Murmeltier in den österreichischen Alpen beim Großglockner

Das Artensterben betrifft auch unsere heimischen Tierwelt. Der Biodiversitätsrat IPBES veröffentlicht Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt.

Bildrechte: Sylvia Bentele/Sylvia Bentele
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    Weltbiodiversitätsrat stellt Bericht zu wildlebenden Arten vor

    Weltbiodiversitätsrat stellt Bericht zu wildlebenden Arten vor

    In Bonn tagt der internationale Biodiversitätsrat IPBES. Heute veröffentlicht er einen Bericht mit Empfehlungen zur nachhaltigen Nutzung von wildlebenden Arten.

    Von 3. bis 9. Juli tagt der Weltbiodiversitätsrat IPBES in Bonn und berät über zwei große Berichte, die zukunftsweisend für die Politik werden könnten – oder es zumindest werden sollten aus Sicht dieses Gremiums zum Schutz der Artenvielfalt. Denn das ist – auch nach allen bisherigen Berichten des Rates in den vergangenen Jahren – dringend nötig: Das Artensterben schreitet weltweit ungebremst voran.

    An beiden Berichten des IPBES haben zahlreiche Experten aus vielen Ländern vier Jahre lang gearbeitet, um alle derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse als Grundlage für politische Entscheidungen aufzubereiten. Den ersten Bericht mit Empfehlungen zur nachhaltigen Nutzung von wildlebenden Arten stellt der Weltbiodiversitätsrat am 8. Juli 2022 vor.

    1. IPBES-Bericht: Nachhaltig von wilden Arten profitieren

    "Die Nutzung wildlebender Arten ist ein wesentlicher Bestandteil nahezu jeder menschlichen Gemeinschaft," sagt die IPBES-Vorsitzende Ana Maria Hernández Salgar. Das lässt sich auch nicht verhindern. Zugleich aber ist der Raubbau an der Natur und den wildlebenden Tier-, Pflanzen-, Pilz- oder Algenarten eine der wesentlichen Ursachen des globalen Artensterbens. Der Bericht zur nachhaltigen Nutzung wilder Arten, den der Weltbiodiversitätsrat am Freitag veröffentlichen will, präsentiert die aktuelle Situation der Nutzung wilder Arten.

    Vor allem aber will der Bericht dafür sorgen, dass die Nutzung wilder Arten in Zukunft nachhaltiger vonstatten geht. Dafür liefert dieser "SustainableUse Assessment" eine ausführliche Entscheidungshilfe für Politiker.

    2. IPBES-Bericht: Wertvorstellungen der Menschen von der Natur

    Am Montag, den 11. Juli 2022, wird der Weltbiodiversitätsrat voraussichtlich den zweiten großen Bericht veröffentlichen, über die mögliche "Einbeziehung der vielfältigen Werte der Natur" in politische Entscheidungen. Dieser "Values Assessment" (Werte-Bericht) soll darlegen, wie unterschiedlich der Wert der Natur in verschiedenen Gesellschaften, Regionen etc. angesetzt wird. Holzverarbeitende Industrie wird beispielsweise einem Tropenwald völlig andere Werte zuschreiben als die indigene Bevölkerung, die in diesem wohnt. Um ein plakatives Beispiel zu nehmen.

    Der IPBES-Bericht soll politischen Entscheidungsträgern Optionen liefern, solche Bewertungen der Natur selbst einzuschätzen und Konflikte zwischen Interessensparteien zu lösen.

    Was ist der Weltbiodiversitätsrat IPBES?

    Der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) wurde vor zehn Jahren von der UN gegründet, im April 2012. Er soll dazu beitragen, die Artenvielfalt weltweit zu schützen, und dafür Entscheidungsgrundlagen und Berichte für Politiker erstellen. Er ist für die Biodiversität das, was der Weltklimarat IPCC für das Klima ist: ein internationales Gremium, das globale Entscheidungen herbeizuführen versucht. Mittlerweile gehören dem Weltklimarat rund 140 Staaten an, darunter auch Deutschland, wo sich das Sekretariat des IPBES befindet, und zwar in Bonn.

    Neues Internationales Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt

    Die UN-Dekade der Biodiversität ist vorüber, doch das Artensterben geht unvermindert weiter. In den Jahren 2011 bis 2020 wollten die Vereinten Nationen besonderes Augenmerk auf den Schutz der Artenvielfalt legen. Jetzt geht es darum, ein neues internationales Abkommen für die Zukunft zu finden: Ein globaler Biodiversitätsrahmen soll möglichst noch in diesem Jahr verabschiedet werden, heißt es in der Presseerklärung des Weltbiodiversitätsrates.

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