Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Was tun bei Verletzungen durch Quallen, Seeigel und Co.? | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Harmlose Ohrenquallen

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Video-Inhalten

Was tun bei Verletzungen durch Quallen, Seeigel und Co.?

Sonne, Strand und Meer - Ferienstimmung! Doch die kann schnell vergehen, wenn Algen, Seeigel und Quallen im Wasser lauern. Vor Spaniens Küsten etwa tauchen regelmäßig gefährliche Quallen auf. Worauf sollte man beim Strandurlaub achten?

Per Mail sharen

Alle Jahre wieder werden vor der Küste von Mallorca Portugiesische Galeeren gesichtet und trüben damit den Badespaß der Gäste. Die Portugiesische Galeere gehört zu den giftigsten Quallenarten der Welt. Eigentlich ist sie gar keine Qualle, sondern ein Polypenstaat. Die Polypen leben in einer Kolonie und sind voneinander abhängig. Jeder Polyp übernimmt eine Aufgabe wie beispielsweise Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Abwehr und die Ausbildung von Fangarmen.

© picture alliance/WILDLIFE

Portugiesische Galeere

Aufgrund ihrer Fangarme ist die Portugiesische Galeere gefürchtet. Die Tentakel können 15 bis 50 Meter lang werden und enthalten Nesselkapseln mit einem starken Nesselgift. Sogar abgerissene, im Meer schwimmende Tentakel können noch zu den schmerzhaften Verätzungen führen, die diese Quallenart so berühmt - oder besser berüchtigt - gemacht haben.

Starke Schmerzen durch das Nesselgift

Mit der Portugiesischen Galeere in Berührung zu kommen, ist extrem schmerzhaft. Auf der Haut können sich rote Striemen zeigen. Sollte das Gift die Lymphknoten erreichen, werden die Schmerzen noch schlimmer. Für gesunde Erwachsene besteht in der Regel keine Lebensgefahr, es sei denn, sie sind immungeschwächt oder Allergiker - dann kann das Gift einen allergischen Schock auslösen, der in sehr seltenen Fällen tödlich enden kann.

© picture-alliance/dpa

Das bleibt vom Kontakt mit einer Portugiesischen Galeere: eine Quallenverätzung.

Klimaerwärmung führt vermehrt zu Quallenplagen

Quallenplagen treten in heißen Sommern in Europa immer wieder auf. Wind- und Wetterlagen können dazu führen, dass in bestimmten Regionen auch ortsunübliche Quallen vermehrt auftreten.

Einen weiteren Anteil daran hat die globale Klimaerwärmung, die zu Veränderungen im Ökosystem Mittelmeer führt und auch tropische Meeresbewohner an europäische Strände schwemmt. Quallen lieben salzhaltiges, warmes Wasser. Und in den letzten Jahren hat sich das Meer immer weiter aufgeheizt.

Überfischung der Meere

Die natürlichen Feinde der Quallen werden durch Überfischung der Meere zunehmend ausgerottet und die fremden Spezies können sich ungestört vermehren. Experten des Instituts für Meereswissenschaften an der Universität Kiel vermuten zudem, dass die Überdüngung der Felder an Ost- und Nordsee zu einem hohen Nitratgehalt des Wassers führt. Das fördere die Quallenplage dort zusätzlich.

Quallenarten in Nord- und Ostsee und in anderen europäischen Urlaubsregionen

© picture alliance/imageBROKER

Feuerquallen und Ohrenquallen sind die häufigsten Quallenarten in Nord- und Ostsee. Feuerquallen rufen verbrennungsartige Verletzungen hervor.

© dpa picture-alliance

Verletzung am Fuß durch Kontakt mit einer Feuerqualle

© picture alliance/Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Feuerqualle am Strand: Innerhalb eines Tages verschwinden Quallen fast vollständig, denn sie bestehen zu 98 Prozent aus Wasser.

© picture alliance/imageBROKER

Ohrenquallen sind völlig harmlos und kommen nahezu in allen Meeren vor - auch an der Ost- und Nordsee sind sie weitverbreitet.

© picture alliance/imageBROKER

Ohrenqualle am Strand - die charakteristischen "Ohren" sind deutlich zu erkennen.

© picture alliance / blickwinkel

Das Nesselgift der Kompassqualle kann Hautreizungen und Irritationen hervorrufen. Sie kommt u.a. in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer vor.

© picture alliance / dpa Themendienst

Unterwasseraufnahme einer Spiegeleiqualle im Mittelmeer. Sie ist für uns nicht gefährlich, da sie nur ein leichtes Nesselgift hat.

© © Harald Lange/OKAPIA

Die Lungenqualle lebt im Atlantik, zum Beispiel vor Portugal oder Frankreich, und ist nicht gefährlich.

Riesen-Lungenqualle an der Küste von Cornwall

Eine Begegnung der besonderen Art: Vor der englischen Küste von Cornwall sichteten eine Biologin und ein Kameramann eine ungewöhnlich große Lungenqualle. Sie ist etwa so groß sein wie ein erwachsener Mensch - normalerweise erreicht diese Art nur die halbe Größe.

© dpa-Bildfunk/Dan Abbott - (@sharkman_dan)

Die Biologin Lizzie Daly und der Kameramann Dan Abbott haben vor der britischen Küste eine ungewöhnlich große Lungenqualle gesichtet und gefilmt. Sie soll etwa so groß wie ein erwachsener Mensch gewesen sein.

Was kann man gegen giftige Quallen tun?

  • Schwimmer, Surfer und andere Wassersportler sollten möglichst einen Ganzkörperneoprenanzug tragen.
  • Hatten Sie Kontakt mit einer giftigen Qualle, verlassen Sie sofort das Wasser. Neutralisieren Sie die Nesselkapseln mit viel Essig (maximal fünf Prozent Säure) oder entfernen Sie sie mit Sand.
  • Schaben Sie mit einem stumpfen Gegenstand (Messerrücken) oder einer Kreditkarte die Nesselkapseln vom Bein ab.
  • Nehmen Sie auf keinen Fall Süßwasser oder ein Handtuch, dass könnte dazu führen, dass noch mehr Nesselgift abgegeben wird.
  • Gehen Sie bei starken Schmerzen oder Kreislaufbeschwerden zum Arzt.

Sonnige Zeiten für Algen

Auch Algen können zu einer gefährlichen Plage werden. Man findet sie sowohl in heimischen Seen, in Skandinavien wie auch in den Küstenregionen des Mittelmeerraumes. Algenteppiche sind nicht nur unschön anzusehen, sondern manchmal auch gefährlich.

© picture alliance/dpa

Blaualgen treiben in der Ostsee im Wasser

Ein Grund für die Einwanderungen fremder Arten ist der rege Schiffsverkehr auf See. Fracht- und Passagierschiffe nehmen Ballastwasser auf und damit Krebse, Algen oder Quallen. Später lassen sie das Wasser im Mittelmeer ab. Die Folge: Das mediterrane Ökosystem wird durch die Fremdlinge mehr und mehr durcheinandergebracht. Hohe Temperaturen bringen die Blaualgen zum Blühen. Die "Nodularia spumigena" vermehrt sich bei Hitze geradezu explosionsartig. Auch giftige Algen wie die "Ostreopsis ovata", die "Gymnodinium" und auch Bakterien vermehren sich im warmen Wasser sprunghaft. Vergiftungen und Hautreizungen sind die Folgen.

Was kann man dagegen tun?

  • Meiden Sie durch Algen verseuchtes Wasser. Nehmen Sie Badeverbote ernst.
  • Gehen Sie zum Arzt, sobald Krankheitszeichen auftreten.
  • Ligurische Fische und Meeresfrüchte sollten Sie nicht essen, wenn sie durch Algen verunreinigt sein könnten.

Stachliger Seeigel

Dem Seeigel kann man im Urlaub jederzeit begegnen. Seine Stacheln können mehr als 30 Zentimeter lang werden und brechen leicht ab. Andere Arten haben nur kleine Stachel, sind dafür aber giftig. Tritt man auf einen Seeigel, kann es zu starken lokalen Schmerzen, Schwellungen und Rötungen kommen.

© picture alliance / blickwinkel

Bleistift-Diademseeigel

Was kann man dagegen tun?

  • Tragen Sie Badeschuhe.
  • Fassen Sie Seeigel nicht an.
  • Entfernen Sie die Stachelteile mit einer Pinzette und desinfizieren Sie die Wunde. Tief sitzende Stacheln sollte ein Arzt entfernen und gegebenenfalls das Gelenk röntgen.
  • Lassen Sie sich regelmäßig gegen Tetanus impfen.

Barrakudas und Haie: seltene Gäste

Gefährliche Raubfische im Mittelmeer: Die gibt es! Barrakudas und weiße Haie sind seltene und ungebetene, dafür aber umso spektakulärere Gäste. Im Juni 2018 wurde vor der Baleareninsel Cabrera ein vermutlich Weißer Hai gesichtet, im August 2018 im Osten von Mallorca ein Blauhai, Anfang 2019 ein toter Sechskiemerhai im Hafen von Puerto Portals auf Mallorca und im Juni diesen Jahres ein Hai vor der Adriaküste Kroatiens. Meldungen wie diese sorgen immer wieder für Angst.

© picture alliance/imageBROKER

Großer Barrakuda

Was kann man dagegen tun?

  • Wer nicht auf das Schwimmen verzichten will, sollte sich beim Baden nicht zu weit vom Strand entfernen.
  • Gehen Sie mit Wunden nicht ins Wasser. Weiße Haie sind zwar nicht die mordlustigen Bestien, die die Filmwelt gerne darstellt. Doch einen Testbiss riskiert man unter Umständen schon - bei starken Paddelbewegungen und Wunden.
© picture alliance/imageBROKER

Großer weißer Hai

Übertriebene Panik ist jedoch fehl am Platz. Reißerisch hochstilisierte Hai-Übergriffe auf Menschen nähren bis heute ihr "Killer"-Image. Dabei wird meist vergessen, wie selten Haiangriffe tödlich enden. Nach Angaben des "International Shark Attack File" (ISAF) in Florida werden weltweit jährlich zwischen 50 und 75 Haiangriffe auf Menschen gemeldet. Davon enden fünf bis zehn tödlich. Das sind sehr wenige, wenn man die Zahlen vergleicht, wie häufig zum Beispiel Menschen in Afrika von einem Flusspferd angegriffen, oder weltweit von einer Kokosnuss erschlagen werden.

Haie weltweit in Gefahr

Eine Image-Korrektur tut also Not, denn Haie sind wichtig: Seit mehr als 400 Millionen Jahren sind Haie eine Art "Meerespolizei" zur Bewahrung des Ökosystems. Doch verkannte Jäger wie der Weiße Hai sind heute vom Aussterben bedroht.