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Tuberkulose gehört zu den Infektionskrankheiten, an denen weltweit die meisten Menschen sterben.

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Welt-Tuberkulose-Tag: Corona bremst den Kampf gegen TBC aus

Pro Minute sterben drei Menschen weltweit an Tuberkulose. Damit gehört TBC zu einer der tödlichsten Infektionskrankheiten und gilt als "globale Katastrophe". Die Corona- Pandemie bremst den Kampf gegen die "Schwindsucht" drastisch aus.

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Von
  • Marlene Riederer

Schon im antiken Rom gab es Tuberkulose-Epidemien - ebenso wie im Mittelalter oder noch zu Beginn der Industrialisierung: Die Mediziner waren machtlos gegen die "Schwindsucht". Erst mit der Entdeckung des Bakteriums durch Robert Koch gelang der Durchbruch. Am 24. März 1882 verkündete er seinen Erfolg in Berlin. Fortan wurde der Krankheit der Kampf angesagt.

Am 24. März ist Welt-Tuberkulose-Tag: Drei Todesfälle pro Minute

Jährlich wird deshalb an diesem Tag der Welttuberkulosetag begangen. Tuberkulose ist eine Infektionserkrankung, die in der Regel gut behandelbar ist. Trotzdem erkranken weltweit jedes Jahr etwa zehn Millionen Menschen daran - 1,4 Millionen davon sterben daran. Das sind pro Minute drei Menschen.

Corona erschwert den Kampf gegen Tuberkulose

Zunehmende Resistenzen gegen die gängigen Arzneimittel und das tödliche Zusammenspiel von Tuberkulose und Aids haben den Kampf gegen die Infektionskrankheit zurückgeworfen. Und jetzt droht auch die Covid-19-Pandemie die Zahl der Todesfälle noch weiter in die Höhe zu treiben.

"Auch wenn noch keine Studien vorliegen: Es ist davon auszugehen, dass eine Tuberkulose-Erkrankung und insbesondere eine Lungen-TB zu einem schwereren Krankheitsverlauf bei einer Covid-19-Infektion führen." Sebastian Dietrich, DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe

In der Corona-Pandemie würden weniger TB-Infektionen diagnostiziert und behandelt. Das lässt weitere Auswirkungen auf die Sterberate von Tuberkulose-Kranken befürchten, so Dietrich. Denn für Tuberkulose gilt in Zeiten von Corona dasselbe wie für viele andere Krankheiten - beispielsweise Kinderlähmung (Polio): Covid-19 entzieht Ärzte und Pflegekräfte, Geld und Aufmerksamkeit. Besonders schlimm ist dies in armen Ländern, in denen die Gesundheitssysteme ohnehin oft überlastet sind.

Rückschlag bei der Bekämpfung der "Schwindsucht"

Corona wirft die Bekämpfung der TBC so zurück - und das, obwohl in den vergangenen Jahren viele Weichen dafür gestellt wurden, Tuberkulose auszurotten. Es wird intensiv zu den Krankheitserregern geforscht, die diagnostischen Verfahren werden verbessert und neue Antibiotika sorgen für eine kürzere und verträglichere Behandlung der antibiotikaresistenten Tuberkulosen. Zudem sollen auch Ärzte dafür sensibilisiert werden, bei klassischen Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust auch an Tuberkulose zu denken.

TBC – keine Erkrankung der Vergangenheit

Bei Tuberkulose denken viele an vergangene Zeiten: Im 19. und 20. Jahrhundert war sie die Krankheit der Armen. Jeder zweite Todesfall in der Altersgruppe der 15- bis 40-Jährigen wurde um 1880 in Deutschland auf die Tuberkulose zurückgeführt. Heutzutage ist die Krankheit in Deutschland selten geworden, seit der Nachkriegszeit war sie stetig zurückgegangen.

Tuberkulosefälle in Deutschland

Im Jahr 2020 wurden dem Robert-Koch-Institut 4.127 Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland übermittelt. Im Jahr zuvor waren es noch einige Hundert mehr mit 4.873 Fällen. In den vergangenen zehn Jahren pendelte die Zahl der Erkrankten zwischen 4.000 und über 6.000 (2016: 6.114 Fälle).

Schwindsucht - ein Problem für ärmere Länder

Tuberkulose gilt weltweit als schwerste bakterielle Infektionskrankheit der Welt. Ein Viertel bis ein Drittel aller Menschen weltweit trägt den Erreger laut Expertenschätzungen in sich, doch bei den meisten ist das Immunsystem stark genug, eine Erkrankung abzuwehren. Reiche Industrienationen sind wenig von Tuberkulose betroffen, im Gegensatz dazu ist die Zahl der Erkrankungen in Entwicklungs- und Schwellenländern hoch - besonders betroffen waren im vergangenen Jahr Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Südafrika. Denn Unter- oder Mangelernährung, extremer Stress wie etwa Kriege oder eine Schwächung durch andere Krankheiten lassen den Tuberkulose-Bakterien leichtes Spiel. Zwar lässt sich die Tuberkulose mit den richtigen Medikamenten meist gut behandeln, aber in vielen Ländern ist die medizinische Versorgung nicht ausreichend, um eine konsequente Therapie zu ermöglichen. Die WHO erklärte Tuberkulose zu einer "globalen Katastrophe" und rief zu Gegenmaßnahmen auf.

Immungeschwächte Personen sind gefährdet

Risikogruppen sind arme und alte Menschen, AIDS-Patienten und seit jüngster Zeit auch Coronaerkrankte, denn bei allen ist das Immunsystem geschwächt: durch Krankheiten, schlechte oder vitaminarme Ernährung oder durchs Alter. Aber auch Kleinkinder sind besonders anfällig und können schwere Krankheitsverläufe entwickeln. Sie bedürfen daher einer besonderen medizinischen Aufmerksamkeit.

Symptome der Tuberkulose

Übertragen wird Tuberkulose via Tröpfcheninfektion. Betroffen ist meistens die Lunge. Die Bakterien können aber auch andere Organe befallen, entsprechend vielfältig können die Symptome sein. Einige Symptome, die auftreten können, ähneln der einer Grippe: hartnäckiger Husten, Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, Nachtschweiß, anfangs leichtes Fieber, starke Schwäche und Gewichtsabnahme.

In den meisten Fällen gelingt es dem Organismus jedoch, die Tuberkulosebakterien erfolgreich zu bekämpfen oder abzukapseln. Die Erreger schlummern dann vor sich hin, ohne Schaden anzurichten oder ansteckend zu sein. Von denen, die sich im Laufe ihres Lebens infizieren, bricht die Krankheit nur etwa bei jedem zehnten aus. Ist das Immunsystem aber geschwächt, können sich die Bakterien vermehren. Die Betroffenen werden krank und sind infektiös. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit können so viele Jahre vergehen.

Nur "offene TBC" ist ansteckend

Mit Tuberkulose infizieren kann sich grundsätzlich jeder, der mit dem hochansteckenden Erreger Mycobacterium tuberculosis in Kontakt kommt. Der Keim wird frei, wenn ein an "offener Lungen-Tuberkulose" Erkrankter ihn beim Husten verbreitet. Das ist dann der Fall, wenn sich eine TBC-Kapsel mit dem Bronchienstamm verbunden hat. Bedeutsam ist auch die Menge an Bakterien, die ausgehustet wird.

Tuberkulose ist eine meldepflichtige Krankheit. Patienten mit einer "offenen TBC" müssen zwei Wochen in Quarantäne und mehrere Monate spezielle Antibiotika einnehmen. Es gibt aber auch nicht ansteckende TBC-Formen, die sogenannte "geschlossene TBC".

Behandlung mit Medikamenten

Wenn eine TBC behandelt und therapiert wird, besteht bereits nach wenigen Tagen keine Ansteckungsgefahr mehr. Bis eine Tuberkulose aber als austherapiert gilt, dauert es deutlich länger. Bei einer "normalen" Tuberkulose müssen mindestens sechs bis neun Monate lang zwei bis drei verschiedene Antibiotika eingenommen werden. Bei multiresistenten Formen werden mindestens fünf Präparate für mindestens 21 Monate gegeben.

Resistente Tuberkulose-Formen: MDR und XDR

Gegen die zwei wichtigsten Medikamente gibt es inzwischen Resistenzen. Nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" leiden weltweit Hunderttausende Tuberkulose-Patienten an der multiresistenten Form der Krankheit, die man MDR-TB nennt (englisch für "multidrug-resistant"). Die Erreger sind gegen die beiden stärksten Medikamente resistent.

Patienten mit einer MDR-TB müssen mit speziellen, teureren Medikamenten behandelt werden. Aus der MDR-TB hat sich mittlerweile eine noch gefährlichere Tuberkulose-Variante entwickelt: die XDR-TB (englisch für "extensively drug resistant tuberculosis"), gegen die es nur sehr wenige Medikamente gibt. Nur ein Viertel aller Menschen mit multiresistenter Tuberkulose auf der Erde erhält Schätzungen zufolge die richtige Therapie.

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1882 kann Robert Koch den Erreger der Tuberkulose isolieren. Damit hat er erstmals wissenschaftlich korrekt bewiesen, dass ein Mikroorganismus eine Infektionskrankheit beim Menschen auslösen kann.

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