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Das sollten Sie in Coronazeiten über die Grippe-Impfung wissen

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Warum eine Grippe-Impfung in Zeiten von Corona so wichtig ist

Die Grippe-Saison steht bevor. Vor allem Risikopersonen wird empfohlen, sich jetzt gegen Influenza impfen zu lassen. Warum das gerade während Corona als wichtig gilt und alles Wissenswerte zur Grippe-Impfung.

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Die Hauptsaison der echten Grippe, auch Influenza genannt, steht bevor. Influenza-Viren, die die Grippe hervorrufen, zirkulieren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) schon im Herbst. Grippewellen - also eine erhöhte Influenza-Aktivität - beginnen aber meist erst im Januar und dauern drei bis vier Monate.

Für wen ist eine Grippe-Impfung besonders wichtig?

Die Menschen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, sind bei Grippe und COVID-19 sehr ähnlich. Dazu zählen: Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel), Menschen, die beruflich viel Kontakt mit anderen haben wie Krankenhaus-Personal oder Altenpfleger, Patienten, die an einer chronischen Krankheit leiden wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma sowie Kinder mit Diabetes.

Zurzeit empfehlen Kinderärzte generell eine Impfung von Kindern. Denn Kinder können das Influenza-Virus maßgeblich übertragen, so Johannes Hübner, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. In jedem Winter müssten viele Kinder wegen Grippe stationär aufgenommen und sogar mit Sauerstoff versorgt werden. In Zeiten der Corona-Pandemie gebe es neben den Risiken für die Gesundheit der Kinder zudem eine gesellschaftliche Verpflichtung zum Schutz anderer.

Wann sollte man sich gegen Grippe impfen lassen?

Das RKI rät, sich am besten im Oktober oder November, spätestens aber bis Mitte Dezember, gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Das ist der ideale Zeitpunkt, um auf dem Höhepunkt einer Grippewelle geschützt zu sein.

Die Wirksamkeit des Impfschutzes währt zwischen neun und zwölf Monate. Man sollte aber daran denken, dass es bis zu 14 Tage dauert, bis der Schutz aufgebaut ist. In der vergangenen Grippesaison verzeichnete das RKI in Deutschland offiziell mehr als 186.000 Grippefälle.

Wie sind die Symptome einer Grippe?

Bei einer echten Grippe muss man das Bett hüten. Die Symptome sind schwerwiegend. Der Körper ist geschwächt. In der Regel aber ist die Erkrankung nach zwei Wochen ausgestanden - es sei denn, es kommt zu gefährlichen Komplikationen.

Eine Influenza beginnt ganz plötzlich - oft innerhalb einer Stunde - mit hohem Fieber, das tagelang bis zu 40 Grad Celsius betragen kann. Dazu kommen Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten und eine allgemeine Schwäche. Nach etwa einer Woche werden die Symptome schwächer, nach ungefähr zwei Wochen ist die Grippe in der Regel überstanden.

Wegen Corona ist es zurzeit besonders wichtig, Symptome, die auf einen Infekt hinweisen, ernst zu nehmen. Klären Sie bei Ihrem Arzt - nach vorheriger telefonischer Ankündigung - ab, welcher Virus Sie erwischt hat. Grundsätzlich gilt: Die Symptome von Corona und Grippe sind nur schwer zu unterscheiden. Deswegen sollte man einen Corona-Test machen lassen.

Ist eine Grippe gefährlich und wie wird sie behandelt?

Für die Risikogruppen bedeutet eine Grippe-Erkrankung eine echte Gefahr, denn die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf ist erhöht. Die Grippe kann lebensgefährliche Komplikationen nach sich ziehen - die bedeutendsten sind eine bakterielle Lungen- oder eine Herzmuskelentzündung. Die Grippeviren schwächen den Körper, sodass Bakterien angreifen können. So kann es zu Entzündungen von Lunge, Ohren, Nebenhöhlen, Gehirn und Herzmuskel kommen. Im schlimmsten Fall endet eine Grippe mit dem Tod - nicht wegen der Grippe als solcher, sondern wegen der Folgekrankheiten, die aufgrund der Immunschwächung auftreten.

Wenn man eine echte Grippe hat, sollte man viel ruhen und sich körperlich schonen. Wird das Fieber zu hoch, sollte man fiebersenkende Mittel verabreichen. Da eine Grippe von Viren ausgelöst wird, nützen Antibiotika hier nichts - außer man zieht sich in Folge der Erkrankung noch eine bakterielle Infektion zu.

Warum ist die Grippe-Impfung während Corona so wichtig?

Bei einer Impfung gegen Grippe kann, in den meisten Fällen zumindest, diese bei einer Erkrankung im Vorhinein ausgeschlossen werden. Das RKI hält eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen während der Corona-Pandemie außerdem deshalb für essentiell, damit während der Grippewelle schwere Krankheitsverläufe vermieden werden und so auch Engpässe in Krankenhäusern vermieden werden können. Deshalb sollten die Impfquoten vor allem bei den Risikogruppen erheblich gesteigert werden, so die Ständige Impfkommission (STIKO).

Grundsätzlich ist der Schutz vor vermeidbaren Infektionen, die man durch eine Impfung verhindern oder zumindest mildern kann, wichtig: Besonders den Risikogruppen wird grundsätzlich empfohlen, sich gegen Lungeninfektionen durch Grippe, aber auch Pneumokokken und Keuchhusten impfen zu lassen. Zudem kann mit den Impfungen auch einer mehrfachen Belastung vorgebeugt werden, denn eine bereits bestehende Erkrankung lässt die Lunge noch angreifbarer für weitere Erreger werden - zum Beispiel dem Coronavirus. Mehrfachinfektionen fordern das Immunsystem besonders stark und können zu (noch) schwereren Komplikationen führen.

Wie gut schützt der Grippe-Impfstoff?

Eine Grippe wird durch Viren ausgelöst - und die sind listig und wandlungsfähig: Sie verändern sich ständig. Jedes Jahr muss daher ein neuer Impfstoff entwickelt werden, der gegen die Influenzaviren, die in der folgenden Saison im Umlauf sind, wirksam sein soll. Jedes Frühjahr wagt die Weltgesundheitsorganisation eine neue Prognose.

Die Schutzwirkung von Grippe-Impfstoffen beträgt bei jungen Erwachsenen gut 80 Prozent - wenn eine gute Übereinstimmung zwischen den vorherrschenden Grippeviren und dem Impfstoff besteht. Denn wie effektiv ein entwickelter Grippe-Impfstoff ist, variiert und hängt auch davon ab, ob die in dem Impfstoff enthaltenen Virusstämme mit den Influenzaviren der folgenden Grippesaison bestmöglich übereinstimmen. Tun sie das nicht, weil sich zwischenzeitlich andere Virusstämme durchgesetzt haben, kann die Schutzwirkung des Impfstoffs leiden, so das Robert-Koch-Institut (RKI).

Ein weiterer Grund, warum die Wirksamkeit des Grippeimpfstoff beeinträchtigt sein kann, liegt darin, dass es zu genetischen Veränderungen beim Impfstamm kommen kann, während der Impfstoff hergestellt wird.

Kann ich trotz Impfung eine Grippe bekommen?

Je nachdem, wie sehr der Impfstoff also mit den Virusstämmen übereinstimmt, hängt es davon ab, wie gut eine Impfung schützt. Bei älteren Menschen kommt noch hinzu, dass ihr Immunsystem nicht mehr so gut arbeitet. Die Influenza-Impfung enthält abgetötete Erreger, die selbst keine ernsthafte Erkrankung mehr verursachen können. Sie aktivieren aber das Immunsystem der geimpften Personen. Leider arbeitet das Immunsystem älterer Menschen oft nicht mehr so effektiv wie bei jungen Menschen.

Das heißt aber nicht, dass ältere Menschen von vorneherein auf eine Impfung verzichten sollten. Im Gegenteil: Auch wenn ihr Immunsystem nicht mehr so gut arbeitet, können sie das Risiko, an einer Influenza zu erkranken, im Schnitt um 50 Prozent reduzieren. Und sollten sie doch erkranken: Eine Grippe bei Geimpften verläuft deutlich milder und mit weniger Komplikationen als bei Nicht-Geimpften.

Welche Nebenwirkungen kann eine Grippe-Impfung haben?

Die Grippeschutzimpfung gilt als gut verträglich. Es werden ausschließlich Tot-Impfstoffe verwendet, die keine Erkrankung auslösen können. Nach circa 14 Tagen hat das Immunsystem den Schutz gegen die Erreger vollständig aufgebaut.

Wer eine Erkältung hat oder diese gerade erst überwunden hat, sollte sich nicht impfen lassen, sondern warten, bis er wieder ganz gesund ist.

Wer übernimmt die Kosten für eine Grippe-Impfung?

Derzeit übernehmen einige Krankenkassen die Kosten nur für Patienten, die zu einer Risikogruppe zählen, andere dagegen für alle Versicherten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert wegen der Corona-Pandemie in diesem Herbst und Winter kostenlose Grippeschutz-Impfungen für bundesweit alle Versicherten. "Sie ist medizinisch notwendig und wirtschaftlich, sollte daher komplett erstattet werden", schrieb Lauterbach auf Twitter. Im Zweifel sollte man seinen Arzt oder die Krankenkasse fragen, ob die Kosten übernommen werden.

Reicht der Grippe-Impfstoff für alle?

Ob der Grippe-Impfstoff für alle Versicherten ausreicht, ist umstritten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung für Risikogruppen. Zur Versorgung aller Menschen aus diesen Gruppen bräuchte es rund 40 Millionen Impfdosen. Allerdings nehmen längst nicht alle von ihnen das Angebot in Anspruch - in der Saison 2016/17 ließen sich bundesweit nur knapp 35 Prozent der Personen ab 60 Jahre impfen. In der Saison 2018/19 ist ein Anstieg zu verzeichnen gewesen - allerdings basieren die Daten auf nur sieben Bundesländer. Und hier ist die Spannweite groß: Haben sich in der Saison 2018/19 in Baden-Württemberg beispielsweise nur etwa 24 Prozent der über-60-Jährigen impfen lassen, waren es in Sachsen-Anhalt immerhin 63 Prozent, so das RKI.

Bestellt wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang 26 Millionen Dosen. Experten fürchten, eine Ausweitung der Empfehlung auf die Gesamtbevölkerung könnte zu einer Unterversorgung der Risikogruppen führen - etwa wenn viele Betriebe ihren gesunden Mitarbeitern die Vakzine anbieten. Das RKI betonte im August, auch Menschen außerhalb der Risikogruppen könnten die Impfung erhalten, stellte aber gleichzeitig klar: "Die uns bekannten Informationen zu den voraussichtlich verfügbaren Influenzaimpfstoffmengen können die Versorgung der wichtigsten Zielgruppen gewährleisten, nicht jedoch der gesamten Bevölkerung."

Dennoch rechnen Gesundheitsexperten im Bundestag nicht mit einem Engpass. "Auch dieses Jahr wird der Impfstoff reichen - wir können es uns leisten, diesen allen Versicherten kostenfrei zur Verfügung zu stellen", sagte Lauterbach.

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