BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Welt-Lepra-Tag: "Lepra - nicht das, was du denkst" | BR24

© dpa-Bildfunk/Fabio Teixeira

Am letzten Sonntag im Januar ist jedes Jahr Welt-Lepra-Tag.

Per Mail sharen

    Welt-Lepra-Tag: "Lepra - nicht das, was du denkst"

    Lepra ist wenig ansteckend, relativ einfach zu diagnostizieren, seit den 1980er-Jahren heilbar und die Medikamente sind kostenlos. Warum ist Lepra dann immer noch ein Problem? Laut WHO wurden 2018 wieder rund 210.000 neue Fälle weltweit registriert.

    Per Mail sharen

    Lepra gibt es nicht mehr? Doch! Jährlich erkranken weltweit rund 210.000 Menschen daran und leiden nicht nur körperlich. Daran will der Welt-Lepra-Tag am 26. Januar erinnern. Nach Ansicht von Burkard Kömm von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) in Würzburg fehlt es bei Lepra vor allem an Aufmerksamkeit und in der Folge an finanziellen Mitteln – für eine intensive Forschung, den Aufbau einer adäquaten und für alle zugänglichen Gesundheitsversorgung sowie für die Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse besonders gefährdeter Personengruppen.

    Immer noch Hunderttausende von Lepra betroffen

    Im Jahr 2018 wurden in 127 Ländern 208.619 neue Leprapatienten registriert, so eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO, die im September 2019 veröffentlicht wurde. Die meisten Neuerkrankungen wurden 2018 aus Indien (120.334) und Brasilien (28.660) gemeldet. In Deutschland wurde kein Fall registriert, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Die Erkrankungsrate ging damit um rund ein Prozent im Vergleich zu 2017 und um 15 Prozent im Vergleich zu 2009 zurück.

    Ansteckung durch engen Kontakt mit Leprakranken

    Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium leprae ausgelöst wird. Der Ansteckungsweg ist bis heute nicht genau geklärt, obwohl das Lepra-Bakterium schon 1873 von dem Norweger Gerhard Armauer Hansen entdeckt wurde. In vielen Ländern halten sich hartnäckig falsche Annahmen: Zum Beispiel, dass Lepra vererbt wird, oder dass man sich ansteckt, wenn man an einem Erkrankten auf der Straße vorbeigeht. Mittlerweile geht man davon aus, dass selbst eine einfache Berührung hierfür nicht ausreicht. Höchstwahrscheinlich überträgt sich Lepra über Tröpfcheninfektion. Weil Lepra nur schwach ansteckend ist, ist ein längerer und enger Kontakt mit einem Leprakranken Voraussetzung. Meist erkranken Menschen, deren Immunsystem vorher schon geschwächt war.

    Lepra verursacht Hautflecken und Verstümmelungen

    Lepra hat eine lange Inkubationszeit, sie kann neun Monate bis zu zwanzig Jahre betragen, in Einzelfällen sogar dreißig Jahre. Die Erreger befallen das Nervensystem. Im Frühstadium bekommen Leprakranke Flecken auf der Haut, meist an Armen, Beinen oder am Kopf. An den betroffenen Körperregionen empfinden die Personen vor allem im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf keine Wärme, Kälte, Berührungen und Schmerzen mehr. Wenn sie sich dann an diesen Stellen verletzen und es nicht spüren, entzünden sich die Wunden. Oft infizieren sie sich über die Verletzungen zusätzlich mit anderen Krankheiten. Am Ende sterben diese Bereiche ab und es kommt zu den für Lepra typischen Verstümmelungen.

    Lepra ist frühzeitig ohne dauerhafte Schäden heilbar

    Um Lepra zu behandeln, gibt es seit rund 35 Jahren eine wirksame Medikamententherapie aus drei kombinierten Antibiotika. Bei einer rechtzeitigen Diagnose und Einnahme kann die Krankheit ohne dauerhafte Schäden geheilt und weitere Übertragungen verhindert werden. Allerdings leiden weltweit schätzungsweise vier Millionen Menschen an von Lepra verursachten Behinderungen, weil die Krankheit zu spät behandelt wurde.

    Leprakranke scheuen den Arzt aus Angst vor Ausgrenzung

    In den Schriften vieler Religionen, etwa im Christentum, Hinduismus oder Buddhismus, wird Lepra als Strafe für Verfehlungen im aktuellen oder früheren Leben angesehen. In vielen Ländern werden Leprakranke, aber auch geheilte Patienten, nicht nur zwischenmenschlich geächtet, sondern sogar per Gesetz stigmatisiert. Viele Erkrankte scheuen sich deshalb, einen Arzt aufzusuchen und sich behandeln zu lassen.

    179 Gesetze richten sich weltweit gegen Leprakranke

    Laut der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), der auch die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) angehört, sind aktuell 179 Gesetze aus 38 Ländern bekannt, die von Lepra betroffene Menschen diskriminieren. Allein in Indien, dem Land, in dem es Jahr für Jahr die meisten neudiagnostizierten Lepra-Fälle gibt, existieren 119 solcher Vorschriften. "Diese Gesetze verstoßen in vielen Bereichen gegen die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen", schreibt das Robert Koch-Institut. Sie versagen den Erkrankten die gesellschaftliche Teilhabe in verschiedensten Lebensbereichen und wirken sich zum Beispiel auf den Wohnort, die Beschäftigung, das Wahlrecht und sogar das Eheleben aus. Den Vereinten Nationen liegen aus vielen Ländern Berichte vor, dass leprakranke Kinder diskriminiert werden, insbesondere im Bildungsbereich: "Viele Kinder sind gezwungen, die Schule abzubrechen, und werden von Gleichaltrigen und der Gesellschaft abgelehnt," so Alice Cruz, UN-Menschenrechtsexpertin.

    Diskriminierung begünstigt Lepra-Verbreitung

    Nicht zuletzt können Scham, Schuldgefühle und die Furcht vor Diskriminierung bei den Betroffenen Depressionen und Angstzustände hervorrufen. Der Arztbesuch fällt dann erst recht aus. Um auf diese Not und den daraus resultierenden Teufelskreis aufmerksam zu machen, wurde 1954 der Welt-Lepra-Tag eingeführt. Er findet jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar statt. Der diesjährige Welt-Lepra-Tag am 26. Januar steht unter dem Motto: "Lepra - nicht das, was du denkst." Damit wollen die DAHW und zwölf weitere Mitgliedsorganisationen auf die vielen Mythen, Unbekannten und Ungerechtigkeiten rund um die Krankheit Lepra hinweisen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!