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Sehr viele Menschen leben dauerhaft mit chronischen Schmerzen.

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    Wie man Dauerschmerz am besten los wird

    Bundesweit leiden laut Deutscher Schmerzgesellschaft mehr als 12 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Hilfe zu bekommen ist oft schwer. Die Betroffenen leiden unter körperlichen und psychischen Einschränkungen im Alltag.

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    Von
    • Katrin Bohlmann

    Ein Leben ohne Schmerz kennt Manuele Bleier aus München schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Sie hat überall Schmerzen: Angefangen hat es mit dem Lendenwirbel, dann die gesamte Wirbelsäule, die Schultern, zuletzt kam auch noch Weichteilrheuma, eine sogenannte Fibromyalgie, dazu. Muskeln, Sehnen, Bänder und das gesamte Bindegewebe schmerzen. "Man gewöhnt sich irgendwie an den Schmerz, aber es geht trotzdem sehr an die Psyche. Mein Leben ist seit Jahren privat und beruflich eingeschränkt und meine Familie leidet mit", erzählt die 57-Jährige. Die Verwaltungsfachangestellte ist arbeitsunfähig.

    Lange Suche nach der richtigen Therapie

    Die Münchnerin ist von Arzt zu Arzt gegangen. Es folgte eine Therapie nach der anderen - keine half. Schmerztabletten waren für Manuela Bleier keine Dauerlösung. Schließlich wandte sie sich an die Schmerzklinik der München Klinik Harlaching. Trotz Corona laufen hier die Therapien weitgehend. Der Ansatz: eine sogenannte multimodale Schmerztherapie, um den Fokus vom Schmerz wegzulenken. Dazu gehören Physiotherapie, Bewegungstherapie, Entspannungstechniken und psychologische Betreuung. Kinga Petery, Leiterin der Klinik für Physikalische Medizin und Schmerztherapie sieht viele Schmerzgeplagte, bei denen chronische Schmerzerkrankungen oft von Ärzten gar nicht als solche erkannt wurden: "Natürlich sind Hausärzte die ersten Anlaufstellen und auch die Orthopäden. Aber es sollte viel öfter und schneller an eine Schmerzklinik gedacht werden. Viele Schmerzpatienten wanderten jahrelang durch das ganze Gesundheitssystem, ohne ernst genommen zu werden."

    Wann ein Schmerz chronisch wird

    In der Schmerztherapie spricht man von circa drei Monaten, dann finden die ersten Chro-nifizierungsvorgänge in den Nerven statt. Spätestens dann sollte man eine spezielle Schmerztherapie aufsuchen. Die ambulante multimodale Therapie dauert drei bis vier Monate und wird in den Alltag des Patienten integriert.

    Mit dem Schmerz leben

    Ein wichtiges Ziel: lernen mit den Schmerzen umzugehen und sie anzunehmen. Daneben lernen die Patienten und Patientinnen wie Manuela Bleier unter anderem Übungen, die sie zuhause machen können. Aber es dauert, bis die Therapie anschlägt. "Oft spielt die Psyche eine große Rolle," erklärt Susanne Gesell, Psychologin in der Münchner Schmerzklinik.

    Auch die Psyche kann Schmerzen auslösen

    Laut Gesell könnten Leistungsdruck, Perfektionsanspruch oder Burnout Gründe für die Schmerzen sein. Oder die Schmerzen gehen auf schwere Unfälle mit Nervenschädigungen oder auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit wie Gewalt und Missbrauch zurück. Der Körper gerate dann in einen Schockzustand. Die Folge: Spannungen und eben Schmerzen. Die Psychologin betont, das Problem an chronischen Schmerzen sei, dass diese sich verselbständigen. "Wenn man zehn Jahre Schmerzen hat, dann wird man depressiv und traut sich immer weniger, sich zu bewegen. Oder man sagt, ich muss durchhalten. Dadurch wird der Schmerz immer weiter chronifiziert." Manuela Bleiber weiß, dass die Therapie dauert und ihre Schmerzen nicht ganz verschwinden, trotzdem sagt sie: "Endlich fühle ich mich ernst genommen und gut versorgt."

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