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Schriftzug Endemie und durchgestrichener Schriftzug Pandemie neben Globus

Covid-19 wird von der Pandemie zur Endemie. Weltweit gibt es aber große Unterschiede, wie weit die einzelnen Länder auf dem Weg dorthin sind.

Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde
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    Wenn die Corona-Pandemie zur Endemie wird

    Wenn eine Pandemie endet, wandelt sich eine Krankheit meist zur Endemie. Das ist auch beim Coronavirus und Covid-19 so, bedeutet aber: Das Coronavirus verschwindet nicht einfach, wenn es endemisch wird.

    Von
    Jan-Claudius HanikaJan-Claudius Hanika
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    "Das Wort 'endemisch' ist zu einem der am häufigsten missbrauchten Begriffe im Zusammenhang mit der Pandemie geworden", schrieb Aris Katzourakis, Professor für Evolution und Genomik an der Universität Oxford, bereits Ende Januar in der Fachzeitschrift Nature. Falsche Annahmen würden deshalb zu einer unangebrachten Selbstzufriedenheit führen. "Endemisch" bedeute aber nicht, dass Covid-19 einfach ein natürliches Ende findet und vorbei ist.

    In einer Pandemie verursacht ein Erreger rund um den Globus eine große Zahl von Krankheitsfällen. Meistens kehrt er in bestimmten Gegenden mehrmals wieder und sorgt so in Wellen irgendwo auf der Welt für hohe Fallzahlen. Irgendwann verschwindet die Krankheit jedoch wieder oder sie wird endemisch. Das bedeutet: Die Zahl der Krankheitsfälle ist einigermaßen konstant. Es kann zwar immer wieder zu Ausbrüchen kommen, doch die Krankheitszahlen schießen nicht in die Höhe.

    Die Zahl der Infektionen kann aber auch im Zustand der Endemie hoch sein. "Im Fall von Covid-19 könnte das schon bald der Fall sein, denn Immunität – erworben durch Impfung und Infektion – schützt ganz gut davor", sagt Friedemann Weber, Professor für Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. "Im Fall des Virus werden aber immer wieder neue Varianten eingeschleppt, die für einen raschen Anstieg der Fallzahlen sorgen." Bei einer epidemischen Krankheit weiß man dann aber, wie sich die Krankheit in welchen Teilen der Bevölkerung ausbreitet und welche Gegenmaßnahmen getroffen werden müssen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

    Corona-Pandemie auf dem Weg zur Endemie

    Covid-19 ist weltweit im Begriff, von der Pandemie zur endemischen Krankheit zu werden. Allerdings unterschiedlich schnell: Länder wie Großbritannien oder Südafrika mit hoher Impfquote und/oder vielen durchgemachten Infektionen sind viel weiter als beispielsweise China, wo viele Menschen weder geimpft noch genesen sind und die eingesetzten Impfstoffe gegen die Omikron-Variante nur eine geringe Wirksamkeit zeigen.

    Wenn sich Covid-19 zu einer endemischen Krankheit entwickelt, bedeutet das aber nicht, dass die Fallzahlen automatisch niedrig und die Symptome mild sind und dass nur noch wenige Menschen daran sterben. Erkältungsinfekte sind ebenfalls endemische Krankheiten, aber auch Malaria und Tuberkulose, die jedes Jahr Hunderttausende von Menschen töten.

    Corona kann auch als Endemie gefährlich bleiben

    Covid-19 kann zudem auch wieder gefährlicher werden, als es derzeit ist. Ein Virus entwickelt sich nicht automatisch dahin ansteckender, aber weniger gefährlich zu werden. Das hat Sars-CoV-2 selbst gezeigt: Die Varianten Alpha und Delta riefen öfter einen schweren Krankheitsverlauf hervor als der ursprüngliche Virusstamm aus China. Derzeit löst die derzeit dominierende Variante Omikron zwar deutlich seltener schwere Krankheitsverläufe aus. Es lässt sich aber nicht vorhersagen, ob oder wann eine neue Variante auftaucht, die zugleich sehr ansteckend ist und sehr krankmachend sein kann. "Andere Viren, wie zum Beispiel Grippe-Viren, verändern sich eher schrittweise und weniger sprunghaft als Sars-CoV-2 in den vergangenen zwei Jahren", sagt Richard Neher, der am Biozentrum der Universität Basel die Evolution von Viren erforscht. "Es ist denkbar, dass Sars-CoV-2 sich in Zukunft auch gradueller und weniger dramatisch verändert."

    Nach Ansicht von Experten werden sich die Infektionszahlen irgendwann stabilisieren, wenn auch nicht überall gleichzeitig. Das liegt daran, dass immer mehr Menschen durch Impfungen und/oder durchgemachte Infektionen eine Grundimmunität gegen Covid-19 entwickeln. Bis diese in der Bevölkerung aber so hoch ist wie gegenüber der saisonalen Grippe, wird es noch einige Zeit dauern. Bis dahin lässt sich das Coronavirus aber gut mit Impfungen und Medikamenten kontrollieren.

    Bei steigenden Fallzahlen können auch wieder Maßnahmen wie Abstand halten und Maskenpflicht notwendig sein, um Infektionen zu verhindern. Gefährdete Menschen, die etwa ein neues Organ erhalten haben oder gerade eine Chemotherapie bekommen, haben weiterhin ein erhöhtes Risiko, auch wenn die Pandemie vorbei ist. Eine kontrollierte Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt zudem seine Evolution. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue, gefährliche Variante entsteht, die zu einem Rückschlag auf dem Weg in die Endemie führen kann.

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