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Weltkulturerbe in Ephesos
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Autoren

Elke Hardegger
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Weltkulturerbe in Ephesos

In den nächsten Jahrzehnten steigt die Gefahr, dass beliebte Touristenattraktionen durch Überflutungen beschädigt werden oder im Meer versinken. Zu den Opfern zählt nicht nur die Lagunenstadt Venedig, zahlreiche Kulturdenkmäler in Kroatien und Griechenland sind ebenso davon betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Kiel, die im Oktober 2018 im Fachjournal "Nature Communications" veröffentlicht wurde. Die Studie wurde von Lena Reimann vom Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zusammen mit Professor Athanasios Vafeidis und internationalen Partnern durchgeführt.

Kulturstätten versinken zunehmend im Mittelmeer

Von 49 untersuchten Weltkulturerbestätten sind heute bereits 37 von einer Jahrhundertsturmflut bedroht. Besonders in den niedriggelegenen Küstengebieten steigt das Risiko jedes Jahr um ein Prozent. Bis im Jahr 2100 könnte damit die Gefahr einer Überflutung in der gesamten Mittelmeerregion um das Doppelte steigen. Davon betroffen sind gerade die Kulturstätten im nördlichen Adriaraum, wie die Lagune von Venedig, die Renaissancestadt Ferrara im Po-Delta und die Basilika von Aquileia. In Kroatien wäre die historische Stadt Trogir und die Kathedrale des Heiligen Jakob in Šibenik gefährdet. Die Forscher betonen, dass nicht immer ganze Denkmäler oder Kulturstätten untergehen werden, es könnten auch nur Teile betroffen sein. Um das Risiko abzuschätzen, verglichen sie aktuelle Daten mit einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels im Jahr 2100 und wie er sich aufgrund des Klimawandels verändern könnte.

Bedrohte Weltkulturerbestätten Quelle: http://dpaq.de/e7Gkh

Bedrohte Weltkulturerbestätten Quelle: http://dpaq.de/e7Gkh

Bedrohung durch Küstenerosion

Für eine Bedrohung sind nicht nur Sturmfluten, sondern ebenso Küstenerosionen verantwortlich. Hiervon sind archäologische Stätte wie Tyros im Libanon, Pythagorio und Heraion auf der griechischen Insel Samos und Ephesos in der Türkei sowie Tarragona in Spanien betroffen. Nur zwei untersuchte Unesco-Stätten, Medina in Tunesien und Xanthos-Letoon in der Türkei, sind von keinem der beiden Risiken bis Ende des 21. Jahrhunderts betroffen, fanden die Forscher in ihrer aktuellen Studie heraus.

Schutzmaßnahmen für bedrohte Weltkulturerbestätten

Ein Anliegen der Forscher ist es, vor allem die Gefahr der Zerstörung durch frühzeitige Schutzmaßnahmen aufzuhalten oder bisherige Vorkehrungen auszubauen. Erste Ansätze werden bereits in Venedig umgesetzt. Mit mobilen Barrieren soll hier die Lagune gegen Hochwasser geschützt werden. Andererseits wollen die Forscher die Bedeutung der Kulturstätten hervorheben und ihren möglichen Verlust verdeutlichen. Denn auch wenn die Prognosen schleichend eintreten, sind Schutzmaßnahmen notwendig, um die Zeugnisse der Vergangenheit für die nächsten Generationen zu bewahren.

Autoren

Elke Hardegger

Sendung

IQ - Wissenschaft und Forschung vom 17.10.2018 - 18:05 Uhr