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Welche Folgen hat der Lehrermangel? | BR24

© picture-alliance/Caroline Seidel

Überall im Freistaat fehlen Lehrer. Die, die übrig bleiben, müssen mehr arbeiten.

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    Welche Folgen hat der Lehrermangel?

    In Bayern herrscht Lehrermangel. Der Missstand ist seit langem bekannt. Nun zeigt sich, was das Fehlen geeigneter Fachkräfte im Schulalltag konkret für Folgen hat: Mehrarbeit für die Lehrer, die aktuell im Dienst sind. Diese laufen dagegen Sturm.

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    So nicht! Die Lehrer haben es satt – und starten heute in ganz Bayern einen Protesttag, wo sie ein Zeichen setzen wollen gegen die Pläne des Kultusministeriums, um des Lehrermangels Herr zu werden. Gerade an Grund-, Mittel- und Förderschulen in Bayern fehlen nämlich hinten und vorne die Lehrer. Das, was fehlt, sollen jetzt die Kolleginnen und Kollegen auffangen, indem sie ab dem kommenden Schuljahr mehr und länger arbeiten etwa. Damit der Unterricht in den nächsten Jahren auch noch sichergestellt ist.

    Lehrer kommen krank zur Arbeit - einer muss ja unterrichten

    Im Mathe-Unterricht in der 1A, am Sonderpädagogischen Förderzentrum Seerosenschule in Poing, östlich von München, einer Schule mit 18 Klassen und zwei Vorschulgruppen, zeigt sich deutlich, wohin der andauernde Lehrermangel im Alltag außerdem führt. Die 13 Schülerinnen und Schüler sitzen an ihren Arbeitsblättern. Klassenlehrerin Elisabeth Dressel geht umher, schaut, dass alle vorankommen. Immer wieder schnieft sie. Wegen eines einfachen Schnupfens daheim zu bleiben, kommt für sie aber absolut nicht in Frage. An der Seerosenschule in Poing kann es vorkommen, dass allein an einem Schultag fünf Lehrer wegen Krankheit fehlen, dass sind 30 Lehrer- und Lehrerinnenstunden. Ähnlich dramatisch ist es auch in vielen Grund-, Mittel- und Förderschulen in Bayern.

    Heilpädagogen übernehmen Unterrichtsstunden

    Die Lösung im Schulalltag: Heilpädagogen, Förderlehrer - auch sie müssen Unterrichtsstunden mit übernehmen, obwohl sie doch eigentlich vor allem für Gruppenarbeiten oder andere besondere Formen zuständig sind. Zwar gäbe es eine mobile Reserve, eine Lehrerin, die in solchen Fällen einspringen könnte, diese sei aber selbst dauernd krank, schildert der Schulleiter die Lehrkraftmisere in seiner Einrichtung.

    Also müssen die anderen Lehrerinnen und Lehrer einspringen. Und bloß nicht krankwerden. Das zehrt an den Nerven – nach einer aktuellen Umfrage haben in ganz Deutschland knapp drei Viertel aller Lehrer Probleme, weil es zu wenig Kolleginnen und Kollegen gibt. Die Folgen: Psychische Belastungen, Überstunden, der Unterricht leidet, das liegt auf der Hand. Dann kam Anfang Januar ein Schreiben des Bayerischen Kultusministers, dass es in Zukunft noch knackiger werden wird – und dass die Lehrer, die an Grund-, Mittel- und Förderschulen da sind, mit anpacken müssen:

    "Ja was soll er denn tun? Er hat keine Wahl. Es gibt keine Möglichkeit, noch Lehrer irgendwo herzuzaubern, weil es sie nicht gibt. Der Markt ist ratzekahl leer. Keine Chance." Jörn Bülck, Schulleiter Förderzentrum Seerosenschule

    Deswegen will das Ministerium jetzt die Lehrer, die da sind, mehr in die Pflicht nehmen. Zum Beispiel sollen einige, die jetzt in Teilzeit arbeiten, aufstocken. Eine von ihnen ist Elisabeth Dressel – die aber gerade deswegen nicht Vollzeit arbeitet, weil sie gesundheitliche Probleme hat und zu Hause unterstützen will.

    "Es reicht jetzt eigentlich, also wir haben genug zu tun. Wir sind belastet. Und dann noch mal eins draufgesetzt zu bekommen, das finde ich einfach sehr, sehr ungerecht." Elisabeth Dressel, Lehrerin

    Und auch, wenn ihr Schulleiter nicht weiß, wie er sonst die Schule versorgen soll – die jetzige Lösung, sagt er, sei eine Zumutung für seine Kolleginnen und Kollegen. Bülck: "Sie werden krank werden. Sie machen ja nicht umsonst Teilzeit, sondern weil sie wissen: Sie wollen ihre Arbeit gut machen."

    Und das – so ist die Realität an vielen Schulen – schaffen viele Lehrer nicht, wenn sie mit ihren Kräften nicht haushalten.

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