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Wie der Klimawandel Bergseen verändert | BR24

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Lange Zeit dachten Wissenschaftler, dass in zugefrorenen Seen im Hochgebirge fast nichts überlebt. Dabei halten sich unter Eis und Schnee Bakterien, Viren und Algen. Aber das Leben dort ändert sich durch den Klimawandel gerade enorm.

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Wie der Klimawandel Bergseen verändert

Der Klimawandel und Luftverschmutzung haben Einfluss auf Tiere und Pflanzen in den Alpen. Veränderungen zeigen sich aber auch in manchen Hochgebirgsseen, obwohl sie durch ihre Lage vor direktem menschlichen Einfluss geschützt sind.

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Durch den globalen Temperaturanstieg schmelzen nicht nur Gletscher in der Arktis, sondern auch die Eisdecken auf Hochgebirgsseen in den Alpen. Sie sind über der Baumgrenze zu finden, also je nach regionaler Ausprägung höher als 1.500 bis 2.000 Meter. Nur wenige Menschen verirren sich in die meist entlegenen Regionen. Zu diesen einsamen Wanderern gehört ein Team von Seen-Forschern der Universität Innsbruck, sogenannte Limnologen. Seit 1975 beobachten Forscher der Uni, die auch an das internationale Forschungsnetzwerke GLEON angebunden sind, den Gossenköllesee bei Kühtai in Tirol, der auf knapp 2.500 Metern Höhe liegt.

Klimawandel macht Wasser trüb

Die Limnologen haben festgestellt, dass es in der Region immer früher im Jahr warm wird und das Eis auf dem See immer früher abtaut. Dadurch kann in den sehr klaren Hochgebirgsseen die UV-Strahlung tiefer eindringen. Das bekommt nicht allen Mikroorganismen im See. Manche schädigt die erhöhte Strahlung, andere Arten profitieren davon und vermehren sich fleißig.

Zudem wandern Pflanzen in den Bergen in die Höhe, wodurch mehr Nährstoffe in Bergseen gelangen. Das erkennt man daran, dass das glasklare Wasser trüb wird. Der Nährstoff-Eintrag heizt auch die Aktivität mancher Organismen an, die dann im Winter mehr vom knappen Sauerstoff im See verbrauchen. Der Gossenköllesee ist aber glücklicherweise noch klar - im Gegensatz zu einigen Seen in der Sierra Nevada in Kalifornien:

"Wir wissen von anderen Hochgebirgsseen, zum Beispiel in der Sierra Nevada in Kalifornien, wo 'extreme events' - also sehr hohe Niederschläge - so viel organisches Material in den See einbringen, dass der ganze Sauerstoff verzehrt wird, und dass der See fast umgekippt ist. Das macht uns schon Sorgen." Ruben Sommaruga, Seen-Forscher, Universität Innsbruck

Chemie im Wasser verändert sich

Durch die Erhöhung der Temperatur verschieben sich auch chemische Prozesse im Wasser. Das Milieu ist weniger sauer, das heißt der Ph-Wert steigt an. Die Konzentration von Calcium und Magnesium im Wasser erhöht sich.

Ablagerungen im See sind wie Baumringe

Mehr UV-Strahlung in Bergseen, Erhöhung der Wasser-Temperatur und Verringerung des Säuregehalts sowie mehr organische Einträge und andere Arten im See: Welche Folgen die Veränderungen durch den Klimawandel langfristig für den Lebensraum Bergsee haben, ist noch nicht absehbar. In die Zukunft können die Forscher nicht blicken, aber in die Vergangenheit. Die Ablagerungen in Bergseen sind wie Baumringe. Im Gossenköllesee zeigen sie die vergangenen 800 Jahre - und Artenveränderungen durch Temperaturveränderungen.

© Bayerischer Rundfunk / IQ - Wissenschaft und Forschung

Der Klimawandel verändert unsere Umwelt nachhaltig. Durch die steigenden Temperaturen werden in den kommenden 30 Jahren in den Alpen hunderte neue Bergseen entstehen... mit Folgen für Tiere und Pflanzen.

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