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Braunkohlekraftwerk Jänischwalde
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Jan-Claudius Hanika
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Braunkohlekraftwerk Jänischwalde

Auf der Weltklimakonferenz von Paris 2015 hatte die internationale Staatengemeinschaft das Ziel vereinbart, die globale Erwärmung auf maximal 2,0 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Noch effektiver wäre es jedoch, sie bereits bei 1,5 Grad zu stoppen. Dazu wären aber ein deutlich stärkerer Klimaschutz und extreme Fortschritte bei der Reduzierung der CO2-Emissionen notwendig, die mit einer überaus schnellen Abkehr von den fossilen Brennträgern Kohle und Öl einhergehen müssten. Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) stellte in seinem 728 Seiten starken Sonderbericht nun heraus, wie viel besser es um die Erde bestellt wäre, wenn die Erwärmung nur um 1,5 Grad statt 2,0 Grad steigen würde.

  • Nur halb so viele Menschen würden unter Wassermangel leiden.
  • Es würde weniger Hitzetote geben. Auch an Smog und Infektionskrankheiten würden weniger Menschen sterben.
  • Der Meeresspiegel würde um fast zehn Zentimeter weniger ansteigen.
  • Nur halb so viele Wirbeltiere und Pflanzen würden den Großteil ihres Lebensraums einbüßen.
  • Generell würde es deutlich weniger Hitzewellen, Starkregen und Dürren geben.
  • Es könnte verhindert werden, dass die Eisdecke der westlichen Antarktis in eine unaufhaltsame Schmelze gerät.
  • Eine Reduzierung der Erwärmung auf insgesamt 1,5 Grad könnte gerade genug sein, damit die meisten Korallenriffe der Welt nicht absterben.

Kohlendioxidausstoß muss sinken

Um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, sollte laut des aktuellen IPCC-Berichts der weltweite Kohlendioxidausstoß 2020 seinen Höhepunkt erreichen und danach deutlich absinken. Auch müsse bis 2050 Treibhausgasneutralität erreicht sein. Präzisiert wird das "CO2-Budget", das der Menschheit für ein Einhalten der 1,5-Grad-Grenze noch zur Verfügung steht. Für eine Zwei-Drittel-Wahrscheinlichkeit, dies zu erreichen, wären es 420 Milliarden Gigatonnen CO2, was ohne Umsteuern innerhalb der nächsten zehn Jahre aufgebraucht sein dürfte.

Drastische Maßnahmen notwendig

Die Kosten für den Umbau des Energiesektors dürften laut IPCC bis 2035 etwa 2,1 Billionen Euro betragen. Ähnlich drastische Maßnahmen wären bei Verkehr und Landwirtschaft notwendig. Bei Tatenlosigkeit wären jedoch die Kosten zur Bewältigung der Klimafolgen noch erheblich höher. Auch könnte es bei einem Umsteuern Synergieeffekte hinsichtlich des Erreichens weltweiter Entwicklungsziele geben.

Ein halbes Grad macht viel aus

Bis vor einiger Zeit waren viele Experten noch davon ausgegangen, bei einer Erwärmung um bis zu zwei Grad würden deren Folgen weitgehend kontrollierbar bleiben. In dem neuen Bericht gehen die Klimaforscher jedoch von einem exponentiellen Anstieg der Risiken zwischen den Zielmarken von 1,5 und 2,0 Grad aus.

1,5-Grad-Ziel ist zu erreichen

Die IPCC-Experten halten ein Erreichen des 1,5-Grad-Ziels "technisch und wirtschaftlich für möglich" - wenn der politische Wille dafür da ist. Der Bericht enthält dafür vier Szenarien mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten. Möglich wären etwa eine drastische Verringerung des Energieverbrauchs oder auch erhebliche Verhaltensänderungen wie eine Verringerung des Fleischkonsums und der Abschied vom Verbrennungsmotor bei Autos. Andere Szenarien setzen stärker auf Techniken, um CO2 im großen Stil aus der Atmosphäre zu entfernen.

Klimabericht aus tausenden Studien

Die IPCC-Berichte des Weltklimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) werden von tausenden Wissenschaftlern zusammengestellt. Darunter sind neben Klima- und Meeresforschern auch Statistiker, Ökonomen und Gesundheitsexperten. Der IPCC betreibt keine eigene Forschung zum Klimawandel, sondern wertet tausende Studien aus und fasst die zentralen Erkenntnisse daraus zusammen. Alle fünf bis sechs Jahre veröffentlicht der IPCC umfassende Überblicke über den aktuellen Stand der Klimaforschung, die in der Regel etwa 1.500 Seiten stark sind. Der erste IPCC-Bericht wurde 1990 veröffentlicht, der jüngste vor dem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel im Jahr 2014. Die regulären Berichte werden von je drei Arbeitsgruppen zusammengestellt: Eine legt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel dar, die zweite beleuchtet die Folgen der Erderwärmung und die dritte zeigt Handlungsoptionen auf. Abgesehen von seinen regulären Veröffentlichungen fertigt der Weltklimarat auch Sonderberichte zu bestimmten Aspekten des Klimawandels an. Nach dem 1,5-Grad-Bericht will er im September 2019 einen Sonderbericht zu den Veränderungen der Weltmeere und der Permafrostgebiete vorlegen sowie einen weiteren zu Landnutzung und Ernährungssicherheit.