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Andrang auf dem Oktoberfest in München

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Die Wiesn hat ein Mikroklima

Auf der Wiesn geht's heiß her. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die vielen Besucher sorgen für ein lokales Mikroklima: tropisch-schwül und zehn Grad wärmer als die Umgebung.

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Von
  • Tanja Fieber

An guten Tagen flanieren bis zu einer halben Million Menschen über das rund 34 Hektar große Gelände des Oktoberfestes. Jeder Einzelne erzeugt 80 Watt und damit die Leistung einer großen alten Glühbirne. Das hat der Bonner Meteorologe Karsten Brandt festgestellt. Auf dem Volksfest ist es zehn Grad wärmer als in der Umgebung. Die Feierfreudigen machen sich ihr Klima selbst.

Wie die "Wiesn-Grippe" entsteht

Das hitzige Klima freut auch Viren. Sie schunkeln in den gesteckt vollen Bierzelten durch die Luft einfach von einem Menschen zum anderen und haben insgesamt leichtes Spiel: Sie treffen auf schwitzende, nasse Körper, die nicht selten randvoll mit Alkohol gefüllt sind. Purer Stress für den Körper, aber gut für die Stimmung. Und, wo es so heiß hergeht, legt man natürlich gerne eine Lage Kleidung ab - "und gibt plötzlich in der kalten Umgebung viel zu viel Wärme ab", sagt Brandt. Eine echte Grippe fängt man sich dabei aber meist nicht ein, nur einen grippalen Infekt. Statistische Daten des Robert Koch-Instituts zeigen, dass im Raum München immer Anfang Oktober die Erkältungszeit beginnt - da ist der Rest von Deutschland noch gesund.

Eine Ansteckung über den Maßkrug ist eher unwahrscheinlich. Das Spülwasser enthält Desinfektionsmittel. Viren machen zudem keinen Umweg über den Bierkrug. Sie verbreiten sich über die Luft.

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Video: Gibt es die Wiesn-Grippe? Haben die unterschiedlich gebundenen Schleifen am Dirndl eine Bedeutung? Hat der junge Albert Einstein wirklich Glühbirnen in einem Bierzelt montiert? Gut zu wissen prüft Wiesn-Mythen.

Energieverbrauch wie eine Kleinstadt

Zum Tropen-Urlaub auf der Wiesn verhelfen auch die Festtagsbeleuchtung, Fahrgeschäfte, Hendl-Bratereien und Großküchen. So lag der Erdgasverbrauch auf dem Oktoberfest 2017 bei 224.000 Kubikmetern und der Stromverbrauch bei 3,25 Millionen Kilowattstunden. Bei größtem Andrang verbraucht das Oktoberfest in München vergleichsweise so viel Energie wie eine Kleinstadt mit etwa 20.000 Einwohnern.

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Kettenkarussell auf der Wiesn

Spielverderber Kälte

Wird's nasskalt, ist der Spaß allerdings vorbei. Dann kommen nicht nur deutlich weniger Wiesn-Besucher, sondern auch das tropische Mikroklima verliert an Stärke. Das liegt daran, dass Wind die Wärme des Volksfestes wegbläst und Regen die Luft abkühlt. Nach Messungen des Meteorologen Brandt ist es auf dem Oktoberfest dann nur noch zwei bis vier Grad wärmer als in der Umgebung. Zeit, die Wärmestrahler auszupacken und Glühwein heiß zu machen. Der sorgt auch wieder für Stimmung.