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Weltgrößter Algenteppich im Atlantik vermessen | BR24

© picture alliance/Lizzeth Phylomeno/dpa

Seit 2011 breiten sich über den gesamten Atlantik Algen aus. Experten schätzen, dass der Algenteppich schon 20 Millionen Tonnen schwer ist.

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Weltgrößter Algenteppich im Atlantik vermessen

Ein riesiger Algenteppich im Atlantik bedroht nicht nur das Ökosystem, sondern schadet auch dem Tourismus an beliebten Urlaubszielen. Laut einer neuen Studie reichte der Algenteppich im vergangenen Jahr von Westafrika bis zum Golf von Mexiko.

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Weißer Sand und klares Wasser? Pustekuchen. Viele Karibikurlauber erwarten stattdessen übelriechende Braunalgen am Strand, ob in Mexiko, Barbados oder im Süden Floridas. Laut einer Studie von US-Forschern aus Florida und Georgia haben sich Braunalgen seit dem Jahr 2011 explosionsartig ausgebreitet, auch an Orten, wo sie bisher nicht zu finden waren. Die Algen formten so den größten, jemals vermessenen Algenteppich: Die Analyse von Satellitenbildern zeigte, dass sich im vergangenen Sommer ein Algengürtel mit einer Länge von 8.850 Kilometern gebildet hatte, von Westafrika bis zum Golf von Mexiko. Über 20 Millionen Tonnen der Braunalgenart Sargassum bzw. Golftange schwammen der Studie zufolge auf der Ozeanoberfläche.

Nutzen und Schaden von Algen im Meer

Algen sind keine neue Erscheinung. Wenn sie in geringem Maße und ungleichmäßig auf offener See verteilt auftauchen, tragen sie zur Meeresgesundheit bei: Sie setzen durch Fotosynthese Sauerstoff frei und bieten Würmern, kleinen Krabben und anderen Meerestieren Lebensraum. Wenn die Algen massenhaft auftreten und sich zur regelrechten Algenplage entwickeln, gefährden sie Meerestiere in ihrer Atmung und Bewegung. Tote Algen, die zum Meeresgrund sinken, können Korallen ersticken. Und besonders für Touristen sehr unangenehm: Wenn die Braunalgen an Strände gespült werden und sich zersetzen, geben sie Schwefelwasserstoff mit dem typischen Geruch nach faulen Eiern frei. Der karibische Inselstaat Barbados hat 2018 wegen der Braunalgen-Plage einen Notstand ausgerufen.

Explosionsartige Zunahme der Braunalgen im Atlantik

Mehr Nährstoffe im Ozean sorgen für eine schnellere Vermehrung der Algen. Im Winter steigen tiefliegende Wasserschichten vor der westafrikanischen Küste auf und beliefern die Braunalgen mit Nährstoffen. Im Frühling und Sommer gelangen Nährstoffe von der Amazonasmündung in den Ozean.

"Die chemische Zusammensetzung des Meeres muss sich verändert haben, damit das Blühen derart außer Kontrolle gerät". Studienleiter Chuanmin Hu, University of South Florida.

Die Forscher vermuten, dass die Nährstoffmenge in den letzten Jahren durch die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes und den Einsatz von Düngemitteln zugenommen hat und damit das Algenwachstum massiv befördert hat. Dieser Verdacht lässt sich allerdings bislang nicht eindeutig bestätigen.

Kann man die Algen alternativ nutzen?

Laut der US-Forscher wird dieser Algenteppich sehr wahrscheinlich zur neuen Normalität werden. Wissenschaftler und Unternehmer versuchen inzwischen, sich die Braunalgen zunutze zu machen. In einem Pilotprojekt in Mexiko konnten Algen zum Beispiel als Substrat zur Züchtung von Speisepilzen genutzt werden. Ein Unternehmer hat ein Haus aus "Algenziegeln" gebaut, ein weiterer stellt aus alten Plastikflaschen und den Pflanzen Schuhe her. Diese Projekte sind bisher nicht offiziell koordiniert oder werden finanziell unterstützt, könnten aber einen wichtigen Beitrag leisten im Kampf gegen die Braunalgen.

© picture alliance/Rodrigo Cruz/dpa

In Mexiko benutzen Jorge Castro und sein Team die Wasserpflanzen und alte Plastikflaschen zur Herstellung von Schuhen.