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Wie sicher und effektiv ist das Augenlasern? | BR24

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Wie sicher und effektiv ist das Augenlasern?

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    Wie sicher und effektiv ist das Augenlasern?

    In Deutschland lassen jährlich etwa bis zu 150.000 Menschen ihre Fehlsichtigkeit mit einer Laserung korrigieren. Viele Anbieter buhlen um die Kunden, auch im Ausland locken Kliniken mit günstigen Preisen. Wie sicher und effektiv ist das Lasern?

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    Von
    • Veronika Scheidl

    Die Korrektur der Fehlsichtigkeit ist in der Regel ein Eingriff am gesunden Auge – und medizinisch unnötig. Trotzdem: In Deutschland werden jährlich schätzungsweise zwischen 100.000 und 150.000 Laseroperationen gemacht. Auch Anna Steindl hat sich für eine Laserung entschieden: Die 26-jährige Studentin ist kurzsichtig und immer auf ihre Brille angewiesen. Da sie keine Kontaktlinsen mehr verträgt, muss sie auch beim Tennisspielen die Brille tragen: "Die Brille nervt mich dabei, weil sie ständig beim Laufen verrutscht oder wieder dreckig wird. Und dann ist natürlich auch die Angst da, dass man den Ball ins Gesicht bekommt", sagt Anna Steindl. Nun soll also eine Laserung der Augen für ein besseres Lebensgefühl sorgen.

    Gründliche Voruntersuchung des Auges

    Doch wie jede Operation kann auch der Laser-Eingriff am Auge Risiken und Nebenwirkungen haben. Deswegen gilt für jeden Menschen, der eine Laserung in Betracht zieht, sich in der Praxis oder Klinik vollumfänglich zu informieren, beraten und untersuchen zu lassen. Denn nicht jedes Auge ist geeignet, um gelasert zu werden. Wichtige Voraussetzung sind stets stabile Refraktionswerte, also dass sich die Werte der Sehstärke in der vergangenen Zeit nicht stark geändert haben.

    Anna Steindls Kurzsichtigkeit ist stabil. Sie möchte in einer privaten Klinik in München ihre Augen lasern lassen. Dort wird sie gründlich untersucht, auch um eventuelle Vorerkrankungen zu entdecken: So werden unter anderem Netzhaut, Augeninnendruck und die Pupillengröße gemessen.

    Laser arbeitet an der Hornhaut

    Wichtig sind auch Form und Dicke der Hornhaut – denn der Laser arbeitet direkt an ihr, erklärt der Augenchirurg Rainer Wiltfang. "Der Laser trägt Hornhautgewebe ab. Wir wollen auf keinen Fall diese Hornhaut zu dünn machen, das könnte eine Hornhautinstabilität nach sich ziehen." Das zweite Risiko sei eine Infektion, und das dritte Risiko, dass man eventuell nochmal nachkorrigieren muss.

    Verschiedene Laser-Methoden

    Ist das Auge geeignet für eine Laserung, entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, welche Laser-Methode in Frage kommt. Zu den gängigsten zählen hier die SMILE-Methode und die Femto-LASIK. Beide Methoden gelten als sehr sicher, die gute Ergebnisse erzielen. „Letztlich führen alle Methoden zum gleichen optischen Ergebnis“, erklärt Prof. Wolfgang J. Mayer vom Augenlaserzentrum der Universität München. Und bei allen Methoden kann es direkt nach einer Laserung zu Nebenwirkungen wie Blendeempfindlichkeit und trockenen Augen kommen.

    Heute lasert der Augenchirurg die Augen von Sarah Fleer. Sie ist 18 Jahre alt und möchte Polizistin werden, dafür braucht sie aber eine gute Sehstärke. Trotz ihres jungen Alters ist einer Laserung laut Prof. Mayer möglich: "Es hat etwas Tücken, weil in so einer jungen Phase kann es sein, dass sich das Auge verändert im Laufe des Lebens. Das Auge wächst relativ lange, damit kann die Kurzsichtigkeit zunehmen", sagt Prof. Mayer. Dies könne aber nachbehandelt werden.

    Die SMILE-Methode

    Sarah Fleers kurzsichtige Augen werden betäubt und dann mit der SMILE-Methode gelasert. Dabei schneidet der vorprogrammierte Laser im Inneren der Hornhaut eine dünne Schicht zu. Über einen kleinen Zugang in der Hornhaut entfernt Prof. Mayer dieses Scheibchen: Damit ist die Kurzsichtigkeit behoben. Schon nach wenigen Minuten ist der Eingriff geschafft. "Es ist ein komisches Gefühl auf dem Auge. Aber es ist nicht schlimm, auf jeden Fall besser als ein Zahnarztbesuch", beschreibt Sarah Fleer den Eingriff.

    Auch Anna Steindls Augen werden mit der SMILE-Methode gelasert, und auch bei ihr klappt alles problemlos. "Jetzt ist der kleine Schnitt noch offen. Anna kann jetzt noch nicht Autofahren. Sie lässt sich nach Hause fahren, dann am besten ein paar Stunden die Augen noch zu und sie merkt dann auch, es wird von Stunde zu Stunde besser", erklärt der behandelnde Augenchirurg Rainer Wiltfang. Anna ist zufrieden: "Ich merke, dass es mich noch etwas blendet. Ansonsten etwas milchig, wie so ein milchiger Schleier. Aber trotzdem viel, viel besser schon als davor ohne Brille, und das jetzt nach 10 Minuten etwa, dass die OP vorbei ist."

    Als Vorteil der SMILE-Methode gelten laut Wiltfang und Prof. Wolfgang Mayer die schnelle Wundheilung, außerdem sei das Risiko eines trockenen Auges nach dem Eingriff geringer. Der Nachteil: Mit SMILE kann keine Weitsichtigkeit korrigiert werden.

    Die Femto-LASIK

    "Die Methode Femto-LASIK galt lange Zeit als Goldstandard und ist es auch jetzt noch", sagt Prof. Mayer vom Augenlaserzentrum der Universität München. "Wir liegen bei über 99 Prozent an Ergebnis-Genauigkeit bei der LASIK", erklärt der Augenchirurg. Bei dieser Laser-Methode schneidet der Laser zunächst in die obere Hornhautschicht. Der Chirurg klappt den entstanden "Flap" wie einen Deckel um. Dann verdampft und modelliert ein zweiter Laser das freigelegte Hornhautgewebe. Zum Schluss wird der "Flap" zurückgeklappt, er saugt sich fest und muss nicht angenäht werden.

    Bei der 40-jährigen Ellen Trapp kam die Femto-LASIK vor sechs Wochen zum Einsatz, heute ist sie in Gräfelfing zur Nachkontrolle bei Prof. Daniel Kook. Sowohl Augenchirurg als auch Patientin sind zufrieden: "Ich hatte nie das Gefühl, dass mich was stört, oder irgendwas im Auge ist, oder Trockenheit da ist, war von Anfang an das perfekte Ergebnis", sagt Ellen Trapp.

    "Der große Vorteil der Femto-LASIK ist, dass ich das breiteste Behandlungsspektrum habe. Ich kann niedrige Weitsichtigkeit behandeln, Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung", erklärt Prof. Daniel Kook. Das Verfahren sei bereits seit 30 Jahren auf dem Markt und schon sehr ausgereift. Der Nachteil der Methode: Das Risiko eines trockenen Auges sei ausgeprägt, da die Hornhautnerven mit dem Laser durchtrennt werden. „Diese müssten erst wieder nachwachsen. Beim einen dauert es eine Woche oder einen Monat, bei anderen länger", sagt Prof. Daniel Kook.

    Warnung vor Laserung im Ausland

    Das Lasern der Augen ist in Deutschland sehr teuer und wird normalerweise nicht von der Krankenkasse übernommen: Mehrere tausend Euro kosten Voruntersuchungen, der eigentliche Eingriff und die Nachbehandlungen. Der hohen Kosten wegen reisen einige Deutsche ins Ausland, da dort mit günstigen Preisen geworben wird.

    Augenchirurg prof. Daniel Kook ist Teil der Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) (http://www.aad.to/krc/). Diese gibt Behandlungsempfehlungen und Richtlinien für die Laserungen am Auge vor. Experten wie Kook raten davon ab, sich im Ausland lasern zu lassen. Zwar gebe es im Ausland ebenfalls gute Zentren und Chirurgen. Aber besonders die wichtige Nachsorge der Augen könne sich schwierig gestalten. Wenn ein Problem da ist, dann ist es doppelt schlimm. Sie können nicht ständig hin und herfahren." Zurück in Deutschland seien dann oft Befunde und wichtige Unterlagen nicht da, die es für den behandelnden Arzt schwierig machen, aus einer wässrigen Diagnostik die richtigen Empfehlungen und Schlüsse zu ziehen. "Das ist für den für Patienten sehr undankbar", sagt Prof. Kook. Er empfiehlt, mit einer Behandlung in Deutschland von Anfang an den sicheren Weg gehen. Denn: "Augen hat man nur zwei."

    Keine Garantie auf lebenslanges gutes Sehen

    Seit über 30 Jahren werden Augen gelasert, die Techniken sind immer besser geworden. Für die LASIK-Laserung gibt es weltweite Langzeitstudien: Die zeigen: Mehr als 95 Prozent der Patienten sind zufrieden. Aber: Eine Garantie für lebenslanges gutes Sehen gibt es nicht. "Jeder Mensch bekommt irgendwann zwischen 40 und 50 seine Alterssichtigkeit, das heißt in der Nähe funktioniert die Fokussierung immer weniger", sagt Prof. Kook. Also kann es durchaus sein, dass man im Alter eine Lesebrille braucht.

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