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Wie brandgefährlich sind Akkus? | BR24

© BR / Alexander Hilmer

Wörth, jetzt Aubing - immer wieder brennt es auf Wertstoffhöfen, und Akkus stehen zumindest im Verdacht. Dabei sind sie zunehmend überall drin. Wie brandgefährlich sind Akkus wirklich? Und was ist zu tun, wenn sie brennen?

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Wie brandgefährlich sind Akkus?

Wörth, Aubing - immer wieder brennt es auf Wertstoffhöfen. Schuld haben oft unsachgemäß entsorgte Akkus. Dabei sind sie zunehmend überall drin. Wie brandgefährlich sind Akkus wirklich? Und was ist zu tun, wenn sie brennen?

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Zwei Mal hat es in den vergangenen Wochen auf bayerischen Recyclinghöfen gebrannt, in Wörth an der Isar und in Aubing bei München. Messungen an den Brandstellen haben nun ergeben, dass die Brände höchstwahrscheinlich von Lithium-Ionen-Akkus verursacht wurden, die sich von selbst entzündet haben. Ein Problem, das in Zukunft zunehmen dürfte: Denn nach Zahlen des Umweltbundesamts hat sich die Menge der Lithium-Ionen-Akkus in Deutschland seit 2009 verdreifacht: von knapp 3.300 Tonnen auf mehr als zehntausend.

Wie kann ein Akku Feuer fangen ?

Lithium-Ionen-Akkus haben eine hohe Energiedichte. Deshalb sind sie für leistungsstarke Geräte wie Smartphones, E-Bikes und selbstfahrende Rasenmäher geeignet. Diese hohe Energiedichte hat jedoch einen Nachteil: die Brand- und Explosionsgefahr.

Wenn ein Akku beschädigt ist - sei es durch äußere Einwirkung oder auch von Innen durch elektrische Schäden - führt dies zu Kurzschlüssen. Dadurch wird in kurzer Zeit so viel Energie freigesetzt wie sonst eigentlich über einen längeren Zeitraum. "Im schlimmsten Fall kann das zu einem Brand führen", eklärt Florian Hockel, Segmentleiter für Licht, Leuchten und Multimediageräte beim TÜV Süd.

Temperaturen von über tausend Grad

Wie jede normale Batterie hat ein Akku zwei Kammern: eine auf der Anoden-, eine auf der Kathodenseite. Zwischen diesen beiden Kammern strömen die Lithium-Ionen. Getrennt sind diese beiden Kammern durch eine halbdurchlässige Wand, die die Geschwindigkeit des Ionenstrom regelt.

Wenn diese Trennwand beschädigt wird, gibt es einen Kurzschluss. Der führt dazu, dass die Lithium-Ionen sehr schnell durch den Akku wandern und es zu chemischen Reaktionen kommt, bei denen in kurzer Zeit sehr viel Energie freigesetzt wird. Dabei können durchaus Temperaturen von über tausend Grad entstehen.

© BR

Brände in Recyclinghöfen, verursacht höchstwahrscheinlich durch sich selbst entzündende Akkus. Ein Problem, das in Zukunft zunehmen dürfte; denn laut Umweltbundesamts hat sich die Menge der Lithium-Ionen-Akkus in Deutschland seit 2009 verdreifacht.

Wie kann ein Akku beschädigt werden ?

Beschädigen kann man einen Akku durch Pressen, Schlagen oder indem man ihn unter Druck setzt. So geschehen beim Samsung Galaxy Note 7 im Jahr 2016: Massenweise begannen die Lithium-Ionen-Akkus in diesem Handymodell plötzlich zu explodieren. Der Grund: Wegen eines Produktionsfehlers stand der Akku im Smartphone durch einen zu engen Einbauschlitz unter Druck; außerdem war die Trennwand zwischen den Akkukammern zu dünn. Samsung musste die gesamte Modellreihe zurückrufen.

Es muss aber nicht immer der Fehler des Herstellers sein: Wer nicht aufpasst, kann den Akku seines Geräts auch selbst beschädigen: Zum Beispiel wenn er es aus großer Höhe fallen lässt oder wenn es nach einem Defekt durch Nässe getrocknet und dann wieder in Betrieb genommen wird. Dementsprechend besteht auch bei Elektrofahrzeugen die Gefahr, dass sich der Akku entzündet – insbesondere wenn das Fahrzeug einen Schlag durch einen Unfall erleidet.

Ob ein Akku beschädigt ist, kann man von außen nicht erkennen. Gefahrenzeichen sind, wenn er sich wölbt oder stark erwärmt.

Was tun, wenn der Akku brennt ?

Brennt der Akku eines Elektrogeräts, dann hilft nur Löschen. Entgegen weit verbreiteten Vorurteilen darf man das auch mit Wasser tun; ein Eimer Sand oder ein Feuerlöscher sind ebenfalls geeignet. Schwieriger wird es, wenn das E-Bike oder das Elektroauto in Brand gerät, wie es bei mehreren Fahrzeugen der Marke Tesla bereits geschehen ist. Hier sollte man das Fahrzeug stehenlassen, die Unfallstelle sichern und sofort die Feuerwehr rufen.

Wie kann ich vorsorgen ?

Beschädigt werden kann ein Akku auch durch Überladen oder eine sogenannte Tiefentladung. Diese entsteht, wenn man einen Akku mehrere Monate lang gar nicht auflädt und er unter seine Mindestspannung fällt. Die Beschädigung eines tiefentladenen Akkus kann man verhindern, indem man immer das zum Akku gehörende Original-Ladegerät verwendet.

Aufladen sollte man den Akku bei Temperaturen zwischen 10 und 30 Grad Celsius, sonst erhöht sich die Kurzschluss-Gefahr. Wenn der Akku länger nicht genutzt wird, ihn vom Gerät entfernen und kühl lagern, am besten wenn er halbvoll geladen ist. Vermeiden sollte man auch, etwas auf das Elektrogerät zu legen. Denn dann bildet sich ein Hitzestau und das Gerät geht im schlimmsten Fall in Flammen auf.

"Man sollte nie mit Werkzeug eigenmächtig an Akkus oder Batterien rangehen. Oder mutwillig Zellen beschädigen oder Kurzschlüsse herbeiführen. Und auf gar keinen Fall sollte man Akkus einfach in den Hausmüll werfen." Florian Hockel, TÜV Süd

Wie entsorge ich einen Akku ?

Einfach auf den Wertstoffhof tragen und dort einem Mitarbeiter geben, der das Gerät samt Akku extra aussondert. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern verhindert auch, dass es im Recyclinghof in die falsche Wiederverwertungs-Schleife gelangt und sich entzündet.

Wie groß ist das Risiko?

"Wenn ich von 800 Millionen Einwohnern in Europa ausgehe, von denen jeder ein Smartphone besitzt und ich in der Presse einmal pro Halbjahr von einem brennenden Akku höre, dann ist das Risiko dementsprechend überschaubar." Florian Hockel, TÜV Süd

Aber dadurch, dass es inzwischen viele Millionen Lithium-Ionen-Akkus gibt, kommt es eben immer wieder vor - mit teils schwerwiegenden Folgen.