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Was ist besser: Taschentuch aus Stoff oder Papier? | BR24

© BR/Merlene Mengue

Stoff statt Papier. Zur Müllvermeidung greift so mancher wieder zum alten Stofftaschentuch. Ist das aber wirklich besser für die Umwelt? Was sagt die Gesundheit dazu? Und: Ist es ungesund, die Nase hochzuziehen?

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Was ist besser: Taschentuch aus Stoff oder Papier?

Stoff statt Papier: Zur Müllvermeidung greift so mancher wieder zum alten Stofftaschentuch. Ist das aber wirklich besser für die Umwelt? Was sagt die Gesundheit dazu? Und: Ist es ungesund, die Nase einfach hochzuziehen?

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Vergleicht man Stoff- und Papiertaschentücher in Sachen Nachhaltigkeit, scheint der Gewinner schnell festzustehen: Die Herstellung eines Papiertaschentuchs verbraucht weniger CO2. Der ZeroWaste Blog "Minimal Waste" hat die CO2-Bilanz von Stoff- und Papiertaschentüchern verglichen und festgestellt: Auf den ersten Blick kommt Stoff schlechter weg. Die Produktion eines Baumwolltaschentuchs erzeugt 22 Gramm CO2, das Papiertaschentuch nur drei Gramm. Ein Schnupfengeplagter müsste also achtmal in ein Stofftaschentuch schnäuzen, damit es umweltfreundlicher ist als das Papiertuch. Dafür ist es waschbar und kann wiederverwendet werden. Das Papiertaschentuch dagegen landet schnell im Müll.

Viele Ressourcen für ein Papiertaschentuch

Außerdem verbrauchen Papiertaschentücher in der Herstellung viele Ressourcen. Nur ein Prozent der benutzten Taschentücher sind Recyclingprodukte, der Rest wird aus importierten Frischfasern aus Holz und mit viel Wasser hergestellt.

Laut Verbraucherzentrale benutzt jeder Mensch in Deutschland 19 Kilogramm Hygienepapier pro Jahr – darunter fallen neben Küchenrolle und Klopapier auch viele Taschentücher.

Papiertaschentuch nicht unbedingt gesünder

Für die meisten Menschen scheint die Hygiene der Grund zu sein, warum sie keine Stofftücher benutzen. Dabei ist das, was aus der Nase kommt, nicht immer Keim-belastet. Wer im Winter zum Beispiel mit dem Rad zur Arbeit fährt, hat leicht einen sogenannten Fließschnupfen und der ist nicht viral oder bakteriell bedingt. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, ein Stofftaschentuch zu benutzen.

"Wenn wir aber erkältet sind, und der Schleim voller Bakterien oder Viren ist, wäre es sicherlich förderlicher, dass man ein Papiertaschentuch benutzt." Clemens Heiser, leitender HNO-Oberarzt im Münchner Klinikum Rechts der Isar.

Stofftaschentuch kann Bakterienschleuder sein

Denn ein Stofftaschentuch steckt zwischen den einzelnen Schnäuzern in der Hosentasche. Da, bei wohliger Wärme um die 35 Grad, vermehren sich die Keime wie in einem Brutkasten. Mitten in der Erkältung ist das nicht weiter schlimm. Aber:

"Das Problem ist, wenn die Erkältung wieder am Abklingen ist, und wir dann wieder die maximale Keimbelastung haben und die Nase wieder in dieses Taschentuch stecken, dann besteht die Gefahr, dass Sie nicht Herr der Entzündung werden." Clemens Heiser, HNO-Arzt

Wunde Nase? Egal ob mit Stoff oder Papier

Für das empfindliche Näschen spielt es übrigens keine Rolle, ob man es mit Stoff oder Papier putzt. Laut dem HNO-Arzt ist es nicht das Taschentuch, das die Nase am Eingang wund werden lässt, sondern es ist die ständige Befeuchtung durch den Schleim, der die Haut austrocknet. Hier hilft vor allem eine pflegende Nasensalbe.

Das Stofftaschentuch stirbt aus

Die Nachfrage nach Stofftaschentüchern ist seit der Klimadebatte nicht gestiegen, beobachtet Margit Dorls, Betreiberin eines Herrenmaßgeschäftes in München-Schwabing. Im Gegenteil: Es gebe immer weniger Menschen, die das traditionelle Stofftuch zu schätzen wissen. Sie findet das schade, denn ein Tuch mit Karomuster oder weißem Satinrand sei ein schönes Accessoire – und außerdem langlebig und damit nachhaltig.

"Es sind halt auch Dinge, die vererbt werden, ich hab viele Taschentücher von meiner Mutter oder Schwiegermutter. Jedes Mal wenn ich das Taschentuch mit den Initialen meiner Schwiegermutter benutze, dann denke ich an sie." Margit Dorls, Betreiberin eines Herrenmaßgeschäftes in München

Und die Alternative "Nase hochziehen"?

Das Umweltbundesamt rät dazu, Taschentücher aus Recyclingpapier zu benutzen. Das Siegel mit dem Blauen Engel garantiert, dass die Taschentücher aus 100 Prozent recyceltem Material bestehen. Noch nachhaltiger geht es nur, wenn man die Nase hochzieht und runterschluckt. Aus medizinischer Sicht jedenfalls ist das in Ordnung, sagt HNO-Arzt Clemens Heiser. Denn die Keime überleben die Magensäure nicht.