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Wildtierfütterung - Kritik an Wintergattern | BR24

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Tierschützer kritisieren, dass Wild in bayerischen Wäldern und Nationalparks in Wintergatter gesperrt wird. Was sagen Jäger und Waldbesitzer?

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Wildtierfütterung - Kritik an Wintergattern

Tierschützer kritisieren, dass Wild in bayerischen Wäldern und Nationalparks in Wintergatter gesperrt wird. In Norddeutschland ist das anders. Warum wurden in Bayern Wintergatter eingerichtet?

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In Deutschland leben heute etwa 200.000 Rothirsche, -Kühe und -Kälber, das sogenannte Rotwild. Davon etwa 30.000 in Bayern. Es kommt zwar in ganz Deutschland vor, aber nur auf 25 Prozent der Fläche. In Norddeutschland darf das Rotwild frei wandern. Die Tiere leben, wo sie wollen. Aber im Süden ist es beschränkt auf spezielle Gebiete. Nur dort soll es sich aufhalten. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung hält die Methode für veraltet.

"Wir finden, es ist ein behördlicher Anachronismus, dass der Mensch dem Wildtier vorgibt, wo es leben darf und wo nicht. Wir finden, das hat nichts mit einem modernen Umgang mit Wildtieren zu tun, wenn man sie einsperrt in irgendwelche Gebiete. Deswegen stemmen wir uns mit aller Kraft gegen die Ausweisung dieser Rotwildgebiete." Dr. Andreas Kinser, Deutsche Wildtierstiftung

Rotwild wandert aus den Bergen in die Wintergatter

In Bayern lebt Rotwild zurückgedrängt in Bergregionen. Im Winter findet es dort nichts mehr zu fressen. Normalerweise würde es dann in die tieferen Lagen wandern. Weil es dort keinen Platz mehr hat, wird es im Winter eingesperrt. Wie im Nationalpark Bayerischer Wald. Mit dem ersten Schnee wandert das Rotwild aus den Bergen in die Wintergatter, da es gelernt hat, dass es dort gefüttert wird. Die Gatter werden dann geschlossen und das Rotwild ist in einem weitläufigen Gebiet von etwa 40 Hektar eingesperrt.

Waldbesitzer und Jäger gegen Wild

Eigentlich widerspricht diese Haltung den Grundprinzipien eines Nationalparks: Natur Natur sein zu lassen. Deswegen versuchte der ehemalige Leiter des Nationalparks, Karl-Friedrich Sinner, die Wintergatter wieder aufzulösen. Diese wurden kurz nach der Gründung des Nationalparks eingerichtet. Sinner scheiterte mit seinem Vorhaben und auch mit einem Kompromissvorschlag.

"Es wurde diskutiert diese Wintergatter aufzulassen, allerdings war die Akzeptanz in großen Teilen der Jägerschaft und auch bei den Waldbesitzern sehr gering, im Vorfeld des Nationalparks, sodass man gesagt hat, man belässt die Situation wie es ist." Franz Leibl, aktueller Leiter Nationalpark Bayerischer Wald