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Mückenschwarm fliegt über einem Kopf

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Warum tanzen Mücken so gerne über unserem Kopf?

Joggen im Park, Grillen im Garten: Es könnte so schön sein, wäre man nicht umgeben von einer Heerschar von Mücken. Aber warum fliegen Mückenschwärme so gerne über unseren Köpfen? Wie hält man sie fern der Wohnung? Und wozu sind Mücken eigentlich gut?

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Von
  • Martin Jarde
  • Henning Pfeifer

Baden am See, laue Abende im Biergarten, Grillen im Garten - es wäre so schön, wären da nicht auch die vielen Blutsauger. Dem ein oder anderen dürfte dabei schon einmal aufgefallen sein, dass sich Mücken oft in Schwärmen über unseren Köpfen zusammenfinden. Selbst, wenn man einen Schritt zur Seite macht oder gemächlich dahinjoggt – die Mücken folgen einem.

Mücken veranstalten "Hochzeitstanz" über dem Kopf

Aber warum ist das so? Es gibt einige Erklärungen zu diesem Phänomen, die endgültigen Details kenne aber auch die Wissenschaft noch nicht so genau, sagt Manfred Drobny, Biologe beim Bund Naturschutz, im Interview mit Bayern 1. Meist seien es nur Männchen und "wenn man so will, ist das ein Hochzeitstanz, um Weibchen auf sich aufmerksam zu machen", erklärt Drobny.

Das Surren der vielen Flügel und die Sexuallockstoffe, die die Männchen absondern, würden die Aufmerksamkeit der Weibchen deutlich mehr erregen und seien auf größere Entfernung wahrnehmbar, als wenn jedes Männchen alleine durch die Gegend fliege, so der Biologe. Um die Sichtbarkeit weiter zu erhöhen, suchen die Mücken außerdem erhöhte Orte, über denen sie kreisen. Das können Büsche sein – aber eben auch der Kopf eines Menschen.

Gefahr eines Mückenstichs so gut wie ausgeschlossen

Auch wenn es meist nervende Stechmücken sind, die über den Köpfen fliegen, Angst davor gestochen zu werden, muss niemand haben, sagt der Biologe. Bei den Schwärmen handelt es sich um balzende Männchen. Bei den Stechmücken sind es aber nur die Weibchen, die stechen.

Und selbst wenn ein Weibchen den Weg in den Schwarm findet, stellt es keine stechende Gefahr für uns Menschen dar, da begattungsfähige Stechmücken-Weibchen für die Eiproduktion schon eine Blutmahlzeit gehabt haben müssen, so der Experte weiter. Das heißt: Wenn, dann schwirren nur satte oder nicht stechfähige Mücken über unserem Kopf.

Wie hält man Mücken aus der Wohnung fern?

Nicht weniger nervend als ein Mückenschwarm über dem Kopf ist das Summen einer einzelnen Mücke im Schlafzimmer. Gerade im Sommer möchte man aber nachts gerne die Fenster zum Lüften und Kühlen der eigenen vier Wände offen lassen – was also tun? Damit Mücken erst gar nicht in das Haus eindringen, sind Insektenschutzgitter eine gute Lösung. Schon einfache Netze für wenige Euro, die per Klettband am Fensterrahmen befestigt werden, halten Insekten fern.

Wer es etwas ästhetischer und natürlicher möchte, kann es auch mit bestimmten Pflanzen versuchen, wie Bayern 1 Gartenexpertin Karin Greiner weiß. "Kleine Balkon-Tomaten, daneben Basilikum und Tagetes passen nicht nur gut zusammen, gemeinsam in einem Balkonkasten hält dieses Trio auch die Stechmücken davon ab, in Ihr Schlafzimmerfenster zu fliegen."

Blumen, Gemüse oder Walnussbaum: Mit Pflanzen gegen Mücken

Auch Stangenbohnen mit Bohnenkraut und bunten Ringelblumen sehen nicht nur gut aus, ihr Duft lenke Mücken davon ab, ins Schlafzimmer zu fliegen, so die Expertin. Und: "Direkt auf dem Fensterbrett hindern Duftperlagonien und Weihrauch die Blutsauger daran, ihren Weg zu Ihnen zu finden."

Auch für Gartenbesitzer hat Karin Greiner einen Tipp: Ein Walnussbaum bietet im Sommer nicht nur einen wunderbaren Baldachin, sein Duft vertreibt auch allerlei Getier. So sehe man heute noch oft bei alten Bauernhäusern neben der Terrasse Walnussbäume stehen – nicht ohne Grund, denn Bremsen, Fliegen und Stechmücken würden den Duft des Baumes gar nicht mögen.

Kleine Blutsauger: Wer braucht eigentlich Mücken?

Hat es einen Mücke dann doch geschafft, an unser Blut zu kommen, wünscht sich der eine oder die andere nicht selten, die kleinen Plagegeister mögen ganz verschwinden. Da stellt sich die Frage: Für was sind Mücken überhaupt gut?

Mücken sind mehr als lästige Blutsauger. Als Teil der Nahrungskette sind sie zum Beispiel Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse, sagt die Vorstandsvorsitzende der BUND Naturschutz Kreisgruppe Traunstein, Beate Rutkowski. Fische und Kaulquappen fressen Mückenlarven, die im Wasser leben. "Es gibt auch Tierarten, wie den Teichrohrsäger, der seine Jungen sogar größtenteils mit Mücken füttert."

Mückenlarven sind kleine Filteranlagen für Gewässer

Außerdem funktionieren Mückenlarven wie kleine Filteranlagen für Gewässer. "Die Mückenlarven ernähren sich von Mikroplankton, von organischem Material, insofern hat man dort auch einen Säuberungseffekt", sagt Beate Rutkowski.

Wenn Mücken dann zum fliegenden Insekt werden und etwa in Schwärmen unterwegs sind, kann das für Vögel und Fledermäuse auf einen Schlag sehr nahrhaft sein. Außerdem bestäuben Mücken Blütenpflanzen, denn die meisten Mücken ernähren sich von Nektar. Nur die weibliche Stechmücke braucht eine proteinreiche Blutmahlzeit, um Eier zu produzieren.

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Bildrechte: Bayerischer Rundfunk

Für den Menschen sind sie lästig, aber Mücken haben im komplexen Ökosystem Natur auch eine wichtige Funktion.

Können Mücken bei Regen fliegen?

Viele Menschen fragen sich, was machen Mücken eigentlich, wenn es regnet? Denn üblicherweise suchen fliegende Insekten bei Regen Schutz im heimischen Nest oder unter Blättern. Nur bei Stechmücken sieht es manchmal so aus, als könnten sie im Regen fliegen. Wie der WDR in seinem Format "Wissen macht Ah!" erklärt, liegt das daran, dass sie sehr leicht sind. Eine Mücke wiegt etwa zwei Milligramm. Ein großer Regentropfen wiegt rund hundert Milligramm.

Er könnte eine Mücke leicht erschlagen. Das passiert aber nicht, weil ein Regentropfen auf seinem Weg nach unten Luft beiseiteschiebt. Dadurch entsteht eine Druckwelle in der Luft. Kreuzt eine Mücke die Flugbahn eines Regentropfens, wird sie von der Druckwelle erfasst und beiseite geschoben. Das rettet ihr das Leben.

Bei leichtem Nieselregen sind die Regentropfen allerdings viel leichter. Dadurch sind auch die Druckwellen, die sie erzeugen viel geringer. Für eine Mücke kann es dann doch gefährlich werden. Deshalb flüchten auch Stechmücken, wie die meisten Insekten, vor Regen.

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