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Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln: Verbraucher sollen anhand von Farben erkennen können, ob ein Lebensmittel wirklich gesund ist.
© picture-alliance/ dpa/Fotograf: Rainer Jensen
© picture-alliance/ dpa/Fotograf: Rainer Jensen

Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln: Verbraucher sollen anhand von Farben erkennen können, ob ein Lebensmittel wirklich gesund ist.

Anhand der sogenannten Lebensmittelampel sollen Verbraucher auf einen Blick erkennen können, wie viel Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz ein Lebensmittel enthält. Letztlich sollen sie dadurch animiert werden, im Supermarkt zu gesünderen Produkten zu greifen. Eigentlich eine bestechend gute Idee. Doch bisher konnten sich die EU-Staaten nicht auf eine einheitliche Regelung einigen. Eine EU-weite Verpflichtung scheiterte vor allem am Widerstand der großen Lebensmittelkonzerne. Einige Länder haben trotzdem eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel eingeführt. Bisher zwar nur auf freiwilliger Basis. Aber mit Erfolg.

Britische Lebensmittelbehörde entwickelte die "Original-Ampel"

Im Jahr 2007 hat die britische Lebensmittelbehörde Food Standard Agency (FSA) die Standards für die Ampelkennzeichnung bei Lebensmitteln entwickelt. Viele britische Gesundheitsorganisationen und Verbände unterstützen dieses Modell.

Danach wird jedes Lebensmittel nach seinem Gehalt von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz mit den Ampelfarben eingeordnet, wobei grün für ein gesundes, gelb für ein mäßig-gesundes und rot für ein ungesundes Essen steht. Bei Lebensmitteln gelten die auf der Verpackung gemachten Angaben für jeweils 100 Gramm, bei Getränken für 100 Milliliter. Um zum Beispiel die Farbe Grün zu erhalten, dürfen in 100 Gramm eines Lebensmittels maximal drei Gramm Fett, 1,5 Gramm gesättigte Fettsäuren, fünf Gramm Zucker und 0,3 Gramm Salz sein.

Nutriscore - die Kennzeichnung in Frankreich

Im Oktober 2017 führte Frankreich - ebenfalls auf freiwilliger Basis - ein eigenes System ein. Mit "Nutriscore" werden Lebensmittel auch nach ihren Nährwerten eingeordnet. Günstige und ungünstige Nährwertbestandteile werden dabei mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet. Eine Skala von A bis E zeigt, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist. Ist ein Produkt ausgewogen, wird es mit A und grün bewertet, ist es dagegen unausgewogen, erhält es den Buchstaben E und eine rote Kennzeichnung. Für den Verbraucher ist dieses System zwar deutlich unübersichtlicher als die Ampel, dennoch finden 80 Prozent der Franzosen laut einer aktuellen Umfrage der französischen Gesundheitsbehörde den Lebensmittelstempel hilfreich und sinnvoll.

Das Label der Lebensmittelkonzerne

Wenig hilfreich ist für den Verbraucher hingegen das System, das die Lebensmittel-Riesen Nestlé, Unilever, Mondelez, Pepsi, Coca-Cola und Mars entwickelt haben. Es funktioniert ähnlich wie die Ampel. Allerdings werden hier nicht einheitlich 100 Gramm für die Bewertung zugrunde gelegt, sondern etwas undurchsichtige Portionsgrößen. Das sorgt für viel Kritik. Der Brotaufstrich Nutella zum Beispiel, der fast zu 90 Prozent aus Fett und Zucker besteht, würde nach dieser Bewertungsmethode keine rote Ampel bekommen.

Ampel und Nutriscore führen zu gesünderem Kaufverhalten

Verbraucherschützer und Ernährungsexperten sind sich darüber einig, dass ein sinnvolles Kennzeichnungssystem eingeführt werden muss - ob Nutriscore oder Ampel sei egal. Schließlich haben beide Systeme in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen eher zu den gesünderen Produkten greifen. Belgien und die Schweiz haben das Kennzeichnungssystem Frankreichs bereits übernommen.

Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte Nutri-Score zu sehen.

Auf einer Packung Joghurt ist der sogenannte Nutri-Score zu sehen.

Foodwatch plädiert für Nutri-Score

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert eine rasche Entscheidung für ein neues farbliches Nährwert-Logo für Fertigprodukte in Deutschland. Mit dem aus Frankreich stammenden System Nutri-Score sei auf einen Blick zu erkennen, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind, sagte Foodwatch-Expertin Luise Molling am 15. Mai 2019 in Berlin.

"Es ist höchste Zeit, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner sich von der unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie emanzipiert und dem besten Modell für Europas Verbraucher auch in Deutschland zum Durchbruch verhilft." Foodwatch-Expertin Luise Molling

Ernährungsministerin sieht noch Klärungsbedarf

Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Farbskala von dunkelgrün bis rot.

Doch Deutschland tut sich mit der Einführung der Lebensmittelampel schwer. Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) sieht noch Klärungsbedarf, da alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten. Erste Produkte mit der Nutri-Score-Ampel sind bereits in deutschen Supermärkten zu kaufen.

Bevormundet die Lebensmittelampel die Verbraucher?

Eine häufig geäußerte Kritik, die Lebensmittelampel würde Konsumenten bevormunden, lassen Ernährungsexperten nicht gelten. So unterstreicht Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der TU München, in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk, dass es bei der Einführung der Lebensmittelampel lediglich darum gehe, dem Verbraucher angesichts des immensen Warenangebots die "gesunde Wahl zu erleichtern". Der Ernährungsmediziner plädiert neben der Einführung einer Lebensmittelampel in Deutschland auch für eine höhere Besteuerung ungesunder Lebensmittel.

Hören Sie Hans Hauner hier im IQ-Interview auf Bayern 2:

Die Ampel auf Lebensmittelverpackungen fordert Ernährungsmediziner Hans Hauner auch für Deutschland.

Die Ampel auf Lebensmittelverpackungen fordert Ernährungsmediziner Hans Hauner auch für Deutschland.