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Mutig, schüchtern oder musikalisch: Steht unsere Persönlichkeit schon bei der Geburt fest? Verhaltensgenetiker haben herausgefunden: Die Rolle der Gene ist wichtiger als bisher angenommen.

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Wie beeinflussen Gene unseren Charakter?

Mutig, schüchtern oder musikalisch: Steht unsere Persönlichkeit schon bei der Geburt fest oder entwickelt sie sich erst im Laufe des Lebens? Verhaltensgenetiker haben herausgefunden: Die Rolle der Gene ist wichtiger als bisher angenommen. 

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Von
  • Tatjana Thamerus

Lange ging man davon aus, dass unsere Umwelt uns maßgeblich formt und Erziehung einen Großteil unserer Charakterbildung ausmacht. Heute wissen wir: Nicht nur Merkmale wie Augenfarbe oder Körpergröße sind erblich, sondern auch Charaktereigenschaften. "Ob wir mutig sind oder musikalisch, witzig, emphatisch oder introvertiert - mindestens 50 Prozent davon liegt schon bei Geburt in unseren Genen", sagt Robert Plomin, Verhaltensgenetiker vom King’s College London.  Das Körpergewicht sei sogar zu 70 Prozent von den Genen bestimmt.

Umwelteinflüsse sind zufällig

Umwelteinflüsse wiederum erklären alles, was man nicht den Genen zuschreiben kann. Zum Beispiel Schicksalsschläge, Begegnungen oder Möglichkeiten. "Das Wichtigste bei diesen Faktoren: Sie geschehen zufällig und nicht systematisch", so Plomin. In allen bisherigen Studien konnte kein systematischer Zusammenhang mit Umwelteinflüssen festgestellt werden. Nur die politische Einstellung und religiöse Überzeugung können zu 20 Prozent darauf zurückgeführt werden. Auf die restlichen Umwelteinflüsse haben wir aber wenig Einfluss.

Erkenntnisse entlasten Eltern 

Das kann vor allem Eltern entlasten, deren Kinder schlecht in der Schule sind oder Übergewicht haben, denn die Hauptverantwortung für diese Merkmale liegt in den Genen begründet. Natürlich können Eltern ihre Kinder entsprechend ihrer Schwächen fördern, aber an den genetischen Voraussetzungen können sie nichts ändern. 

Studien mit einigen Zwillingen und Adoptivkindern 

Diese Ergebnisse erhalten Verhaltensgenetiker durch Studien mit eineiigen Zwillingen und Adoptivkindern. "Adoptivkinder zum Beispiel ähneln nicht ihren Adoptiveltern, sondern den leiblichen Eltern. Und zwar äußerlich sowie bei Intelligenz und Charakter", erklärt Plomin. "Obwohl sie ihnen niemals im Leben begegnet sind." Auch Zwillinge, die in getrennten Familien aufwachsen, weisen trotz verschiedener Umwelt gleiche Charaktereigenschaften auf.

Jeder ist für seine Taten verantwortlich 

Zwar kennt man die Gründe dafür nicht, aber im Alter wird man immer mehr der Mensch, der man genetisch ist. Das erklärt auch, warum wir unseren Eltern immer ähnlicher werden im Alter. Nicht nur äußerlich, sondern eben auch im Charakter. Trotzdem sind Gene kein Schicksal und keine Entschuldigung. Sondern Tendenzen, mit denen wir umgehen lernen können. Jeder ist für seine Taten selbst verantwortlich.

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