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Bringt es was, wenn wir Wasser sparen? | BR24

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Weltweit haben zwei Milliarden Menschen immer noch keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser. Hilft es da was, wenn wir Wasser sparen? Wir haben einen Experten für Trinkwasserversorgung gefragt.

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Bringt es was, wenn wir Wasser sparen?

Wasser für alle! Das ist das Motto der diesjährigen Weltwasserwoche, die gerade in Stockholm stattfindet. Denn etwa zwei Milliarden Menschen haben immer noch keinen freien Zugang zu Trinkwasser. Nützt es da etwas, wenn wir hierzulande Wasser sparen?

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Ein Viertel der Menschheit kann nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen, wenn sie Durst hat. Für fast eine Milliarde Menschen gibt es nicht einmal eine Basisversorgung mit Wasser, von Trinkwasser ganz zu schweigen. Und in dem Maße, wie die Weltbevölkerung weiter wächst, wird auch dieses Problem wachsen. Darauf möchte die diesjährige Weltwasserwoche aufmerksam machen, die gerade in Stockholm stattfindet.

Müssen wir Wasser sparen?

Wasser ist ein kostbares Gut, das lernen wir von klein auf. Und der Klimawandel macht inzwischen auch bei uns spürbar, dass Wasser nicht immer sorgenfrei vorhanden ist, das zeigen die häufiger auftretenden Dürreperioden. Müssen wir also mehr Wasser sparen?

Wir verbrauchen weniger Wasser als früher

Nein, denn das tun wir längst, so die Antwort von Dr. Jürgen Leist, Experte für Trinkwasserversorgung und Mitarbeiter der Leibniz Universität Hannover. Knapp 125 Liter Wasser verbraucht jeder pro Kopf und Tag in Deutschland. Das ist im internationalen Vergleich eher wenig. Und weniger, als als wir noch vor dreißig Jahren verbraucht haben: Da waren es etwa 150 Liter pro Kopf und Tag. Damals fürchteten die Wasserversorger, dass der Wasserverbrauch stark steigen könnte, und starteten in den 1980er-Jahren eine Kampagne, um uns zum Wassersparen zu animieren.

Wofür wir das Wasser verbrauchen

Von den 125 Litern täglich spülen wir etwa ein Viertel mit der Klospülung hinunter, ansonsten brauchen wir den größten Teil davon zur Körperpflege: Zum Duschen, Waschen, Zähneputzen oder Baden benötigt der Deutsche durchschnittlich pro Tag etwa 44 Liter, schätzen Wasserversorger. Wir putzen und waschen Geschirr und Wäsche mit nochmals knapp 30 Litern. Und nur etwa fünf Liter Wasser verwenden wir täglich direkt zum Trinken oder Kochen.

Deutschland ist ein wasserreiches Land

Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung macht in Deutschland aber sowieso nur 15 Prozent des Wasserverbrauchs aus. Der größte Teil der Wasserentnahme aus Grund- oder Oberflächenwasser geht in die Industrie, vor allem zur Kühlung von Wärmekraftwerken. Jährlich entnehmen wir in Deutschland etwa 24 Milliarden Kubikmeter Wasser - 24.000.000.000.000 Liter. Doch das macht nur einen Bruchteil des bei uns zur Verfügung stehenden Wassers aus.

Auch wenn es regionale Unterschiede in den Niederschlagsmengen gibt: Wasser wird bei uns in Deutschland nicht knapp. Daran wird selbst der Klimawandel nichts ändern, so Leist.

© Bundesumweltamt

Wasserentnahme in Deutschland für die Öffentliche Wasserversorgung, Energieversorgung, Gewerbe und Bergbau sowie Landwirtschaft von 1991 bis 2016

Mehr Wasser sparen spart an der Wasserqualität

Im Gegenteil: Würden wir noch mehr Wasser sparen, könnten wir die Qualität unseres Trinkwassers gefährden, so Leist. Denn unsere Wasserversorgung ist technisch auf eine bestimmte Durchflussmenge ausgerichtet. Brauchen wir weniger Wasser am Tag, steht das Wasser länger in den Leitungen. Und das könnte hygienische Probleme mit sich bringen.

Nicht Wasser sparen, sondern schonen

Wo wir in Deutschland umsichtiger umgehen könnten mit der Ressource Wasser, ist bei der Wasserverschmutzung: Medikamentenrückstände, hohe Nitratwerte oder Mikroplastik im Wasser gefährden die Qualität des Trinkwassers in Deutschland.

Warmes Wasser sparen

Und wo wir Wasser sparen sollten, ist am Warmwasserhahn, so Leist. Denn die Bereitstellung von warmen Wasser kostet sehr viel Enerige - und um die zu erzeugen, wird viel Kohlendioxid freigesetzt.

Virtuelles Wasser sparen beim Einkauf

Das Wasser, das zuhause aus dem Wasserhahn kommt, ist allerdings nur ein Bruchteil des Wassers, das man wirklich verbraucht. Wenn Sie Wasser sparen wollen, dann müssen Sie eher beim Einkauf daran denken. In jedem Baumwoll-T-Shirt stecken beispielsweise 2.500 Liter Wasser, in einem Rindersteak sogar 4.000 Liter. Das ist das "virtuelle Wasser", das bei der Erzeugung, Verpackung und Transport von Waren anfällt.

Davon verbrauchen wir Deutschen jeden Tag etwa 3.900 Liter - jeder von uns. Dreißigmal mehr, als wir aus dem Wasserhahn zapfen. Und dieses in den Produkten steckende Wasser wird manchmal auch noch gerade in Ländern verbraucht, die nicht mit solch üppigen Wassermengen gesegnet sind wie wir. So wird die extrem durstige Baumwolle zum Großteil in Ländern mit geringen Niederschlagsmengen angebaut.

Wassermenge bleibt gleich, aber nicht gleich verteilt

Natürlich verbrauchen wir das Wasser nicht. Der Wasserkreislauf bringt es immer wieder zurück und auch die Menge an Wasser, die es weltweit gibt, bleibt gleich. Aber es ist eben nicht überall im gleichen Maße vorhanden. Und nicht überall im gleichen Maße erschlossen wie bei uns. Denn Wasser an sich ist zwar kostbar, aber gar nicht so teuer. Teuer ist die Erschließung: Leitungen, Kanalisation, Reinigung.

In manchen Regionen wären reichliche Grundwassermengen vorhanden, so Leist. Doch es fehlt an der Technologie und am Geld, sie zu erschließen. Wenn wir dazu beitragen möchten, dass irgendwann jeder Mensch Zugang zu kostenlosem Trinkwasser hat, dann müssen wir Geld investieren. Wasser hierzulande sparen, hilft nichts.

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Wassersparen ist eine gute Sache - dachten wir zumindest immer. Doch ganz so einfach ist es nicht. #fragBR24

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Wir Bayern haben Glück: Der Großteil unseres Trinkwassers lässt sich dem Grundwasser entnehmen. Mit welchem Aufwand geschieht das? Und welche Quellen werden noch angezapft?

Quellen: