. Besonders gefährdete Tiere sind danach die Östlichen Flachlandgorillas im Kongo, die Lederschildkröten in Costa Rica und die Störe im Jangtse. Bei den Letztgenannten liegt der Rückgang seit 1970 bei 97 Prozent. Im ersten Living Planet Report hatte der ermittelte Rückgang noch bei 30 Prozent für den Zeitraum 1970 bis 1995 gelegen.

Barometer des Gesundheitszustands der Erde

Der Living Planet Report erscheint seit 1998 alle zwei Jahre. Er untersucht den Zustand und die Entwicklung der weltweit untersuchten biologischen Vielfalt und wie diese vom Handeln des Menschen beeinflusst wird. Laut der aktuellen 13. Ausgabe verzeichneten die Süßwasserarten mit 84 Prozent den stärksten Schwund innerhalb der untersuchten Bestände von über 4.400 Wirbeltierarten. Besonders stark geschrumpft sind die Tierbestände mit 95 Prozent in Süd- und Zentralamerika.

"Um günstiges Soja für unser Billigfleischsystem anzubauen, werden in Südamerika Regenwälder gerodet. Statt mit dem Finger nur auf die Verbraucher und Landwirte zu zeigen, müssen Politik und Wirtschaft sich an die eigene Nase fassen. Sie müssen Verbraucher davor schützen, dass Entwaldung auf ihrem Teller landet." Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz bei WWF

Aber auch in Europa sinken die Zahlen des Living Planet Index, zum Beispiel bei den Schmetterlingen des Grünlandes. Deren Bestände in der EU gingen seit 1990 um 39 Prozent zurück. Hauptgründe dafür sind intensive Landwirtschaft und der Umbruch von Grünland. In Deutschland zeigt bei vielen Arten die Kurve ebenfalls nach unten. Bei den Vögeln zum Beispiel sind unter anderem die Bestände bei Rebhuhn und Kiebitz deutlich geschrumpft.

Forderung nach Systemwechsel

Der WWF fordert angesichts der Zahlen einen Systemwechsel bei der Agrarpolitik, dem Ernährungssystem und den globalen Lieferketten. Zudem müsse bis 2030 ein Drittel der Erde unter Schutz gestellt werden. In der Biodiversitätsstrategie der EU-Kommission ist das Ziel 30 Prozent der EU-Fläche unter Schutz zu stellen schon enthalten. Allerdings muss die Strategie noch durch den EU-Umweltministerrat im Herbst.

Mehr Schutzgebiete gegen Artensterben

Auch eine neue Studie unter Beteiligung von Forschern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kommt zu dem Ergebnis, dass eine deutliche Ausweitung von Naturschutzgebieten und ein Umbau des globalen Systems der Nahrungsmittelversorgung den Rückgang von Tier- und Pflanzenarten bis zum Jahr 2050 stoppen könnte. Den Berechnungen des internationalen Wissenschaftlerteams zufolge müsste der Anteil von Schutzgebieten an der Landfläche der Erde bis 2050 auf 40 Prozent erhöht werden. 2010 lag dieser erst bei 15,5 Prozent. Parallel müssten erodierte oder anderweitig in Mitleidenschaft gezogene Bodenflächen im großem Stil wieder aufgeforstet und renaturiert werden. Der Anteil dieser Flächen müsste bis 2050 auf weitere acht Prozent der Landmassen steigen.

© Bayerischer Rundfunk

WWF-Report über Schwund in der Tierwelt

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