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Wie klimaschädlich ist Bayern? Die CO2-Bilanz im Vergleich | BR24

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Wie gut schneiden wir in Bayern in Sachen Klimaschutz eigentlich ab?

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Wie klimaschädlich ist Bayern? Die CO2-Bilanz im Vergleich

Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen senken, um den Klimawandel zu begrenzen - das hören wir seit Jahren. Und über Klimaschutzziele - in Bayern, Deutschland, der EU - wird auch schon lange geredet. Aber wieviel CO2 produziert Bayern eigentlich?

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6,1 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) stoßen wir in Bayern aus - pro Kopf und Jahr. Das ist die Zahl von 2016 - die neueste, die derzeit von offiziellen Stellen zu bekommen ist. Im deutschlandweiten Vergleich steht Bayern damit gar nicht so schlecht da, denn für ganz Deutschland liegen die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen von CO2 um die Hälfte höher, bei etwa neun Tonnen.

CO2-Ausstoß in anderen Bundesländern

Im Vergleich mit einzelnen anderen Bundesländern wirken Bayerns Werte noch niedriger: Brandenburg, Bremen und das Saarland schlagen mit jeweils mehr als zwanzig Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr zu Buche.

Nur Berlin und Thüringen stoßen pro Einwohner weniger Kohlenstoffdioxid aus als Bayern - je etwa ein Viertel weniger.

Einfluss der Art der Energiegewinnung auf das Ausmaß der CO2-Emissionen

Woran liegt's? Plakativ gesagt: am Mangel an Rohstoffen. Hätte Bayern Braunkohle, sähe die Bilanz ganz anders aus. Gerechnet wird, wo die CO2-Emissionen entstehen, nicht, wo sie "verbraucht" werden.

Das meiste CO2 entsteht dort, wo Energie aus fossilen Stoffen erzeugt wird: Ein Drittel der deutschlandweiten Emissionen an Treibhausgasen - nicht nur Kohlendioxid, sondern auch Methan und weitere Gase - entstehen in der Energiewirtschaft. Und da vor allem dort, wo Braun- oder Steinkohle verarbeitet wird: in Brandenburg, Bremen und im Saarland. Dort entsteht Strom, der auch anderswo verbraucht wird.

Wohl dem Bundesland, in dem die Flüsse bergab fließen: Bei Wasserkraftwerken werden weitaus weniger Kohlendioxide freigesetzt als bei der Stromerzeugung mit Braunkohle. In Bayern trägt die Energieerzeugung daher gerade mal ein Achtel zu den gesamten CO2-Emissionen bei. Im Freistaat gibt es auch keine Schwerindustrie wie im Ruhrgebiet, was dort auf die CO2-Bilanz schlägt. Aber der Stahl von dort wird auch hierzulande genutzt. Der schlichte Vergleich der CO2-Emissionszahlen der Bundesländer ist also wenig aussagekräftig.

Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Vergleich zur EU

Zählt man noch andere Treibhausgase wie Methan dazu, liegt die Emission in Deutschland bei 11 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Kopf und Jahr - und damit im europäischen Vergleich niedriger als in den Niederlanden, der Tschechischen Republik oder Irland. Oder gar in Luxemburg, wo pro Kopf und Jahr 17,2 Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt werden (Stand 2016).

Am anderen Ende der Skala liegen beispielsweise Malta (4,7 Tonnen) und Schweden (5,3 Tonnen), wo nicht mal halb soviel Treibhausgase pro Kopf freigesetzt werden.

Hoher Anteil Deutschlands am Ausstoß von Treibhausgasen in Europa

Deutschland ist zudem ein Land mit einer hohen Bevölkerungszahl. Der Pro-Kopf-Ausstoß summiert sich daher: Rund 900 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pusten wir pro Jahr in die Luft über Europa - ein Fünftel der gesamten in der EU freigesetzten Treibhausgase.

Kein anderes europäisches Land kommt auf solch hohe Werte. Und davon wiederum kommt fast ein Zehntel aus Bayern, denn das ist wiederum ein großes Bundesland. Auch wenn der Pro-Kopf-Wert im Freistaat schlank ist - in absoluten Zahlen produziert Bayern einen größeren Anteil am deutschen CO2.

Treibhausgas-Emissionen seit den 1990er-Jahren gesunken

Vor dreißig Jahren waren die CO2-Emissionen allerdings noch deutlich höher: 1,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente wurden 1990 in Deutschland freigesetzt. Seither ist der CO2-Ausstoß also um gut ein Viertel gesunken (27 Prozent).

Grund dafür sind vor allem neue, energieeffiziente Technologien wie kraftstoffsparende Autos, stromsparende Kühlschränke und ähnliches. Und die Nutzung von Energiequellen, die weniger CO2-intensiv sind, wie etwa Solarparks oder Wasser- und Windkraft.

Schon bis 1995 gingen die Emissionen so um zehn Prozent zurück. Weitere zehn Prozent sparte Deutschland bis 2005 ein (bezogen auf die Zahlen von 1990). Doch vor allem seit 2010 ändert sich kaum noch etwas an den Werten.

© Bayerischer Rundfunk

Sie sehen wenig? Es gibt auch nicht viel zu sehen: In fast allen Bundesländern stagniert die CO2-Bilanz seit 2005 mehr oder weniger.

Auch Bayerns CO2-Bilanz stagniert seit 2005

Auch in Bayern sind die Zahlen heute deutlich niedriger als 1990: Damals lag der CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr bei 7,5 Tonnen. 2016 waren es mit nur noch 6,1 Tonnen fast zwanzig Prozent weniger. Doch seit 2005 verbessert sich kaum noch etwas am bayerischen Pro-Kopf-CO2-Ausstoß. Im Gegenteil: 2014 rutschten wir knapp unter die 6-Tonnen-Marke, seither steigt der Wert wieder leicht an.

Denn vor allem im Straßenverkehr, der in der CO2-Bilanz stets den größten Posten ausmacht, steigen die Emissionen wieder. Zum einen sind immer mehr private Fahrzeuge unterwegs, zum anderen bringt die gute Wirtschaftslage deutlich mehr Güterverkehr auf die Straße. Und auch der zunehmende Flugverkehr hat immer größere Auswirkungen:

"Anders sieht es bei den CO2-Emissionen des Verkehrs aus: Sie lagen 2014 höher als 1990. Grund dafür ist vor allem der wachsende Güter- und Flugverkehr. Die Emissionen aus dem Flugverkehr stiegen von 1990 bis 2014 auf rund das Dreifache, nämlich auf etwa 4,0 Millionen Tonnen. Mit rund 27 Millionen Tonnen verursacht der Straßenverkehr aber weiterhin den größten Anteil im Verkehrssektor." Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), Webseite

Wo kommen die Treibhausgase her?

Die Schlüsselrolle bei den Treibhausgasen kommt dem Kohlenstoffdioxid zu - und da vor allem den sogenannten energiebedingten Emissionen: CO2-Ausstoß, der dadurch entsteht, dass Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Gas in Strom oder Wärme umgewandelt werden. Oder - wie beim Straßenverkehr - in Bewegung.

© Umweltbundesamt

Wo entstehen CO2 und seine Äquivalente? Entwicklung seit 1990, differenziert nach Bereichen

Die beiden größten Posten in der CO2-Bilanz sind dementsprechend die Energiewirtschaft und der Verkehr: In der Energiewirtschaft entstehen ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen, etwa bei der Stromerzeugung. Im Verkehr werden etwa 18 Prozent der Treibhausgase frei, vor allem im Straßenverkehr. Tendenz steigend.

Private Haushalte - deren Stromverbrauch schon der Energiewirtschaft zugerechnet wurde - tragen noch mit Heizung und Warmwasser zu den Emissionen bei. Industrie und verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen und Ähnliches spielen eine geringere Rolle.

Wieviel CO2 soll in Bayern eingespart werden?

Bis 2025 sollen die Pro-Kopf-CO2-Emissionen in Bayern auf 5,5 Tonnen im Jahr sinken, fünf Jahre später sollen es nur noch fünf Tonnen sein. 2050 sollen laut Bayerischer Nachhaltigkeitsstrategie von 2017 nur noch zwei Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr freigesetzt werden.

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Dreckige Luft, verseuchte Gewässer, tonnenweise Müll: Hinter Deutschlands Selbstbild vom grünen Engel Europas verbirgt sich eine katastrophale Öko-Bilanz. Das ARD radioFeature fragt, wer dafür verantwortlich ist.

Wieviel CO2 müssten wir eigentlich einsparen?

Um die globale Klimaerwärmung auf zwei Grad zu beschränken, müsste der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen laut Weltklimarat (IPCC) auf 1,5 Tonnen pro Kopf und Jahr beschränkt sein. So gering sind die Emissionen derzeit nur in Ländern der Dritten Welt.

Aber mit dem Klimaziel von nur noch zwei Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr nähert sich die bayerische Regierung der Forderung des IPCC - scheinbar. Denn was in den Zahlen des Landesamts für Umwelt oder auch des Umweltbundesamtes gar nicht auftaucht, ist das Kohlenstoffdioxid, das anderswo durch unseren Verbrauch entsteht: etwa in Waren, die wir importieren und deren Herstellung in den Produktionsländern CO2 freisetzt. Diese CO2-Bilanz ließe sich beispielsweise über den ökologischen Fußabdruck besser darstellen.

Wie schaffen wir das?

In der Bayerischen Nachhaltigkeitsstrategie finden sich natürlich nicht nur Klimaziele, sondern auch Strategien, mit denen diese große CO2-Einsparung erreicht werden soll - beispielsweise der Ausbau Erneuerbarer Energien oder schlicht Energieeinsparung. Aber ob es damit tatsächlich gelingen wird, den CO2-Ausstoß in Bayern auf ein Drittel des heutigen Wertes zu reduzieren, steht da nicht. Vom "importierten" CO2 ganz zu schweigen.

Und weil ich bei meiner Recherche dazu auch keine Auskunft von offiziellen Stellen erhalten habe, kann ich nur meine eigene Einschätzung anbieten:

Effizientere Technik allein löst das Problem nicht, das zeigt sich beim Verkehr: Die Zunahme des Straßenverkehrs hat längst aufgefressen, was sparsamere Fahrzeugtechnik an CO2-Ersparnis gebracht hat. Und Elektroautos stoßen selbst zwar kein CO2 mehr aus, dafür muss aber der Energiesektor dann mehr Strom produzieren. Selbst wenn wir dazu nur Windkraft oder Solarenergie nutzen, entsteht auch da CO2 - beim Bau jedes Windrades beispielsweise.

Ich persönlich glaube nicht, dass die Politik diese Aufgabe lösen kann, indem sie nur auf Freiwilligkeit in den beteiligten Branchen setzt. Genauso wenig, wie wir alle freiwillig in ökologisch kostengünstige Tiny Houses umziehen, unser Auto aufgeben und von alleine unseren Stromverbrauch oder Warenkonsum auf einen Bruchteil reduzieren.

Denn während wir darauf warten, dass die Politik das CO2-Problem löst, hat jeder einzelne von uns Einfluss auf die Bilanz. Und dieser Einfluss ist gar nicht mal so klein: Wenn Sie Ihr eigenes Konsumverhalten kritisch im Auge behalten - weniger Fleisch, mehr regionale Produkte, keine Standby-Geräte, das Rad und öffentlichen Nahverkehr nutzen und weniger Flugreisen - drehen Sie ein ganzes Stück an der CO2-Sparschraube. Rechnen Sie ruhig mal nach: