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Wie ernähre ich mich am besten in Zeiten der Corona-Pandemie? | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Corona: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das Immunsystem?

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    Wie ernähre ich mich am besten in Zeiten der Corona-Pandemie?

    Das Immunsystem spielt eine wichtige Rolle, um Krankheiten abzuwehren. Kann es durch eine gesunde Ernährung gestärkt werden, sodass es vor oder während einer Corona-Infektion schützen kann? Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner gibt Antworten.

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    Die Coronakrise schürt Ängste, die sich auch Geschäftemacher zunutze machen können. Sie werben mit speziellen Nahrungsmitteln, Vitaminpräparaten oder bestimmten Behandlungsformen, die das Immunsystem stärken sollen, um so besser gegen das Coronavirus gewappnet zu sein. So locken mehr oder weniger dubiose Versprechen besorgten Menschen das Geld aus der Börse.

    Welche Rolle aber spielt die Ernährung wirklich? Kann sie das Immunsystem stärken und so einen gewissen Schutz vor einer Coronavirus-Infektion bieten? Und welche Bedeutung hat die Ernährung im Krankheitsverlauf? Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin am Else Kröner-Fresenius-Zentrum (EKFZ) für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München (TUM), beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

    © Juli Eberle / TUM

    Prof. Hans Hauner

    Welchen Einfluss hat die Ernährung auf das Immunsystem?

    Stark vereinfacht lässt sich sagen, dass eine Mangelernährung, die durch niedrigkalorische Kost entsteht, die Aktivität des Immunsystems schwächt. Dabei sinkt auch die Fähigkeit des Körpers, Entzündungen zu bekämpfen.

    Eine kalorienreiche Ernährung mit hohem Anteil tierischer Lebensmittel, wie sie für die deutsche Bevölkerung typisch ist, hat eine leicht entzündungsfördernde Wirkung. Eine pflanzlich betonte Kost wirkt eher entzündungshemmend.

    Welche Ernährungsempfehlungen können Sie zum Schutz vor COVID-19 geben?

    Grundsätzlich empfehle ich eine bedarfsgerechte, ausgewogene Ernährung. Gleichwertige Alternativen sind eine vegetarische Ernährung und die Mittelmeerkost. Diese Ernährungsformen können zwar nicht vor Infektionen schützen, machen aber das Immunsystem fit und bringen den Körper in eine gute Verteidigungsposition.

    Menschen mit Unter- oder Mangelernährung zählen zu den Risikopersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko und schlechterer Prognose. Eine Mangelernährung findet sich häufig bei schweren Erkrankungen, aber auch bei älteren Menschen.

    Was empfehlen Sie Personen mit nachgewiesener Infektion im Hinblick auf Ernährung?

    Der Körper muss weiterhin ausreichend mit Energie und allen wichtigen Nährstoffen, einschließlich der Mikronährstoffe, versorgt werden. Bei Krankheiten mit Fieber steigt der Energiebedarf um rund 13 Prozent pro Grad Temperaturerhöhung.

    Gibt es Studien, die einen Zusammenhang von Ernährung und möglichen Corona-Infektionen zeigen?

    Erste Publikationen legen nahe, dass Adipositas ein bedeutsamer Risikofaktor für schwere Verläufe der COVID-19-Erkrankung ist.

    Eine aktuell publizierte rückblickende Analyse an 3.615 Patienten mit COVID-19 aus New York ergab, dass Adipositas, definiert als BMI ≥ 30 kg/m2, vor allem bei Patienten im Alter unter 60 Jahren ein zweifach erhöhtes Risiko mit sich bringt, in eine Klinik bzw. auf eine Intensivstation aufgenommen zu werden. Bei einem BMI ≥ 35 kg/m2 und Alter unter 60 Jahren war das Risiko 3,6-fach erhöht, auf eine Intensivstation zu kommen.

    Eine Analyse von COVID-19-Patienten der Uniklinik der RWTH Aachen zeigte, dass Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) häufig eine Adipositas aufweisen.

    Derzeit wird jeden Tag eine neue Studie veröffentlicht, die ähnliche Befunde zeigt.

    Ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll?

    Es gibt plausible Argumente für Selen oder Vitamin D, die allerdings überwiegend aus Zellkultur- oder tierexperimentellen Studien stammen. Die Daten für den Menschen sind noch sehr dünn. Es gibt allerdings Hinweise, dass Vitamin D das Risiko für Lungenentzündungen reduzieren könnte. Daneben werden besonders sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole und Karotinoide empfohlen, die die Abwehrkräfte stärken sollen und auf ähnlichen experimentellen Methoden basieren.

    Es fehlen aber gute kontrollierte Interventionsstudien am Menschen, sodass der Nutzen für Menschen mit einer Virusinfektion fraglich ist. Ich würde daher von einer Supplementierung eher abraten, wenn es keinen wirklichen medizinischen Grund gibt.

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