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WWF-Report: Menschen ruinieren Umwelt und Artenvielfalt | BR24

© WWF / Roberto Maldonado

WWF-Living Planet Report 2018: Wir zerstören die Natur und die natürlichen Resourcen für unseren Wohlstand. Abgeholzter Regenwald in Brasilien

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WWF-Report: Menschen ruinieren Umwelt und Artenvielfalt

Weil wir Menschen viel zu viele natürliche Ressourcen verbrauchen, geht es der Erde und vielen Tierarten immer schlechter. 2018 fällt der "Living Planet Index", ein Barometer für den Gesundheitszustand der Erde, auf einen neuen Tiefpunkt, so der WWF.

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Seit 1998 veröffentlicht der World Wide Fund For Nature (WWF) den "Living Planet Report" (LPI). In diesem Jahr zum zwölften Mal. Der ökologische Zustandsbericht zeichnet ein düsteres Bild der noch vorhandenen natürlichen Ressourcen und wie wir Menschen damit umgehen. Denn: Die Menschheit verbraucht laut WWF jährlich 70 Prozent mehr natürliche Ressourcen als die Erde zeitgleich erneuern kann – 2016 waren es laut WWF-Bericht noch 60 Prozent. Auch der weltweite Artenschwund geht, so die Umweltorganisation, ungebremst weiter.

"Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten." Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland

Menschliches Übermaß zerstört Artenvielfalt

Durch die Bevölkerungsexplosion und das wirtschaftliche Wachstum wird der Bedarf an Nahrungsmitteln, an Land und Wasser immer größer. Das führt wiederum zu beschleunigten extremen Veränderungen durch den Menschen. Deshalb wird das angebrochene Erdzeitalter auch Anthropozän oder Menschenzeitalter genannt. Diese Beschleunigung ginge jedoch auf Kosten der Natur und der Artenvielfalt. Sie wirke sich massiv auf die Erdatmosphäre, die Meere und die Ökosysteme aus.

Gefährlicher riesiger Ökologischer Fußabdruck

Deshalb warnt der WWF auch in diesem Jahr: Der Ökologische Fußabdruck, den wir hinterlassen, werde immer größer. Der "menschliche Ressourcenhunger" sei weit größer als die Biokapazität der Erde, also das Vermögen der Natur, nutzbare Ressourcen herzustellen, Land bereitzustellen und Abfälle und Reststoffe wie Kohlenstoff abzubauen. Wichtigste Komponente dabei sind die CO2-Emissionen. Um den derzeitigen Ressourcen-Verbrauch zu decken, bräuchte man 1,7 Erden, rechnet der WWF in seinem aktuellen Bericht vor. Leidtragende dieser maßlosen Verschwendung ist vor allem die Artenvielfalt, das geht aus dem LPI hervor.

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© Bayerischer Rundfunk

Alle zwei Jahre veröffentlicht der WWF seinen Living Planet Report. Thema: Wie geht's unserem Planeten? Vor allem mit uns! Ein Aufruf, was zu ändern.

Biologische Vielfalt schwindet dahin

Der LPI – sozusagen das Barometer für den weltweiten ökologischen Zustand – erfasst die biologische Vielfalt. Er basiert aktuell auf Daten zu 16.704 untersuchten Populationen von 4.005 Wirbeltierarten, von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien auf der ganzen Erde. Für den Zeitraum von 1970 bis 2014 ermittelt der globale LPI einen Rückgang von 60 Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Report lag der ermittelte Rückgang noch bei 30 Prozent für den Zeitraum 1970 bis 1995. Damit sei der "Living Planet Index“ in diesem Jahr so schlecht wie nie zuvor. Im Vergleich zum letzten Bericht 2016 gingen erneut zwei Prozent der Tierarten verloren.

Lebensraum bedroht oder vernichtet

Der WWF nennt verschiedene Faktoren, die den Bestand von Tierarten gefährden: Dazu zählen invasive Arten und Krankheiten, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und die Übernutzung von Arten, etwa durch Jagd, Wilderei, Fischerei oder Beifang. Am meisten seien allerdings alle Tiergruppen durch eine Verschlechterung oder den Verlust von Lebensräumen bedroht. Besonders geschrumpft seien die Bestände von Säugetieren, Vögeln, Amphibien und Reptilien in Süd- und Zentralamerika: Gegenüber 1970 sank ihr Bestand um 89 Prozent.

"Deutschland hat am erschütternden Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit maßgeblich Anteil. Für unseren Lebensstil fallen in Südamerika, Afrika oder Asien Bäume, verschmutzen Flüsse, schwinden Tierbestände oder sterben Arten ganz aus." Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland

Beispiel: Zerstörung tropischen Regenwaldes

Besonders dramatisch sieht der WWF die Situation der tropischen Regenwälder, denn dort leben besonders viele unterschiedliche Arten. Doch gerade dort werde weiter entwaldet, wenn auch langsamer als bisher. Die Ursachen sind, so der Report, noch immer die großflächige Rodung für die Landwirtschaft, nicht nachhaltige Holzgewinnung, der Bergbau, Straßenbau und Siedlungen sowie zunehmend auch schwere Brände.

Beispiel: Plastikmüll im Meere

Der WWF beruft sich beim Thema Plastik in den Weltmeeren auf eine 2015 veröffentlichte Studie, die weltweit Daten zur Bevölkerungsdichte mit den Anteilen unzureichend eingesammelter Plastikabfälle kombiniert hat. Darin wird die Menge an Plastik, die 2010 vom Land aus ins Meer gelangte, auf 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen beziffert. Die Studie geht davon aus, dass das meiste Plastik vom Land über die Flüsse in die Meere transportiert wird. Hauptverursacher seien dabei die Länder Südostasiens, allein die Hälfte stamme aus China, Indonesien, den Philippinen, Thailand und Vietnam. Zur Eindämmung der Plastikflut fordert Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland scharfe internationale Vereinbarungen mit vereinbarten Minderungszielen, einem verbindlichen Zeitrahmen und konkretem Maßnahmenpaket.

"Die Meere dürfen nicht weiter die Müllhalde der Erde sein. Deutschland und die EU sind gefordert, mit gutem Beispiel voran zu gehen, mit Recyclingvorgaben für Lebensmittelverpackungen oder strikten Regelungen für Mikroplastik." Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland

Umdenken und Handeln von EU und Deutschland gefordert

Aber auch in Deutschland und Europa sieht der WWF die biologische Vielfalt massiv unter Druck, dank monotoner Agrarlandschaften ohne Wiesenvögel, Schmetterlinge, Wildbienen und Frösche.

"Derzeit geht es in Brüssel um die Zukunft der EU-Agrarpolitik. Mindestens 50 Prozent der Agrar-Subventionen dürfen nur an diejenigen Landwirte fließen, die nachweislich auf ihren Feldern Klima- und Umweltschutzziele umsetzen, indem sie zum Beispiel den Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngern senken, auf vielfältige Fruchtfolgen setzen oder artenreiches Grünland erhalten." Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland

Von der EU fordert der WWF, dass die Staatengemeinschaft handelt: Sie soll EU-weite Nachhaltigkeitskriterien für importierte Agrar- und Mineralrohstoffe und einen internationalen Waldfonds mit mindestens 100 Millionen Euro Jahresbudget einführen. Aus ihm sollen dann weltweit Wiederaufforstungs-Projekte und Waldschutz finanziert werden.