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Wieder Bär im Alpenvorland: Kommt jetzt ein neuer "Bruno"? | BR24

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Aufregung macht sich breit: Wieder ist ein Bär in Bayern unterwegs. Symbolbild

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Wieder Bär im Alpenvorland: Kommt jetzt ein neuer "Bruno"?

Aufregung macht sich breit: Wieder ist ein Bär in Bayern unterwegs. Seine Spuren wurden in der Nähe von Schloss Linderhof gesichtet. Kommt jetzt ein neuer "Problembär", wie damals Bruno, der 32 Schafe gerissen hatte?

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Unterwegs in der Region Garmisch – auf der Suche nach dem Braunbären, der seit gut einem halben Jahr dort unterwegs ist. Am 23. Oktober 2019 tappte er erstmals in eine bayerische Fotofalle. Der Braunbär ist ein Männchen, vermutlich aus dem italienischen Trentino, das hier wahrscheinlich ein Weibchen sucht. Ab und an hinterlässt er seine Spuren. Wo genau, will das Landesamt für Umwelt nicht verraten, um den Bären zu schützen und um Aufregung zu vermeiden.

© Bayerischer Rundfunk 2020

Bär in der Fotofalle

Geht von dem Bären eine Gefahr aus?

Auch wenn ein solches Wildtier sich derzeit in Bayern aufhält, stellt der Bär keine Gefahr für die Menschen dar. Spaziergänger müssen sich in der Gegend in keinster Weise anders verhalten als zuvor. Allenfalls Hundebesitzer sollten ihre Hunde erst einmal an der Leine führen, empfiehlt Anna Rodekirchen, Expertin für Wildtiermanagement am Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Bären bekommt man schwer zu Gesicht

Um die Bewegungen und Populationen der "Großen Beutegreifer" wie Bären, Wölfe und Luchse genau zu kennen, ist Monitoring nötig. Ein Mittel dabei sind Wildkameras. Die Chance, den Bären damit zu sichten, ist allerdings gering. In den Nachbarländern sieht das anders aus: Rund 60 Bären leben derzeit im italienischen Trentino. In Slowenien sollen es sogar 450 sein. Auch in Schweden leben Bären.

"Schweden hat uns gegenüber den großen Vorteil, dass sie schon sehr lange wieder mit Bären und auch Wölfen leben. Das heißt, es herrscht dort eine ganz große Gelassenheit. Wir hier haben jetzt einen Bären und sind es gar nicht mehr gewohnt, mit diesem Tier zusammenzuleben. Das ist die Herausforderung zu lernen, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander leben können und jedem sein Recht zugestehen." Anna Rodekirchen, Expertin für Wildtiermanagement am Bayerischen Landesamt für Umwelt

Bruno der "Problembär"

Mit diesem "Recht" sah es vor 14 Jahren düster aus, als "Bruno" nach Bayern kam. 32 gerissene Schafe und Ziegen, etliche geplünderte Bienenstöcke und Hühnerställe: Der sogenannte "Problembär" Bruno – ebenfalls ein Männchen aus dem Trentino – hinterließ 2006 eine Spur der Verwüstung. Vergebliche Fangversuche, sensationsgierige Medien und Kosten weit über 100.000 Euro - das war die Bilanz. Am 26. Juni 2006 wurde Bruno an der Rotwand nahe des Spitzingsees erschossen. Heute steht er ausgestopft im Münchner "Museum Mensch und Natur".

© BR/Bogdan Kramliczek

Bär Bruno ausgestopft im Museum Mensch und Natur

Ist die Angst vor einem Bären immer noch da?

Der Biolandwirt im Nebenerwerb Joseph Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen züchtet das seltene Murnau-Werdenfelser Rind und die vom Aussterben bedrohten "Bergschafe". 100 Tiere leben insgesamt im Sommer auf der Alm. Grasegger geht davon aus, dass sich der "Fall Bruno" wiederholen wird. Vor dem Bären selbst hat der Landwirt keine Angst, er fürchtet aber die Folgen:

"Durch den Bären entstehen keine Risse, und wo keine Risse sind, sind auch keine Schäden. Und wenn er keine Schäden verursacht, akzeptiert man ihn auch. Wir haben nur Angst vor den Folgen. Der Bär wird irgendwann Junge kriegen und sich vermehren. Und das Schlimme an unserer Gesellschaft ist ja: Die Wildtiere werden angefüttert und dem Menschen dann näher gebracht. Und das ist dann die Gefahr, die auf uns zukommt." Josef Grasegger, Landwirt aus Garmisch-Partenkirchen

Die Wildtiere kommen zurück

Der Braunbär ist bislang ein Einzelfall – anders als die Wölfe, von denen es in Bayern wieder zwei Rudel, ein Paar und ein standorttreues Einzeltier gibt. Oder die Luchse: 49 Tiere leben derzeit bei uns – mit leicht steigender Tendenz, wie das Landesamt für Umwelt aktuell herausgefunden hat.

Ist ein Zusammenleben möglich?

Wenn der richtige Umgang mit diesen Tieren gelingt, dann sind seien sie eine Bereicherung für unser Ökosystem, sagt Anna Rodekirchen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. "Die Bejagung und das Ökosystem gesund zu halten ist eine Aufgabe, die normalerweise großen Beutegreifern zukommt. Diese werden sie, wenn sie wieder hier sind, auch übernehmen", sagt Anna Rodekirchen. Der Mensch müsse dann unter Umständen ein Stück zur Seite rücken und wieder ein bisschen Platz machen.

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