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Traumhafte weiße Weihnachten im Frankenwald
© picture alliance/chromorange
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Traumhafte weiße Weihnachten im Frankenwald

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) wollte wissen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten wirklich ist und hat Messdaten aus rund 70 Jahren systematischer Erfassung ausgewertet. Das ernüchternde Ergebnis: Weiße Weihnachten sind in Deutschland spärlich gesät. Im Nordwesten kommen sie am wenigsten, im Südosten etwas häufiger vor.

"Im Raum München haben wir alle 3 bis 5 Jahre die Chance auf weiße Weihnachten." Gudrun Mühlbacher, Klimatologin, Deutscher Wetterdienst

Im Raum Hamburg dagegen gebe es im langjährigen Mittel nur etwa alle 7 bis 9 Jahre weiße Weihnachten und in den wärmeren Gegenden wie dem Nordwesten Deutschlands oder am Rheingraben, sei die die Chance auf Schnee an Weihnachten verschwindend gering.

Zunehmend grüne Weihnachten in Bayern

Die Daten zeigen, dass es in Deutschland schon immer mehr grüne als weiße Weihnachten gegeben hat. Die schneefreien Weihnachtsfeiertage haben aber auch nicht zugenommen, wie man in Zeiten des Klimawandels vermuten könnte. Für Bayern gilt das nicht: Bricht man die Daten regional herunter, sieht man eine Veränderung. In den vergangenen 30 Jahren hat die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in bestimmten bayerischen Regionen deutlich abgenommen. Auch in den höheren Lagen ist mehr mit grauen als weißen Weihnachten zu rechnen.

Auf der Karte unten sieht man, dass die Wahrscheinlichkeit auf weiße Weihnachten zum Beispiel Westlichen Bayerischen Wald abgenommen hat, sagt die Klimatologin Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst. Das gleiche gelte für die Gegend zwischen Augsburg und Kempten und zwischen Reit im Winkl und Bayrischzell.

In weiten Teilen Bayerns ist die Wahrscheinlichkeit auf grüne Weihnachten um 5 bis 15 Prozent gestiegen.

Die Wahrscheinlichkeit von weißen Weihnachten in Bayern

Die Wahrscheinlichkeit von weißen Weihnachten in Bayern

Zu Weihnachten taut es regelmäßig

Ein Grund für schneefreie Weihnachtstage ist ein sogenannter Witterungsregelfall, der mit den Eisheiligen im Mai vergleichbar ist. Mit 60 bis 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit setzt vor Weihnachten Tauwetter ein. Die milde Wetterlage entsteht, weil im Norden zwischen Island und Skandinavien ein Tiefdruckgebiet sitzt, im Süden dagegen Luftmassen mit höherem Luftdruck. Zwischen den Wetterzonen kann feuchte und warme Luft aus Südwesten und Westen zu uns strömen. Dann hat der Winter keine Chance mehr. Selbst wenn vor Weihnachten schon Schnee lag, schmilzt die weiße Pracht mit Einsetzen des Tauwetters weg - und mit ihm die Hoffnung auf weiße Weihnachten.

Wintertourismus für Mythos verantwortlich

Wenn die Chancen auf weiße Weihnachten in Deutschland also immer eher gering waren, woher kommt dann unsere romantische Erinnerung an eine stade Zeit im leise rieselnden Schnee? Der Wintertourismus hat wohl den Mythos heraufbeschworen. Nachdem der Winter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Schrecken verloren hatte, machten sich die ersten Touristen auf den Weg in die Alpen. Vorreiter waren adelige Briten, die in die Schweiz reisten und dort unbeschwerte Tage im Schnee verbrachten. 1863 tauchten erste Postkarten mit einem Weihnachtsmann im Schnee auf.

Auch in Bayern beginnt damals so langsam der Wintertourismus. Münchner machen Ausflüge zum zugefrorenen Staffelsee und vergnügen sich bei Blechmusik und Eisstockschießen. Dann entdecken Touristen das Skifahren. Der schneereiche Bayerische Wald und das Voralpenland sind mit ihren sanften Hügeln und Bergen ideal geeignet für Ski-Anfänger. Die friedliche Schneelandschaft in den Bergen prägt seitdem das romantische Bild von weißen Weihnachten - auch im Flachland.