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Lichterglanz und Online-Shopping: Wie belastet das die Umwelt? | BR24

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Lichtverschmutzung durch Weihnachtsbeleuchtung

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Lichterglanz und Online-Shopping: Wie belastet das die Umwelt?

Alle Jahre wieder: Statt Besinnlichkeit ist die Vorweihnachtszeit Reizüberflutung und Konsum pur. Blinkende Weihnachtsbeleuchtung und Online-Shopping zum Beispiel belasten Umwelt und Klima. Geht es auch anders?

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Nachhaltig Weihnachten zu feiern, das ist in der Lichterflut unserer Städte gar nicht so einfach. Vielerorts hängen Lichterketten, blinkende Sterne und kletternde Nikoläuse, die für besinnliche Stimmung sorgen sollen. Rund siebzehn Milliarden Lämpchen leuchten jedes Jahr in deutschen Haushalten.

Diese Weihnachtsbeleuchtung verbraucht richtig viel Strom - trotz LED: Rund 660 Millionen Kilowattstunden benötigt die jährliche Dekoration laut Schätzungen. Das ist so viel wie der Jahresverbrauch aller Haushalte in einer Großstadt wie Duisburg - also von einer halben Million Menschen. Dabei entstehen nicht nur Stromkosten von 190 Millionen Euro, sondern auch 390.000 Tonnen CO2.

Trotz sparsamer Technologie wird mehr verbraucht

Dass der Stromverbrauch dank LED-Technologie deutlich gesenkt wird, ist nur die halbe Wahrheit. Denn Verbraucher, die energiesparende Technologien nutzen – wie LEDs – haben die Tendenz, davon umso mehr einzusetzen und sie sorgloser und länger brennen zu lassen, weil sie ja "so sparsam" sind. Fachleute nennen das den Rebound-Effekt. Die Stromersparnis wird dadurch relativiert.

Lichtsmog kann krank machen

Mit dem Stromsparen allein ist es aber nicht getan. Es geht auch ums "Licht-Sparen" an sich. Der Lichterwahn kostet nicht nur Geld, sondern hat auch dramatische Folgen für die Tierwelt. Der Einfluss von immer mehr künstlichem Licht auf die Biologie des Menschen, auf Tiere und Pflanzen ist immens. Die nächtliche Helligkeit macht nicht nur viele Menschen schlichtweg krank. Langfristig führt Lichtverschmutzung auch zu Insektensterben, verändertem Brutverhalten von Vögeln und gefährdet unsere Artenvielfalt.

Wer auf eine Beleuchtung im eigenen Garten nicht verzichten möchte, kann einige Regeln beachten, um die Tiere so wenig wie möglich zu irritieren:

Lichtsmog reduzieren

  • Keine Büsche und Bäume beleuchten - das Schlafzimmer von Insekten, Vögeln und Kleintieren.
  • Die Beleuchtung nachts via Zeitschaltuhr einfach ausschalten.
  • LED-Beleuchtung in einem warmen Farbton wählen und mit Solarstrom betreiben.

Online-Shopping - schlecht für die Umwelt

Ein anderes gravierendes ökologisches Problem - vor allem in der Weihnachtszeit: Einkäufe können bequem von daheim erledigt werden. Der Online-Handel wächst und wächst – über die Hälfte der Deutschen wollen ihre Weihnachtsgeschenke im Internet kaufen. Rund fünf Millionen Pakete wurden 2016 pro Tag verschickt.

Damit die Waren gut und sicher beim Kunden zu Hause ankommen, werden jede Menge Transportverpackungen verwendet. Allein dadurch fielen zuletzt über zehn Millionen Tonnen Müll an, aus Papier, Pappe, Karton oder Kunststoff. Auf den ersten Blick scheint das aber kein Problem zu sein. Die Verwertung von Papier und Kartonagen liegt in den letzten Jahren bei über 99 Prozent. Die Verwertungsquote von Kunststoffen soll sogar 99,5 Prozent betragen.

Verwertung heißt nicht "hochwertige Verwertung"

Klingt nachhaltig, ist es aber nicht, denn die gesamte Verbrennung wird als Verwertung bezeichnet, so Hartmut Hoffmann, Abfallexperte vom BUND-Naturschutz. "Hochwertige Verwertung" - und so steht es auch im Kreislauf-Wirtschafts-Gesetz - ist die stoffliche Verwertung, also das wirkliche Recycling.

Pakete haben einen langen Weg hinter sich

Recycling ist aber nur der eine Aspekt, CO2 Belastung durchs Online-Shopping der andere: Die Pakete haben oftmals lange Wege hinter sich. Viele davon sind unnötig: Laut einer Studie der Uni Regensburg kalkulieren vier von zehn Kunden die Rücksendung bereits mit ein - vom Hersteller zum Versandhandel über das Logistik- und Auslieferungszentrum bis zum Kunden. Viele Stationen und Kilometer liegen auf dem Weg eines jeden Pakets.

Der ökologische Fußabdruck ist bei jedem Bestellvorgang unterschiedlich - je nach Strecke oder Verkehrsmittel. Nicht immer kommt das Online-Shopping schlechter weg, je nachdem, wie weit und wie lange man zum Einkaufen zum Beispiel in ein Outlet-Center fahren würde.

Aber auch notorische Online-Shopper können auf mehr Nachhaltigkeit achten.

Hier ein paar Tipps vom Bund Naturschutz:

  • Zahlen Sie lieber mal einen Euro mehr und bündeln sie ihre Einkäufe, statt jedes Produkt bei einem anderen Händler zu ordern. Und bestellen sie gleich für ihre Nachbarn mit.
  • Suchen Sie nach grünen Versandhändlern, die Öko-Produkte anbieten sowie auf nachhaltige Transporte und Verpackungen Wert legen. Manche Verkäufer haben Mehrwegsysteme.
  • Und der wichtigste Tipp: Kaufen Sie nichts online, was sie auch in ihrer Nähe bekommen.
© colourbox.com

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