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Wollen Schüler jetzt lieber zu Hause bleiben? | BR24

© picture alliance / Jochen Tack Model Release

Mädchen, 11 Jahre alt, lernt zuhause

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    Wollen Schüler jetzt lieber zu Hause bleiben?

    Im vergangenen Schuljahr sehnten sich die meisten Schüler zurück ins Klassenzimmer, zu ihren Lehrern und Freunden. Glaubt man den sozialen Medien, scheint sich das Blatt nun gewendet zu haben: Wollen viele etwa wieder zu Hause lernen?

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    Von
    • Sebastian Kirschner

    Ständig Maske, ständig Abstand halten: Seit Beginn des Schuljahrs müssen Bayerns Schülerinnen und Schüler sich disziplinieren. Jetzt schnellen die Infektionszahlen in die Höhe – und die Diskussion, ob man Schulen um jeden Preis offenhalten sollte, wird heftiger. In den sozialen Medien, etwa auf TikTok machen einige Schüler ihrem Ärger Luft:

    © BR

    Screenshot Tic Toc

    "Stattdessen kann man doch einfach wieder Homeschooling machen. Warum geht das denn nicht???"

    Posts wie diese werden hundert-, zum Teil tausendfach gelikt. Bedeutet das: Die Schülerinnen und Schüler wollen wieder zu Hause bleiben? Obwohl sie nach dem vergangenen Schuljahr mit Distanz- und Wechselunterricht eigentlich dringend wieder in die Schule wollten?

    Differenzierter Blick der Schüler

    Nein, wollen sie nicht, ist zumindest Simone Fleischmann überzeugt. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) und ihre Kollegen hören überwiegend Schülerstimmen, die sagen: "Mein Gott, ist das gut, dass wieder Schule ist!" Die Schüler und Schülerinnen selbst sehen das differenzierter:

    "Es ist nicht direkt Daheimbleiben. Aber die Schüler plädieren trotzdem dafür, dass der Teilunterricht kommt, also dass die Schüler Halbzeit daheim sind und die Klassen geteilt werden und nicht mehr in voller Klassenstärke der ganze Unterricht stattfindet." Emely Sonntag, Landesschülersprecherin für die Mittelschulen

    Doch das gilt nicht für alle:

    "Es kommt immer darauf an, in welcher Region oder welchen Teil der Schülerinnen und Schüler Sie fragen. Die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen oder ihren Abschluss im nächsten Jahr machen, da kann ich versichern, die sind um jede Unterrichtsstunde froh, die sie in Präsenz in die Schule gehen." Joshua Grasmüller, stellvertretender Landesschülersprecher für die Gymnasien

    Präsenzunterricht, aber mit Homeschooling

    Die Sorge wegen Corona: Angesichts steigender Infektionszahlen ist sie bei den Schülern deutlich zu spüren. Die meisten wollen weiter Präsenzunterricht, aber im Wechsel mit Homeschooling. Der Grund: Viele Schüler tun sich schwer damit, ausschließlich von zu Hause aus zu lernen.

    "Wenn man selber nicht so gut in der Schule ist, dann braucht man halt teilweise diese Unterstützung von Lehrern. Aber trotzdem ist die Teilung da und es ist ein höherer Schutz gewährleistet dadurch, dass die Klassen nicht mehr in voller Stärke sind. Die Klassen sind ja teilweise 30 Personen stark. Und es ist halt schwierig, dann auch den Abstand einzuhalten im Klassenzimmer." Emely Sonntag, Landesschülersprecherin für die Mittelschulen

    Landesschülerrat: Hygienevorgaben unausgereift

    Dauerhaft Maske tragen, alle 45 Minuten mehrere Minuten stoßlüften: Die Schüler halten die bisherigen Hygienevorgaben des Kultusministeriums für unausgereift, gerade jetzt für die kalte Jahreszeit. Geteilte Klassen wären für sie die Lösung. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sieht dabei nur ein praktisches Problem: Die aktuellen Rahmenbedingungen geben das nicht her.

    "Wir wüssten auch, dass der Abstand, also geteilte Klassen die beste Prävention wäre, wenn wir nicht auch noch Lehrermangel in Bayern hätten. Das heißt, wir haben nicht mal einen pro Klasse. Also können wir die Klassen nicht teilen. Und wir wollen auch nicht, dass viele zu Hause bleiben, weil ja die Staatsregierung die Devise ausgegeben hat: maximal viel Unterricht live." Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

    Die Schüler haben ihrem Wunsch nach geteilten Klassen Nachdruck verliehen: Anfang des Monats hat der Landesschülerrat einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) geschrieben. Eine offizielle Antwort gibt es bisher nicht. Status: Kritik angekommen, wir arbeiten dran. Die Schüler hoffen auf eine baldige Lösung – möglichst bevor sich die Situation noch weiter verschärft.

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