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Was Corona mit der Psyche macht - und wie wir uns helfen können | BR24

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Bildrechte: pa / dpa / Andreas Poertner

Junge mit Gesichtsmaske hinter einem Fenster.

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    Was Corona mit der Psyche macht - und wie wir uns helfen können

    Die Corona-Maßnahmen wirken sich auf die Psyche der Deutschen aus: Angst, Stress und Depressionen nehmen zu, so eine Gesundheitsstudie. Was hinter der Anspannung steckt und wie man sich schützen kann - ein Leitfaden.

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    Von
    • Lilian Landesvatter

    Seit über einem halben Jahr greift Corona in unser Leben ein – das öffentliche Leben ist eingeschränkt, privat und beruflich muss vieles anders laufen. Hinzu kommt die ständige Angst vor dem Virus sowie Sorgen um die eigene Gesundheit und die der Familie.

    Die "NAKO-Gesundheitsstudie" zeigt nun, wie sich die Corona-Pandemie auf uns auswirkt. Seit 2014 untersucht die NAKO regelmäßig, wie sich Krankheiten entwickeln.

    Höheres Stresslevel durch Corona-Maßnahmen

    Laut Nako-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Annette Peters hat das Stresslevel in der Bevölkerung während des Frühjahrs-Lockdowns zugenommen. So haben die über 100.000 Befragten häufiger Angst empfunden und depressive Symptome gezeigt. Besonders betroffen seien die 20- bis 40-Jährigen.

    "Wir gehen davon aus, dass die Menschen dieser Altersgruppen besonders belastet waren. Viele waren im Homeoffice. Die Kinder waren nicht in der Schule und in den Kindertagesstätten. Da hat sich natürlich das ganze Leben verändert." Prof. Dr. Annette Peters, Vorstandsvorsitzende Nako

    Auch regional gab es Unterschiede: Dort, wo es hohe Infektionszahlen gab, war auch der Stresslevel höher, so zum Beispiel in Bayern oder Baden-Württemberg.

    Gut gewappnet durch die dunkle Jahreszeit

    Im Gegensatz zum Frühjahr herrscht nun auch noch trübe Winterstimmung: Es wird kälter und es fehlt an Sonnenlicht. „Auch das wirkt sich auf die Psyche aus. Daher ist es wichtig, dass man sich in diesen etwas dunkleren Monaten wappnet“, so Prof. Dr. Peters. Menschen, die resilient sind, also emotional widerstandsfähig, könnten gut mit dieser Herausforderung umgehen. Sie vertrauen sich selbst und darauf, Krisen meistern zu können.

    Besondere Herausforderung und Hilfe für psychisch Kranke

    Besonders für psychisch Vorbelastete stellen die Corona-Maßnahmen eine Herausforderung dar. Das zeigt das „Deutschland-Barometer Depression“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

    Laut Studienergebnissen haben depressiv Erkrankte die Maßnahmen im Frühjahr als belastender erlebt als der Rest der Bevölkerung. Außerdem seien durch den Lockdown auch Behandlungstermine bei Psychotherapeuten ausgefallen und hätten damit die medizinische Versorgung psychisch Kranker eingeschränkt. Der Lichtblick in dieser Zeit: Videosprechstunden und telefonische Behandlungen seien zunehmend genutzt worden.

    Um für die Menschen mit Depressionen da zu sein, bietet die Deutsche Depressionshilfe verschiedene Informations- und Hilfsangebote:

    Informations- und Hilfsangebote für Menschen mit Depression

    • Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression finden Sie hier
    • Deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
    • Fachlich moderierte Online-Foren zum Erfahrungsaustausch für Erwachsene finden Sie hier und für junge Menschen ab 14 Jahren hier

    Für Betroffene sei es außerdem wichtig, den Kontakt zu Freunden und Familien weiterhin zu halten, sagt der Psychologe Pablo Hagemeyer. Sich selbst gegenüber besonders aufmerksam sein, Stimmungstiefs beobachten - das gelte in den Zeiten starker Beschränkungen aber für jeden. "Wenn sich depressive Phasen häufen, also länger als zwei Wochen andauern, sollte man aktiv werden", sagt Hagemeyer. Therapeuten oder Seelsorger seien dann eine gute Anlaufstelle.

    Erfahrungen aus der Pandemiezeit können helfen

    Aber man profitiert auch von der bisherigen Pandemiezeit: „Wir haben Erfahrungen gesammelt, die wir übertragen können und das ist ein erheblicher Faktor, um Ängste zu reduzieren“, so Hagemeyer. Dies helfe, den aktuellen Teil-Lockdown besser zu bewältigen. „Wir wissen, wir schaffen das. Wir haben es schon einmal geschafft. Wir werden es jetzt ein zweites Mal auch schaffen.“ Außerdem motiviere die Erkenntnis, dass die strengen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie Wirkung zeigten.

    Nicht zuletzt seien da auch positive Erlebnisse aus den letzten paar Monaten, so Dr. Hagemeyer. „Wir haben Aspekte in unserem Leben entdeckt, die wir genießen und wachsen lassen konnten, die wir bisher nicht so beachtet haben.“ Dazu zähle zum Beispiel, Zeit mit der Familie oder Kochen zu verbringen.

    Mit positiver Grundeinstellung auf das Ende der Pandemie schauen

    Um gut durch diese schwierigen Zeiten zu kommen, kann auch eine positive Grundeinstellung helfen. Dazu gehört die richtige Perspektive. „Wichtig ist, dass man eher auf das Ende der Pandemie schaut, anstatt auf mögliche Abgründe. Wenn wir ein Ziel haben, können wir darauf hinarbeiten“, so Hagemeyer.

    Konkrete Ziele setzen, Pläne schmieden – das könnte zum Beispiel die große Deutschlandreise sein, die man schon immer machen wollte oder auch der nächste Besuch bei Verwandten. Dr. Hagemeyer hält dies für einen wichtigen Schutzfaktor: „Wir bleiben dann handlungsfähig und fühlen uns weniger ohnmächtig. Das schützt uns vor Traumatisierung.“

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