BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Wie steht es um die Gesundheit unserer Kinder? | BR24

© picture alliance

Fast jedes sechste Kind in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren leidet an Übergewicht.

Per Mail sharen
Teilen

    Wie steht es um die Gesundheit unserer Kinder?

    Nichts ist wichtiger als die Gesundheit unserer Kinder. In Kindheit und Jugend wird der Grundstein für ein gesundes Erwachsenenalter gelegt. Kindergesundheit ist deshalb auch ein wichtiges Präventionsthema.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Es hängt von vielen Faktoren ab, ob ein Kind gesund aufwachsen und sich gut entwickeln kann. Neben Zuwendung und Geborgenheit gehören gesunde Ernährung, Bewegung und eine medizinische Versorgung dazu. Kinder groß zu ziehen, ist eine große Aufgabe. Eltern stehen vor den unterschiedlichsten Herausforderungen: Vom Säugling, Baby, Kleinkind, Schulkind bis zum Jugendlichen - es warten immer neue Entwicklungsphasen auf die Eltern.

    Säuglingssterblichkeit gering wie nie

    In Sachen Kindergesundheit steht Deutschland sehr gut da. Experten sagen, die Kinder sind gesünder, als sie jemals waren. Die Säuglingssterblichkeit ist so gering wie nie: In den vergangenen 100 Jahren ist sie um das 100-fache gesunken.

    Dennoch gibt es natürlich auch neue Herausforderungen:

    • mehr Allergien
    • psychosoziale Belastungen
    • chronische Erkrankungen
    • das Problem mit dem Übergewicht.

    Zu viele Kinder mit Übergewicht

    Fast jedes sechste Kind in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren leidet an Übergewicht, knapp sechs Prozent sind bereits fettleibig. Besonders der Konsum zuckerhaltiger Getränke trägt dazu bei. Kinder trinken im Durchschnitt 0,5 Liter davon am Tag.

    Auf der anderen Seite essen in Deutschland nur 14 Prozent der Drei- bis Zehnjährigen die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Dazu kommt: Viele Kinder bewegen sich zu wenig. Die WHO empfiehlt 60 Minuten pro Tag, davon 30 Minuten mit kräftiger Anstrengung. Das schafft aber nur ein Viertel aller Kinder. Auch die ansteigende Handynutzung heutzutage ist dabei nicht förderlich. Rund 75 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen besitzen ein eigenes Smartphone. Bei den Acht- bis Neunjährigen sind es immerhin schon 33 Prozent.

    Die Folgen sind ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen oder etwa psychische Probleme.

    Wie gewöhnt man Kinder an gesundes Essen?

    Studien zeigen, dass gesunde Ernährung bereits im Kleinkindalter anfängt. Hier entwickeln Kinder ihren Geschmack, auch für Gesundes. Das Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" trifft in diesem Fall voll zu. Auch zeigen Studien, dass ein Kleinkind bis zu acht Mal eine Obst- oder eine Gemüsesorte probieren muss, bis es entscheiden kann, ob es die Sorte mag. Wenn den Eltern also der Brei um die Ohren fliegt: nicht aufgeben, lieber noch mal versuchen.

    Wichtig ist es auch, dass Eltern ein gutes Vorbild sind. Es nützt nichts, zum Kind zu sagen "leg das Handy weg und geh raus zum Toben", wenn die Erwachsenen selbst auf der Couch liegen bleiben.

    Die Erfolgsgeschichte des Impfens

    Dass man heute gegen viele tödliche Krankheiten impfen kann, ist eine große Errungenschaft und ein Grund für die geringe Kindersterblichkeit.

    Früher starben viele Kinder an Pocken, Masern, Scharlach, Diphterie und Tuberkulose. Die Kinderlähmung hinterließ bleibende Schäden oder Lähmungen. Bayern führte 1808 die weltweit erste Impfpflicht gegen Pocken mit den typischen Einritzungen am Oberarm ein. Mit Erfolg: Die Krankheit ist seit 40 Jahren ausgerottet.

    Auch Polio tritt inzwischen nicht mehr auf. Noch in den Sechzigerjahren verbreitete die Krankheit Angst und Schrecken. Wer infiziert war, konnte Lähmungen am ganzen Körper davontragen. Wenn die Atmung betroffen war, mussten die Patienten in die "eiserne Lunge": ein Sarkophag mit Blasebalg.

    Erst mit dem Start der Impfkampagne nahmen die Infektionen ab. An den Slogan "Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist bitter" erinnern sich viele Menschen. Noch bis 1961 kam es immer wieder zu Ausbrüchen mit Tausenden kranken Kindern, heute gibt es keinen einzigen Fall mehr.

    Ebenso Diphtherie, eine Krankheit, bei der der Kehlkopf schwillt, so dass die Kinder ersticken können. Noch in den 1940er Jahren gab es in Deutschland 245.000 Fälle, 2018 waren es 27.

    Masern könnten ausgerottet sein

    Auch die Masern könnten längst ausgerottet sein. Doch die Impfquote hier ist nicht hoch genug. Es gibt zu viele Vorurteile. Kritiker sagen, die Nebenwirkung der Impfung würde häufig schlimme Krankheiten auslösen, zum Beispiel Allergien oder Autoimmunerkrankungen. Dies ist wissenschaftlich aber widerlegt. 2018 gab es in Deutschland 543 Fälle von Masernerkrankungen.

    Der BR Gesundheitstag am 22. Oktober 2019 steht unter dem Motto "Kinder, Kinder!". Einen Überblick über das Programm im Radio, Fernsehen und online gibt es hier.