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Ob er die Gesundheitsrisiken im All geahnt hat? Wohl kaum. Astronaut Edward White beim ersten amerikanischen Spaziergang im All am 3. Juni 1965.
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Sylvaine von Liebe
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Ob er die Gesundheitsrisiken im All geahnt hat? Wohl kaum. Astronaut Edward White beim ersten amerikanischen Spaziergang im All am 3. Juni 1965.

Wir träumen von Expeditionen zum Mond oder zum Mars. Doch selbst, wenn die langen Weltraumflüge technisch bald machbar sind, könnten die Missionen aus ganz anderen Gründen scheitern: an unserem Körper. Fest steht, dass die Gesundheitsrisiken bei den derzeitigen relativ kurzen Weltraumaufenthalten wie auf der ISS nicht unerheblich sind und zumindest Zweifel aufkommen lassen, ob eine Mond- oder Marsmission für den menschlichen Körper überhaupt machbar ist.

Keine Entspannung in der Schwerelosigkeit

Wenn Raumfahrer mit einer Rakete gen Himmel abheben und die Geschwindigkeit an Bord bereits nach siebeneinhalb Minuten satte 21.700 Kilometer pro Stunde beträgt und gut eine Minute später der Übergang in die Schwerelosigkeit folgt, dann ist alles anders: Der Körper der Astronauten schwebt, die Erdanziehung ist gleich Null. Was von außen nach grenzenloser Freiheit klingt, ist für den Körper der Raumfahrer purer Stress.

Die Folgen der Schwerelosigkeit

Die andauernde Schwerelosigkeit führt zu folgenden gesundheitlichen Problemen:

  • Die Flüssigkeitsverteilung im Körper ändert sich: Das Blut wandert aus den Beinen in den Brustkorb und den Kopf. Das führt häufig zu einem "Babyface", einem aufgedunsenen Gesicht, und zu einem unangenehmen Druckgefühl im Kopf.
  • Der Gleichgewichtssinn macht Probleme, was zu Schwindel und Übelkeit führt.
  • In den ersten Tagen des Fluges tritt das sogenannte "Weltraum-Anpassungs-Syndrom" auf, das sich anfühlt wie eine Grippe mit Übelkeit und Muskelkater. Es verschwindet wieder, kann aber unangenehm sein.
  • Muskel- und Knochensubstanz nehmen ab.
  • An Bord haben die Raumfahrer immer eine höhere Körpertemperatur, weil die warme Luft in der Schwerelosigkeit nicht zirkulieren kann.
  • Das Immunsystem arbeitet in der Schwerelosigkeit schlechter. Einerseits, weil die Immunzellen im Weltall anders geformt sind als auf der Erde. Andererseits setzt der Stress an Bord der Immunabwehr kräftig zu.
  • Das Hirnwasser kann in der Schwerelosigkeit nicht richtig abfließen, was zu einer Quetschung des Gehirns führt. Damit lassen sich Sehstörungen, von denen Raumfahrer nach ihrer Rückkehr aus dem Weltraum berichten, erklären. Die Augenprobleme verschwinden spätestens nach einem halben Jahr wieder. Inwieweit die Hirnquetschung trotzdem Spuren hinterlässt, etwa auf die kognitive Leistungsfähigkeit, ist noch unklar.
  • Das Ausgeliefertsein an die kosmische Strahlung kann Krebs auslösen.

Ist eine Reise zum Mars überhaupt möglich?

Vor allem die schlechte Immunabwehr, die kosmische Strahlung und die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf das menschliche Gehirn, die schon in einer Studie im Oktober 2018 veröffentlicht wurden, lassen Mediziner an der Fitness des menschlichen Körpers für längere Weltraumflüge zweifeln.

"Das heißt, jemand der zwei Jahre zum Mars unterwegs ist, da wollen Sie nicht, dass der halb blind am Mars ankommt und seine Instrumente nicht mehr bedienen kann", beschreibt Paul zu Eulenburg, der Astronauten-Gehirne nach einem Weltraum-Flug untersucht hat und Oberarzt am Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrum in München ist, eines der Probleme. Aber das dürfte noch eines der kleineren Probleme in Hinblick auf mögliche Mars- oder Mondmissionen sein. Die Auswirkungen aufs Gehirn könnten nach Ansicht von Medizinern weit schwerwiegender sein.