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Weltklimakonferenz soll "Menschheit vor dem Abgrund" bewahren | BR24

© Sabine Müller/ARD

Mit welchen Erwartungen fährt die Bundesregierung nach Kattowitz, welche Forderungen gibt ihr die Opposition mit? Wie überzeugend kann Deutschland beim Gipfel überhaupt auftreten, wo es selbst seinen Klimazielen hinterherhinkt?

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Weltklimakonferenz soll "Menschheit vor dem Abgrund" bewahren

Gletscher schmelzen, Meerespegel steigen, die Erde heizt sich weiter auf: Die Weltgemeinschaft steht vor gewaltigen Aufgaben. Düstere Prognosen und eindringliche Warnungen überschatten die UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz.

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Das wichtigste Ziel der Weltklimakonferenz ist, die Pariser Klimaziele doch noch zu erreichen. 2015 hatte sich die internationale Gemeinschaft in Paris darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad - möglichst auf 1,5 Grad - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Weltgemeinschaft von Pariser Klimaschutzzielen weit entfernt

Bei der gegenwärtigen Klimapolitik ist allerdings mit einer Erwärmung um etwa drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu rechnen. Deshalb gibt es eindringliche Warnungen und Forderungen von allen Seiten:

  • Der Weltklimarat IPCC: Bis 2050 sollte Treibhausneutralität hergestellt sein. Das heißt, weltweit dürfen dann nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als der Atmosphäre durch Wälder, Meere oder technische Verfahren entzogen werden.
  • Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO): Emissionen müssen dringend zurückgefahren werden, weil CO2, Methan und Lachgas einen neuen Höchststand in der Atmosphäre erreicht haben.
  • Das UN-Umweltprogramm: Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen die Länder ihre Anstrengungen verfünffachen, indem sie zum Beispiel den CO2-Ausstoß besteuern.

Deutschlands Rolle beim Klimaschutz

Vor Beginn des Weltklimagipfels haben sich Bundesregierung und Bundestag zwar erneut zu den Pariser Klimaschutzzielen bekannt, aber etwa für den Kohleausstieg immer noch keinen Zeitplan vorgelegt. Fossile Brennstoffe wie Kohle gelten als besonders klimaschädlich. Das nationale Klimaziel, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken, wird Deutschland deutlich verpassen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) räumte Rückstände ein: "Es gibt keinen Zweifel, dass wir hier ehrgeizig aufholen müssen", sagte er, denn Klimaschutz sei eine "Überlebensfrage der Menschheit". Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter appelliert, nicht Nachzügler, sondern Vorreiter beim Klimaschutz zu werden: "Es muss doch allen klar sein, wie nah die Menschheit inzwischen am Abgrund entlang schlafwandelt."

Weltweit schrillen die Alarmglocken beim Klimaschutz

Nach dem heißen und trockenen Sommer in Europa und den verheerenden Waldbränden in Kalifornien fürchten viele, dass die Erde ohne eine radikale Klimaschutzwende auf eine Katastrophe zusteuert. Die Delegierten aus 197 Staaten wollen verbindliche und konkret umsetzbare Regeln für alle Beteiligten aushandeln.

"Es ist sehr wichtig, etwas zu finden, das für alle akzeptabel sein kann, damit Kattowitz ein Erfolg wird." Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

Jeder Staat muss Klimaschutzziele liefern, sie einhalten und regelmäßig nachbessern. Die ersten Auswirkungen des Klimawandels bekommen wir schon zu spüren, auch in Bayern, wo Gletscher schmelzen und Wetteranomalien zunehmen. Ob sich alle Beteiligten auf gemeinsame Regeln einigen können, wird die Abschlussbilanz der UN-Klimakonferenz zeigen, die noch bis 14. Dezember im polnischen Kattowitz stattfindet.