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Welt-Parkinson-Tag: Zwischen Starre und Zittern | BR24

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Bei Parkinson-Patienten sterben Nervenzellen im Gehirn ab: Sie bewegen sich langsam, gehen gebeugt und ihre Hände zittern. Medikamente helfen, heilen aber nicht. Geforscht wird in vielen Bereichen: Früherkennung, Hirnschrittmacher oder Impfung.

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Welt-Parkinson-Tag: Zwischen Starre und Zittern

Bei Parkinson-Patienten sterben Nervenzellen im Gehirn ab: Sie bewegen sich langsam, gehen gebeugt und ihre Hände zittern. Medikamente helfen, heilen aber nicht. Geforscht wird in vielen Bereichen: Früherkennung, Hirnschrittmacher oder Impfung.

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Am 11. April ist jedes Jahr Welt-Parkinson-Tag. Ein Anlass, über aktuelle Forschung zu berichten. Bioinformatiker aus dem Saarland haben Blutproben mit einem Computerprogramm ausgewertet und Muster erkannt, die bei Parkinson-Patienten auftreten.

Biomarker im Blut zeigen Parkinson an

Bestimmte sogenannte Biomarker im Blut lassen vermuten, dass jemand an Parkinson erkrankt ist. Offenbar bilden sich diese Moleküle schon in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung. Die Trefferquote liegt derzeit bei 75 Prozent: Das heißt in drei von vier Fällen zeigt ein Bluttest, ob jemand später Morbus Parkinson bzw. Schüttellähmung bekommen wird.

"Die Forschungsergebnisse sind ein Set von ungefähr 15 Biomarkern, die wir dazu einsetzen können, eine relativ frühe Diagnose von Parkinson zu ermöglichen, die wir jetzt in klinischen Feldtests in Luxemburg und im Saarland weiter austesten möchten." Andreas Keller, Professor für Klinische Bioinformatik an der Universität des Saarlands.

Biomarker führen noch zu falschen Diagnosen

In der praktischen Anwendung sind noch Hürden zu überwinden: Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem gesunden Menschen Morbus Parkinson fälschlicherweise diagnostiziert wird, ist noch sehr hoch und liegt bei 20 bis 25 Prozent. Routinetests würden also derzeit noch viele Menschen verunsichern. Außerdem hilft ein Frühtest mit Biomarkern nicht wirklich weiter, weil die Krankheit nicht heilbar ist.

Parkinson-Kranken fehlt Dopamin im Gehirn

Bei Patienten mit Schüttellähmung sterben im Mittelhirn die Nervenzellen ab, die Dopamin produzieren. Dopamin ist als Glückshormon bekannt. Es hat aber auch die Aufgabe, Bewegungen zu steuern. Bei einem Dopamin-Mangel kommt es einerseits zu Depressionen, aber auch zu unrunden Bewegungen und dem bei Parkinson typischen Zittern der Hände.

Medikamente verlangsamen den Krankheitsverlauf bei Parkinson

Medikamente setzen so an, dass sie das Gehirn mit Dopamin versorgen. Allerdings schreitet die Krankheit trotz der Arzneistoffe weiter voran, sodass die Zahl der Nervenzellen, die das Hormon speichern können, immer geringer wird. Das heißt, die Krankheit lässt sich mit Medikamenten bislang nicht eindämmen. In Deutschland leiden etwa 400.000 Menschen an der Schüttellähmung.

Ein Hirnschrittmacher regt die Beweglichkeit an

Ein Hirnschrittmacher ist ein Gerät außerhalb des Körpers, der elektrische Impulse direkt ins Gehirn sendet und dadurch wieder für mehr Beweglichkeit sorgt. Forscher des Forschungszentrums Jülich und der Universität Köln arbeiten an einem Hirnschrittmacher, der die Parkinson-Symptome nicht nur unterdrückt, sondern das Gehirn dazu anregen soll, wieder normal zu funktionieren.

"Nach der Operation habe ich vier Wochen lang keine einzige Tablette gebraucht, nichts, da ist es mir wirklich gut gegangen. Mir war so, als ob überhaupt nichts gewesen wäre." Evelyne Streitberger, Parkinson-Patientin mit Hirnschrittmacher.

Ein falsch gefaltetes Eiweiß als mögliche Ursache für Parkinson

In München am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen wollen Forscher herausfinden, welche Gene das Risiko für die Krankheit erhöhen. Auffällig ist ein bestimmtes Eiweiß, das bei Parkinson-Patienten anders gefaltet ist als bei Gesunden. Allerdings lässt es sich bisher nicht verhindern, dass sich das Eiweiß auf diese Art und Weise faltet.

Eine Impfung gegen das krankmachende Eiweiß

Am Universitätsklinikum Gießen und Marburg gehen Wissenschaftler einen anderen Weg und versuchen, das krankmachende Eiweiß mit einer Art Impfung unschädlich zu machen. Dabei wird der Körper angeregt, sich mit sogenannten Antikörpern gegen das Eiweiß zu wehren.

"Bei diesen Studien bekommt der Patient zwei Jahre lang jeden Monat eine Infusion mit Antikörpern und ist sehr oft bei uns in der Klinik. Es wird auch untersucht, ob im Nervenwasser der Antikörper gefunden wird." Karla Eggert, Neurologin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Bis jetzt weiß man noch nicht, ob diese Methode wirklich funktioniert. Und selbst wenn die Studien erfolgreich sind, würde es noch weitere fünf bis zehn Jahre dauern, bis eine Impfung gegen Morbus Parkinson auf dem Markt ist.

Parkinson ist bisher nicht heilbar

Bis heute können lediglich Symptome behandelt werden. Allerdings setzen einige der neueren Forschungen an den Ursachen der Krankheit an, sodass Experten in absehbarer Zeit mit deutlichen Fortschritten rechnen.

Die Zahl der Parkinson-Patienten steigt rasant an

Der Welt-Parkinson-Tag wird jedes Jahr am 11. April begangen und erinnert an den englischen Arzt James Parkinson, der die Symptome im Jahr 1817 erstmals beschrieben hat. Der Tag erinnert aber auch an etwa ein Prozent der Weltbevölkerung über 60 Jahre, die von Parkinson betroffen ist. Experten schlagen Alarm, weil sich binnen einer Generation die Belastung durch Parkinson mehr als verdoppelt hat. Das liegt einerseits daran, dass Menschen immer älter werden, kann aber darüber hinaus auch andere Ursachen haben. Es gibt Vermutungen, wonach beispielsweise Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, die Krankheit auslösen könnten.