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Wo bleiben die Corona-Schnelltests? | BR24

© dpa-Bildfunk/Hauke-Christian Dittrich

Corona-Schnelltests sollen mehr Sicherheit in Pflegeheimen bringen.

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Wo bleiben die Corona-Schnelltests?

Regelmäßige Corona-Schnelltests sollen verhindern, dass das Coronavirus in Krankenhäuser und Pflegeheime gelangt. Ausgeliefert wurden die ersten Schnelltests im Oktober. Doch die Umsetzung läuft schleppend, wohl weil die Zuständigkeiten unklar sind.

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Von
  • Moritz Pompl

Doris Schneider vom Caritasverband München und Freising ist unzufrieden. Sie betreut 27 Altenheime. Dort könnte mit den Antigen-Schnelltests ein bisschen mehr Normalität einkehren. Innerhalb von 30 Minuten liefern sie ein Ergebnis - viel schneller als der PCR-Test, der mehrere Stunden braucht. Die Tests sind seit Wochen versprochen - aber erst seit gestern kann Doris Schneider sie beim Gesundheitsamt beantragen.

"Wie schnell dann wiederum die Gesundheitsämter uns zurückmelden, dass sie das so genehmigen, da hab ich noch keine Erfahrungswerte." Doris Schneider, Caritasverband München und Freising

Söder kündigte Schnelltests schon im September an

Dabei hatte Bayerns Ministerpräsident Söder bereits im September angekündigt, dass der Freistaat zehn Millionen Schnelltests bereitstellen will. Und das Bundesgesundheitsministerium schreibt in seiner Test-Verordnung von Mitte Oktober: Pflegeheime und Krankenhäuser könnten Antigen-Schnelltests großzügig nutzen.

Doch nach BR-Recherchen liegen derzeit tausende von Tests ungenutzt in den Gesundheitsämtern herum. Von den zehn Millionen Tests sind laut bayerischem Gesundheitsministerium bisher eine halbe Million geliefert und dann an die Landkreise verteilt worden.

Gesundheitsministerium überfordert?

Doch die Gesundheitsämter warten auf ein Schreiben aus dem Bayerischen Gesundheitsministerium, mit klaren Anweisungen, wie sie die Tests weitergeben sollen.

Das Beispiel des Seniorendomizils "Gutknechtshof" in Stein bei Fürth zeigt, dass es offenbar ein Kommunikationsproblem gibt. Noch am Montag hatte man vergeblich darauf gewartet, endlich Schnelltests durchführen zu können. Nach einem Bericht im BR Fernsehen ging es dann ganz schnell: Am Abend meldete sich Bayerns Gesundheitsministerin Huml zu Wort:

"Es ist im Grunde so, dass es die Bundestestverordnung gibt, die im Moment schon hergibt, dass man diese Testungen in den Heimen durchführen kann." Melanie Huml (CSU), bayerische Gesundheitsministerin

Viele Fragen bleiben offen

Sprich: ohne zusätzliches Schreiben vom Gesundheitsministerium. Für Doris Schneider von der Caritas bleibt trotzdem unklar: Wer schult die Mitarbeiter, die die Tests dann machen? Wer kommt für den zusätzlichen Personalaufwand auf? Und: Wohin mit den Besuchern, während sie auf ihr Testergebnis warten?

"Ich kann ja jetzt im Winter nicht sagen: Bitte warten Sie mal im Garten draußen. Und dann muss wiederum drauf geachtet werden, dass nicht mehrere Besucher ohne Abstand oder ohne Maske nebeneinander sind." Doris Schneider, Caritasverband München und Freising

Wie zuverlässig sind die Tests?

Ganz abgesehen davon zweifeln manche Experten an der Zuverlässigkeit der Schnelltests. Die Hersteller behaupten: Die Tests liegen fast immer richtig, ähnlich wie beim Standard-Test, der PCR. Doch der Virologe Reinhard Hoffmann von der Uniklinik Augsburg kommt zu einem anderen Schluss.

"Wir haben verschiedene Testhersteller ausprobiert. Im ersten Testsystem, was wir probiert haben, waren gerade mal 20 Prozent der Teste, die in dem Standard-Testverfahren positiv waren, positiv. Und im zweiten Testsystem landen wir jetzt so ungefähr bei 80 Prozent." Reinhard Hoffmann, Uniklinik Augsburg

Die Zahl der Viren ist entscheidend

Entscheidend ist offenbar nicht nur, dass der Abstrich tief genug im Rachen gemacht wird und deshalb auch nur geschultes Personal ran darf. Sondern auch, wie viel Virus im Hals steckt. Die PCR, bei der das Erbgut künstlich vervielfältigt wird, schlägt auch bei kleinen Virusmengen an. Der Schnelltest weist Eiweiße nach, da braucht es mehr Viruspartikel. Für Doris Schneider von der Caritas ist deshalb klar:

"Es muss immer kommuniziert werden, dass die einfach nicht sicher sind, und das heißt, dass ein Mitarbeiter oder auch ein Besucher, der oder die ein negatives Testergebnis hat, trotzdem alle Hygienemaßnahmen einhalten muss." Doris Schneider, Caritasverband München und Freising

Trotzdem könnten die Schnelltests helfen, stark ansteckende Menschen aufzuspüren. Wenn denn die Verteilung zwischen Gesundheitsämtern und Pflege- und Seniorenheimen endlich klappt.

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Corona-Schnelltests könnten vor allem in Einrichtungen mit vielen Menschen helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Antigen-Schnelltests können generell seit Mitte Oktober in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt werden.